Archiv für: Februar 2009

12.02.09

Wie ist der Ablauf ....

Wie ist der effektivste Ablauf, um überhaupt zu erfahren, ob man Umweltkrank oder nicht ist, werde ich in Telefonaten und Mails oft gefragt....

Nun, ich bin weder Arzt noch fachlich im Recht kompetent. Deswegen hier mein Rat von Mensch zu Mensch oder besser: VON BERTOFFENER PERSON ZU BETROFFENER PERSON aufgrund eigener Erfahrungen. Ausschlußdiagnostik parallel ist dringend geboten und usus! Oft muss ein Spezialist (Facharzt) konsultiert werden, oder es wird ein Klinikaufenthalt in konventionellen Kliniken dadurch nötig.

1. Krankenberichte sammeln und ordentlich chronologisch (zeitlich) abheften, außer-
dem unbedingt eine Zweitakte "Kopien" anlegen. Jeden Bericht von Ärzten, Labors,
Kliniken und ggf. Heilpraktikern oder Kur-Reha-Kliniken und ist er noch so
klein, berücksichtigen, er kann wichtige Bedeutung im Gesamtbild der
Beurteilung/Begutachtung haben. Auf jedenfall wird später für Klinik, Rente,
Schwerbehindertenausweis und andere Kliniken/Ärzte jeweils eine Kopie der oft
umfangreichen Akte benötigt, die dann dort auch verweilen muss. Also immer genügend
Kopien komplett parat haben. Nötigenfalls den Arzt oder die Krankenkasse bzw.
andere Behörden um Kopierhilfe bitten, oder sie bestenfalls gleich auf eigene Kosten
alles gleich selbst kopieren lassen!

2. Einen Arzt suchen, der sich mit Umwelterkrankungen auskennt. Dies ist nicht immer,
aber so doch meist gegeben, wenn im Titel die Umweltmedizin mit aufgeführt ist.
Das gleiche gilt für Zahnärzte und andere Mediziner. Am sinnvollsten ist es, wenn
der Hausarzt (Achtung, achte auf Kassenzulassung!) diesen Zusatz auch hat. Sollte
dies nicht der Fall sein, würde sich anbieten, bei normalen Zipperlein den HA zu
besuchen, bei Symptomen bezüglich der Umwelterkrankung dann den nächstgelegenen und
kompetenten Umweltarzt. Adressen können über den IVU e. V. erfragt werden!

Selbstverständlich können auch Umweltmediziner besucht werden, die rein privat ab-
rechnen, dies tut der Qualität keinen Abbruch und ist meist einfacher, da es davon
- noch - genügend gibt. Mancher kassenzugelassene Allgemeinmediziner mit Zusatz
Umweltmedizin, oder auch Privatarzt kann zum großen Teil trotzdem teilweise mit
der Krankenkasse abrechnen ist meine persönliche Erfahrung.

3. Unbedingt eine ausführliche Untersuchung auf alle bekannten chemischen Stoffe gründ-
lichst in Spezialpraxen durchführen lassen, die diese Diagnose dann auch schriftlich
belegen. (Hat man nichts in der Hand, glaubt man einem nichts, wird meist psychiatri-
siert!!!). Sehr Hilfreich auch ein schriftliches Gutachten von einem Umweltmediziner,
der dazu berechtigt ist. Auch hier bitte vertrauensvoll an den IVU e. V. wegen
Adressen wenden!

4. Sollten Reaktionen und somit Allergien oder sogar schon toxische Symptome aufgrund
von Chemikalien, Pestiziden, Nahrungsmitteln etc. nach der Diagnose und/oder Begut-
achtung erkennbar sein. Dieses schriftlich mit Stempel, Datum und Unterschrift
belegen lassen. Ggf. den MCS-Umweltpass beantragen über den Umweltarzt und ausstellen
lassen. Er kann dann überall vorgezeigt werden.

5. Sollte festgestellt werden, dass KEINE Umweltkrankheit vorliegt, sicherheitshalber
eine zweite fachkompetente Meinung einholen. Sollte auch die negativ ausfallen,
bitte unbedingt der Ausschlußdiagnostik weiter treu bleiben - die bei Umwelter-
krankungen und den Symptomen ja sowieso SEIN MUSS.

