Laktose-Intoleranz: Finger weg von Milch und Käse
Milchzucker (Laktose) kommt in Kuhmilch vor. Damit dieser Zucker im Dünndarm aufgenommen werden kann, muss er in zwei Teile gespalten werden: Glukose und Galaktose. Normalerweise ist das Enzym Laktase für diese Spaltung zuständig, das sich in der Dünndarmschleimhaut befindet. Menschen mit einer Laktose-Intoleranz können Milchzucker (Laktose) nicht mehr in seine Einzelbestandteile zerlegen; die Fähigkeit zur Spaltung des Zuckers ist verringert. Der Grund ist ein Mangel am Enzym Laktase. Der Milchzucker bleibt im Darm, bindet Wasser und es kommt zu Durchfall. Zusätzlich vergären Darmbakterien den ungespaltenen Zucker, wodurch Darmgase (Blähungen) entstehen.
Die Mehrzahl der Weltbevölkerung kann Milchzucker nach dem Säuglingsalter nicht mehr vollständig verwerten. In asiatischen Ländern beispielsweise fehlt den meisten Menschen das Enzym zur Spaltung des Milchzuckers. Daher findet man in diesen Regionen auch keine Milch- oder Käseprodukte auf dem Speiseplan. In Mitteleuropa leiden etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung an einer Laktose-Intoleranz. Nicht zu verwechseln ist die Milchzuckerunverträglichkeit mit einer Allergie gegen Milchprodukte.
Dr. med. Katharina Larisch
Rund 1% der Bürger leidet an Beschwerden, die durch HIT begründet sind. Die Symptome reichen von Migräne, Regelbeschwerden, Verdauungsstörungen, Bauchkrämpfen oder Blähungen, Herzrhythmusstörungen, Hautprobleme, Hitzewallungen, laufender Nase, Kopfschmerzen, allergieähnlichen Probleme, niedrigem Blutdruck, Asthma bis hin zu lebensbedrohlichen Gesundheitsstörungen.
Die Ursache dafür liegt oft im Speiseplan und damit verbunden in einer Histaminintoleranz. Und dennoch wird die Ursache der Erkrankung immer noch häufig nicht erkannt. Für die Betroffenen bedeutet das oft einen langen Leidensweg.
Festgestellt wird die Histaminintoleranz meist nur anhand der Krankengeschichte, obgleich es mittlerweile Diagnosezentren gibt, die eine HIT anhand von Blutuntersuchungen ermitteln können. Dabei brächte eine generelle Kontrolle auf HIT den Betroffenen eine rasche Hilfe, den Kostenträgern aber auch eine immense Kostenersparnis. Denn das Problem ist bereits seit 1830 bekannt.
Damals erkrankten Matrosen auf ihrem Schiff, der riton of Leith nach dem Verzehr von makrelenartigen Fischen an einer Histaminvergiftung. Und schon im Jahre 1910 erkannte man die Bedeutung von Histamin ebenso wie wie HIT.
Beim Histamin handelt es sich um eine sog. chemische Substanz, die sich in fast allen Lebensmitteln wie auch in Medikamenten etc. in unterschiedlichen Konzentrationen befindet und für die Entstehung von Allergien verantwortlich ist.
Dennoch handelt es sich bei HIT nicht um eine Allergie, sondern um eine Unverträglichkeit (= Intoleranz). Sie ist deshalb auch nicht mit den üblichen Allergietests nachweisbar. HIT beruht auf dem Fehlen eines Enzyms (= Eiweißstoffs) im Darm, der „Diaminoxydase“. Dieser Defekt führt dazu, dass das in den Körper gelangte Histamin nicht ausreichend abgebaut werden kann.
Hinter das Geheimnis der HIT (= Histaminintoleranz) kam 1910 der Mediziner und Wissenschaftler Sir Henry H. Dale (* 9.6.1875 - † 23.7.1968). Er stellte fest, dass es durch den geruchs-, geschmack- und farblosen Botenstoff Histamin zu Symptomen kommt, die allergieähnlich sind. Der deutliche Unterschied liegt jedoch darin, dass es bei der Histaminintoleranz im Gegensatz zu einer Allergie nicht zu einem Anstieg der Antikörper, der sog. Immunglobluline E (IgE), im Blut kommt.
Die Histaminintoleranz trifft sowohl Männer wie Frauen meist unvorbereitet. Allerdings sind Frauen von ihr 4mal häufiger betroffen.
Zu den Nahrungsmitteln, die reich an Histamin sind und somit bei der Histaminintoleranz zu massiven Problemen führen können gehören v.a. Lebensmittel, die durch Reife- und Gärungsprozessen durch Bakterien und Hefepilze beeinflusst wurden. Wie z.B. bestimmte Sorten Fisch, Käse, Wurst, Gemüse, Alkoholika.
Aus diesem Grund sollten Nahrungsmittel möglichst frisch verzehrt werden. Denn weder erhitzen noch tiefkühlen senken den Histamingehalt. Im Gegenteil, Lagerung auch in Form von tiefkühlen erhöht ihn in aller Regel noch.
Neben histaminreichen Nahrungsmitteln gibt es auch solche, die eine zusätzliche Ausschüttung von Histamin im Magen-Darmtrakt begünstigen können. Aufgrund von „biogenen Aminen“ (Mikroorganismen).
Gleichzeitig wird die Histaminintoleranz durch einige Nahrungsmittelzusatzstoffe begünstigt. Diese findet man u.a. in Gewürzmischungen wie z.B. Maggi sowie in Halbfertig- und Fertigprodukten.
Einige Medikamente können den Histaminabbau im Körper behindern, was bei von der HIT Betroffenen große Probleme mit sich bringen kann. Hierzu gehören Schmerzmittel; Asthmamittel; Schleimlöser; Antihypertensiva; Antibiotika; Blutdrucksenker, Kontrastmittel etc. Durch sie können Beschwerden nicht nur ausgelöst oder verstärkt werden. Die Gabe von Medikamenten bei Histaminintoleranz kann sogar bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Aus diesem Grund muss vor jeder Medikamentenverordnung die Frage einer möglichen Histaminintoleranz geklärt sein. Denn, bis heute gibt es keine Möglichkeit die HIT zu behandeln.
Deshalb lautet unser Rat: „Befragen Sie im Zweifelsfall nicht nur Ihren Arzt oder Apotheker, sondern auch den Speiseplan!“
Es lohnt sich hierzu das Buch „Histaminintoleranz“ zu lesen. Verfasser: Univ. Prof. Dr. Reinhart Jarisch - Floridsdorfer Allergie Zentrum, Österreich (Arzt / Ärztin, Wien). Erschienen ist es im Thieme Verlag Stuttgart (2004). Kosten: 14,99 Euro.
21.06.2005 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH
Interdisziplinäres Witten/Herdecker Forschungsteam beteiligt sich am Genom-Forschungsprojekt zum Bakterium P.gingivalis An der Universität Witten/Herdecke werden Zusammenhänge zwischen Paradontitis und Herz-Kreislauferkrankungen erforscht. Dabei spielt das Bakterium P.gingivalis eine Hauptrolle. Die beteiligten Forschungsteams um Prof. Dr. W.D. Grimm, Institut für Parodontologie, und Prof. Dr. C. Kaltschmidt, Institut für Neurobiochemie, konnten nachweisen, dass bei einer bestehenden Parodontitis das Bakterium möglicher Auslöser entzündungsbedingter Gefässverkalkungen mit einem hohen Risiko für die Ausbildung von Herz- Kreislauferkrankungen sein kann. Der Forschungsansatz wird durch das nationale Gesundheitsinstitut (NIH) der USA in Witten unterstützt.
Parodontitis ist eine Infektion in der Mundhöhle, die zu einer entzündlich bedingten Zerstörung des Zahnhalteapparates führt. Diese Zerstörung ist nach gegenwärtigen epidemiologischen Erkenntnissen nach dem 35. Lebensjahr die Hauptursache für Zahnverlust.