6. Sollte festgestellt werden, DASS eine Umwelterkrankung hinter den Symptomen steckt,
vom Umweltmediziner weiter beraten und behandeln lassen. Leider gibt es zur Zeit nur
Hilfsmittel um bessere Lebensqualität zu erlangen in Form von der Auflistung der
auslösenden Stoffe, die man dann unbedingt meiden muss - auch das Umfeld - da sonst
keine Besserung oder Linderung zu erwarten ist, oder Ernährungsberatung bzw. Auslei-
tungen von Giften. Heilung gibt es zur Zeit keine.

7. Baubiologen können nun sehr wichtig sein bei der Beratung von Sanierung/Renovierung
des Hauses oder der Wohnung oder wenigstens dem Teil des Zuhauses, wo der Umwelt-
kranke bestenfalls ohne Beschwerden leben kann. Achtung, vorher Preis aushandeln.
Wer vorarbeitet (Bilder der Wohnung z. B.) kann Geld sparen!

8. Es ist nun abzuklären, ob die Möglichkeit besteht, in einer der Umweltkliniken
unter zu kommen. Hierbei ist zu beachten, DASS ALS ERSTES die kompletten Kranken-
unterlagen (s. Punkt 1) in KOPIE sowie ggf. ein kleiner Bericht eigener Beobachtungen
und Erfahrungen mit Auslösern oder dem Werdegang der Krankheiten und deren Behand-
lungen (Erfolge, Misserfolge, keine Wirkung, toxische Wirkung, Medikamente etc.).
Dieser Bericht ist auch wichtig bei der Begutachtung oder für verschiedene Behörden.

9. Sollte einer Einweisung seitens der Klinik nichts mehr im Wege stehen, unbedingt
wieder einen kassenzugelassenen Arzt mit dem Zusatz Umweltmedizin konsultieren und
ca. 2 Wochen vor Terminvergabe der Klinik (es kann sein, dass man diesen Termin vor-
ab selbst ausmachen muss und ggf. bei fehlender Kostenzusage wieder absagen kann bzw.
selbst entscheidet, ob man dann wenigstens die ambulante Diagnose bzw. den gesamten
Aufenthalt privat bezahlt). In der Regel ist das Krankenhaus von allen Kassen
zugelassen. Die Einweisung muss den Zusatz tragen, dass die konventionelle Medizin
vor Ort und überhaupt nicht mehr greift und dringend geboten ist, sich in einer
Spezialklinik behandeln zu lassen.

10.Die Einweisung oder auch eine Kopie davon mit der chronologischen Krankenakte in
Kopie mit einem kleinen Anschreiben (es kann auch der persönliche o. g. Bericht
beigefügt werden), Betreff "Antrag auf vollständige Kostenübernahme des
Krankenhausaufhaltes in der Spezialklinik für Umweltkranke". Hilfreich ist es
hier, wenn der Umweltpass, ggf. Schwerbehindertenpass und Rentenausweis beigefügt
ist.

- die Krankenpapiere können auch eingescannt werden und mit dem Antrag und ggf. den
Ausweisen per Mail an die Krankenkassen gesandt werden, ich persönlich habe damit
bei der Knappschaft-Bahn-See, die allerdings ihren eigenen Medizinischen Dienst
und eine Abteilung für Kostenzusagen Leistungen Krankenhäuser hat, beste Erfah-
rungen gemacht. Morgens hingeschickt, Mittags die Kostenzusage der Knappschaft vor-
ab in der Mailpost, einen Tag später im Briefkasten. Allerdings beschränkt auf
zwei Wochen, mit dem Hinweis, sollten weitere medizinische Maßnahmen der Klinik
von Nöten sein, muss die Klinik dieses rechtzeitig begründen und beantragen, dann
kann einer Verlängerung stattgegeben werden.