Die von der Entzündung ausgelöste Zerstörung des Zahnhalteapparates wird durch einen unterhalb des Zahnfleisches gebildeten bakteriellen Biofilm aus anaeroben Keimen ausgelöst. Anaerobe Keime sind Bakterien, die ohne Sauerstoff in der Lage sind, giftige Stoffwechselprodukte zu bilden, die den Hauptgewebestandteil des Zahnhalteapparats, das Bindegewebe, zerstören und damit zum Verlust des Zahnes führen.
Dabei spielt das Bakterium P.gingivalis eine Hauptrolle. Der Mikroorganismus hat die Fähigkeit, sich der körpereigenen Abwehr durch einen so genannten Maskierungseffekt zu entziehen. Tierversuche führten zu einem überraschenden Ergebnis. Die beteiligten Forschungsteams konnten nachweisen, dass bei einer bestehenden Parodontitis das Bakterium möglicher Auslöser entzündungsbedingter Gefässverkalkungen mit einem hohen Risiko für die Ausbildung von Herz- Kreislauferkrankungen sein kann. Die Forscher führten dafür spezifische Genom-Analysen an dem Bakterium durch. Sie untersuchten dabei unterschiedliche P.gingivalis-Stämme, die in Zahnfleischtasche von Parodontitis befallenen Patienten auftreten. Die Forscher versprechen sich davon neue Erkenntnisse darüber, wie einzelne Gene des Bakteriums P.gingivalis in Abhängigkeit vom Schweregrad der bestehenden Parodontitis aktiviert werden.
Um diesen Zusammenhängen auf den Grund zu gehen, verfügt die Universität Witten/Herdecke bereits über die passenden nanotechnologischen Werkzeuge, so genannten DNA-Mikroarrays. Mit deren Hilfe können auf einen Schlag tausende von Genen untersucht werden.
Nachdem die Wittener Teams unter Leitung von Prof. Grimm (Parodontologie) und Prof. Kaltschmidt (Neurobiochemie) in einer weltweiten Ausschreibung den Zuschlag erhalten hatten, dürfen sie nun spezielle, vom Institute for Genomic Research entwickelte P.gingivalis-spezifische DNA-Mikroarrays im eigenen Forschungsprojekt verwenden. Ein weiterer Grund für den Zuschlag: In Witten liegen Ergebnisse einer klinisch-kontrollierten Studie mit bakteriellen Patientenproben vor, die eine individuelle Bewertung der körpereigenen Abwehr auf der Grundlage entzündungsspezifischer Immunmodulatoren (biochemische Entzündungssignale) ermöglicht. Diese Immunmodulatoren sind in einer Kooperation mit dem Center of Oral Diseases der University of North Carolina at Chapel Hill mit Hilfe hoch sensibler Verfahren nachgewiesen worden.
Damit verfügt die Wittener Forschungsgruppe über einen Vorsprung bei der Untersuchung dieser Zusammenhänge. Die Wissenschaftler erhoffen sich noch weitere Hinweise auf die mögliche Verknüpfung von bakteriell bedingten Infekten der Mundhöhle und der Auslösung ateriosklerotischer Gefäßveränderungen im Organismus, die zu einem erhöhten Risiko der Ausbildung von Herz-Kreislauferkrankungen führen können.
Kontakte: Prof. Dr. med. dent. Wolf-D. Grimm, Tel.: +49(0)2302 926 608, E-Mail: wolfg@uni-wh.de; Prof. Dr. Christian Kaltschmidt, Tel.: +49(0)2302 669 128; E-Mail. c.kaltschmidt@uni-wh.de
Umwelterkrankungen wie CFS (chronisches Müdigkeitssyndrom), MCS (multiple chemische Sensibilität), Polyneuropathie oder Fibromyalgie werden in der Spezialklinik Neukirchen durch ein integratives, ganzheitsmedizinisches Konzept behandelt. Die Forschung der letzten Jahre zeigt, dass Umweltgifte wie z. B. Holzschutzmittel, Autoabgase, Pestizide, Insektizide, Düngemittel, chemische Rückstände und Schwermetallionen aus dem Trinkwasser oder aus Amalgamfüllungen sowie Zusatzstoffe aus der Nahrung, wie Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Bindemittel, Aromastoffe und Geschmackskorrigenzien, deutliche Abweichungen im zellulären Energiestoffwechsel und in der körperlichen Immunreaktion, bis zu einer Blockade hervorrufen können. Daher ist die Identifizierung, der entsprechende Abbau und die Ausleitung dieser Umweltgifte von entscheidender Bedeutung für die Stoffwechselentlastung sowie die immunologische Entlastung.
Im Rahmen eines aufwendigen Diagnoseprogrammes werden zuerst durch eine Anamnese und gezielte immunologische Tests Symptomverursacher wie Epstein-Barr-Virus, eine Borrelieninfektion oder eine Autoimmunerkrankung ausgeschlossen. Es folgt eine aufwendige Untersuchung verschiedener belastender Umweltschadstoffe im Blut, Muttermilch oder Harn (GC-MS), die für Deutschland klinisch relevant sind. Hierzu gehört die Identifizierung wichtiger Organchlorverbindungen wie PCP, PCB´s, HCH bzw. Lindan, DDT, Hexachlorbenzol (und andere chemische Verbindungen), von Pyrethroidderivaten, Lösungsmitteln, Formaldehyd sowie von Fuselalkoholen, Methanol und organischen Quecksilberverbindungen (AAS).
Ebenfalls werden in unserem Umweltlabor elf relevante Schwermetalle, die meist in Dental- und Geschirrlegierung zu finden sind (Quecksilber, Zinn, Palladium, Gold, Silber, Kupfer, Blei, Kadmium, Nickel, Chrom) in Speichel, Harn und Muttermilch nach Mobilisationstest mit Chelatstoffen (metallbindende Verbindung) untersucht. Im Mittelpunkt des Diagnose- und Therapieprogrammes steht auch die Problematik der Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die heutzutage für viele überraschende Symptome wie Kopfschmerzen, Migräne, Hautausschläge aller Art und Darmprobleme, bis hin zur Atemnot verantwortlich sein können.
Man unterscheidet hier typische allergische Reaktionen gegen Nahrungsmittel, die mit einer Beteiligung des Immunsystems stattfinden und falsche allergische Reaktionen, die meist auf Zusatzstoffe aus der Nahrung (Natriumglutamat, biogene Amine aus Wurst, Bier, Käse, Schokolade, Rotwein sowie Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Verdickungsmittel usw.) zurückzuführen sind.
Intoleranzreaktionen gegen 30 bis 50 Lebensmittelallergene und Zusatzstoffe aus der Nahrung (Konservierungs-, Farb- und Aromastoffe, Emulgatoren, Geschmackskorrigentien, Metalle, biogene Amine, Gewürze u. a.) werden neben den wichtigsten physiologischen und pathogenenden (krankmachenden) Vertretern der Darmflora (Bakterien und Pilze) auch überprüft.
Dieses diagnostische Paket ist von großer Bedeutung, denn die Mehrzahl der Betroffenen leiden nachweislich unter kombinierten Schadstoffeinflüssen, die sich gegenseitig verstärken und damit die langjährigen immunschädigenden und nervenbelastenden Nebenwirkungen, verbunden mit Energieblockaden, Redoxverschiebungen und Produktion von Freien Radikalen und damit die schwierigen Krankheitszustände der Fibromyalgie-, MCS- und CFS-Patienten erklären lassen. Erst nach Auswertung dieser Befunde kann man die individuellen Therapiemaßnahmen einleiten.