11.Sollte ein Rentenausweis oder ein Schwerbehindertenausweis nicht vorhanden sein,
diese Ausweise mit dem gleichen Procedere beantragen. Gutachtertermine werden dann
vergeben. Ohne geordnete Papiere zur Überlassung in Kopie bitte dort gar nicht erst
auftauchen. Personalausweis mitbringen! Vorhandene Pässe mitbringen (ggf. Verlänge-
rungsantrag stellen). Meist ist der Gutachter bei Rentenangelegenheiten ein Psycho-
loge. Nicht aus der Fassung bringen lassen. Ehrlichkeit ist angesagt. Keine Über-
treibungen. Unterbrechen, wenn die Äußerungen nicht stimmen und richtig stellen. Die
Verschlechterungen oder Schübe zeitlich und im Ausmaß benennen.

12.Wege finden, wie man den Alltag besser gestalten kann, ohne noch mehr an Lebens-
qualität zu verlieren. Schlafmanagement, Hilfe erbitten, ggf. von der bewilligten
Rente Putz- oder Haushaltshilfe, Nachhilfe für die Kinder etc. leisten. Passive
und möglichst schadstofffreie Hobbys suchen. Körperlich und geistig aktive Hobbys
nur an guten Tagen mit dem Wissen, dass der nächste Tag dann mit Erschöpfung oder
weiteren Symptomen abläuft. Zumindest damit rechnen, dass sekündlich ein Anfall oder
Symptome kommen und gehen können. Aufklärung durch Internet, Presse, Fernsehen,
Radio verfolgen (Termine werden hier bekannt gegeben).

Aber Achtung: Sekten, Wunderheiler und deren Mittelchen und "Maulwürfe" mit Fehlinformantionen, die bewußt gestreut werden, fischen uns gebeutelten und meist nach Hoffnung und Hilfe Suchende gern, um uns Geld aus der Tasche zu ziehen oder uns in die Irre zu führen, um dann gnadenvoll in ihren Fängen aufzufangen. Bitte immer gründlichst hinterfragen!!!

Zu guter Letzt:

Auch wenn es schwer ist, aber versucht an guten Tagen vom Ich zum Wir in der Familie oder auch unter Gleichgesinnten zu kommen. Da unsere Nerven und das Hirn von den Schadstoffen oft schon angeschlagen ist, sind wir zusätzlich super sensibel oder gar launisch bis depressiv. Werdet Euch dessen bewußt und nehmt Euch dann zurück. Schlaft über Ärgernisse erst eine Nacht. Bewahrt Geduld. Lasst auch die anderen ausreden und sagen, was sie denken, fühlen, meinen. Laßt Meinungen auch mal im Raum stehen.

Aber laßt Euch an guten Tagen nicht mundtot machen und/oder psychatrisieren.... steht zueinander und helft Euch gegenseitig!!! Einer für Alle, Alle für Einen, sollte auch die Devise für die Betroffenen und ihr Umfeld sein. Laßt Euch nicht länger für blöd verkaufen, denn in der Regel sind wir das nicht!!! :)

Tragt sachlich und mit Geduld immer wieder Euere Sache und Eure Begehrlichkeiten vor und geht davon aus, dass die wenigsten Euch verstehen (wollen).

Nutzt die guten Tage, verliert den Mut und die Hoffnung nicht an schlechten Tagen, denn die guten Tage kommen wieder.

Vermeidung von Auslösern (allergisch oder toxisch) ist das A und O!!!!

Nützt das von unserer Krankheit gesetzte Stopp um zur Ruhe zu kommen, Gedanken zu ordnen, zum Ich zu finden und vor allem den neuen Lebensrhytmus anzunehmen und dazu zu stehen.

In diesem Sinne viel Geduld, Kraft und Glück und gern von Mensch zu Mensch mehr Miteinander in Form von geistigem oder verbalem Beistand unter:

scna.w@ivuev.de

Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem "Fahrplan" nützlich sein!!!

Eure
Claudia Weidt-Goldmann
MCS Betroffene

- EHRENAMTLICHE -

IVU e. V.
Außenstelle
Nordhessen-Ostwestfalen
und Umgebung
www.ivuev.de

privat: http://claudiaweidt.de.vu

Ratgeber

Hier werden Sie beraten... In unregelmäßigen Abständen werden hier zu aktuellen Fragestellungen aus der IVU e. V. Arbeit die wichtigsten Ratschläge mitgeteilt!

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