In der Regel gehören zu dieser Strategie fünf Richtlinien:
Der Ausgleich der festgestellten Defizite an Antioxidantien, Spurenelementen und Vitaminen mit Co-Enzym-Funktion (in Infusions- oder Kapselform)
Die Verordnung entsprechender Ausleitungs- und Entgiftungsverfahren (Entfernung von Dentallegierungen bei nachgewiesener Belastung, Chelatstoffe, biologische Mittel zur Steigerung der I. und II. Detoxphase in der Leber, den Nieren und dem Nervensystem, Hyperthermieanwendungen, Darmspülungen, Toxinabsorbers, Probiotika zum Aufbau einer physiologischen Darmflora, Enzympräparate u. a.)
Ein individueller hypoallergener und zusatzstofffreier Diätplan, der die festgestellten Intoleranzen, Defizite und Darmfloraabweichungen berücksichtigt.
Ein komplexes psychologisches Betreuungsprogramm mit Einzel- und Gruppengesprächen, sowie Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Yoga, Biofeedback u. a.
Ein vom Untersuchungsergebnis abhängiges Sanierungsprogramm für zu Hause, das die Entfernung verschiedener Emissionsquellen berücksichtigt: Holzschutzmittel, Spanplatten, imprägnierte Teppichböden und Tapeten, Ledermöbel bzw. -kleidung, Wasch- und Desinfektionsmittel, Berufsallergene, Metallgeschirr/-besteck u. a.
Durch die oben genannten Maßnahmen, unterstützt durch Kontrolluntersuchungen in der Nachbehandlungsphase, lassen sich die langjährigen Beschwerden der meisten Patienten positiv beeinflussen.
Vortrag von Dr. rer. nat. Gruia Ionescu – im November 2001
Licht und Sicht
Stellen Sie Ihren Bildschirm im Winkel von 90 Grad zum Fenster auf – damit reduzieren Sie ermüdende Blendungen und Reflexionen und schützen gleichzeitig Ihre Augen davor, direkt ins Licht zu sehen.
Dämpfen Sie direkt einfallendes Außenlicht durch Jalousien.
Blendfrei und angenehm für die Augen: indirekte Leuchten, die ihr Licht reflektierend an die (weiße) Decke werfen.
Generell sollten Sie dafür sorgen, dass Ihr Arbeitsplatz nicht heller ausgeleuchtet ist als die Umgebung: Der ständige Wechsel zwischen Dunkelheit und Licht strengt Ihre Augen an.
Ermüdung am Bildschirm kann auch eine Folge unbemerkt nachlassender Sehkraft sein! Lassen Sie Ihre Sehkraft regelmäßig prüfen – dafür müssen Sie nicht extra zum Arzt, das geht auch beim Optiker. Tipp: Eine Brille speziell für die Arbeit am PC, deren Gläser auf den Abstand zwischen Augen und Bildschirm eingestellt sind, kann Wunder wirken. Manche Unternehmen gewähren ihren Mitarbeitern hierfür sogar eine Zuzahlung.
Ergonomisches Sitzen
Sitzen Sie gerade vor dem Monitor, so dass Sie Kopf und Körper nicht drehen müssen. Ist Ihr Schreibtisch zu klein, um den Bildschirm richtig platzieren zu können, nutzen Sie einen Monitor-Schwenkarm.
Ihr Abstand zum Bildschirm sollte etwa eine Armlänge betragen, die Bildschirm-Oberkante sollte sich etwa in Augenhöhe befinden, auf keinen Fall jedoch darüber.
Ober-/Unterarme und Ober-/Unterschenkel sollten bei geradem Sitzen einen rechten Winkel bilden. Die Füße stehen dabei vollständig auf dem Boden. Erreichen Sie diese Haltung nicht, sorgen Sie für eine bessere Abstimmung zwischen Tisch- und Stuhlhöhe.
Wenn Sie kurze Beine haben und Ihr Schreibtisch nicht höhenverstellbar ist, dürfen Sie Ihren Stuhl nicht einfach niedriger stellen – sonst müssen Sie zum Monitor hochsehen, was Verspannungen in Nacken und Schultern hervorruft. Besser: Arbeiten Sie mit Fußstütze!
Spezial-Tipps gegen den „Mausarm“
Benutzen Sie eine ergonomisch geformte Maus und mit Gel gefüllte Handauflagen für Tastatur und Maus.
Sehr hilfreich bei langen Computer-Sitzungen ist es, wenn Sie gelegentlich ein paar Minuten mit einem Yo-Yo spielen – das entkrampft optimal.
Bei Nackenverspannungen hilft ein Wechsel der Hand: Bedienen Sie die Maus mal eine Weile mit links (bzw. rechts). So kommen Sie zwar langsamer voran, dafür wird die Koordination der beiden Gehirnhälften trainiert und die Kreativität angeregt!
21.06.2005 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH
Interdisziplinäres Witten/Herdecker Forschungsteam beteiligt sich am Genom-Forschungsprojekt zum Bakterium P.gingivalis An der Universität Witten/Herdecke werden Zusammenhänge zwischen Paradontitis und Herz-Kreislauferkrankungen erforscht. Dabei spielt das Bakterium P.gingivalis eine Hauptrolle. Die beteiligten Forschungsteams um Prof. Dr. W.D. Grimm, Institut für Parodontologie, und Prof. Dr. C. Kaltschmidt, Institut für Neurobiochemie, konnten nachweisen, dass bei einer bestehenden Parodontitis das Bakterium möglicher Auslöser entzündungsbedingter Gefässverkalkungen mit einem hohen Risiko für die Ausbildung von Herz- Kreislauferkrankungen sein kann. Der Forschungsansatz wird durch das nationale Gesundheitsinstitut (NIH) der USA in Witten unterstützt.
Parodontitis ist eine Infektion in der Mundhöhle, die zu einer entzündlich bedingten Zerstörung des Zahnhalteapparates führt. Diese Zerstörung ist nach gegenwärtigen epidemiologischen Erkenntnissen nach dem 35. Lebensjahr die Hauptursache für Zahnverlust.
Die von der Entzündung ausgelöste Zerstörung des Zahnhalteapparates wird durch einen unterhalb des Zahnfleisches gebildeten bakteriellen Biofilm aus anaeroben Keimen ausgelöst. Anaerobe Keime sind Bakterien, die ohne Sauerstoff in der Lage sind, giftige Stoffwechselprodukte zu bilden, die den Hauptgewebestandteil des Zahnhalteapparats, das Bindegewebe, zerstören und damit zum Verlust des Zahnes führen.
Dabei spielt das Bakterium P.gingivalis eine Hauptrolle. Der Mikroorganismus hat die Fähigkeit, sich der körpereigenen Abwehr durch einen so genannten Maskierungseffekt zu entziehen. Tierversuche führten zu einem überraschenden Ergebnis. Die beteiligten Forschungsteams konnten nachweisen, dass bei einer bestehenden Parodontitis das Bakterium möglicher Auslöser entzündungsbedingter Gefässverkalkungen mit einem hohen Risiko für die Ausbildung von Herz- Kreislauferkrankungen sein kann. Die Forscher führten dafür spezifische Genom-Analysen an dem Bakterium durch. Sie untersuchten dabei unterschiedliche P.gingivalis-Stämme, die in Zahnfleischtasche von Parodontitis befallenen Patienten auftreten. Die Forscher versprechen sich davon neue Erkenntnisse darüber, wie einzelne Gene des Bakteriums P.gingivalis in Abhängigkeit vom Schweregrad der bestehenden Parodontitis aktiviert werden.
Um diesen Zusammenhängen auf den Grund zu gehen, verfügt die Universität Witten/Herdecke bereits über die passenden nanotechnologischen Werkzeuge, so genannten DNA-Mikroarrays. Mit deren Hilfe können auf einen Schlag tausende von Genen untersucht werden.
Nachdem die Wittener Teams unter Leitung von Prof. Grimm (Parodontologie) und Prof. Kaltschmidt (Neurobiochemie) in einer weltweiten Ausschreibung den Zuschlag erhalten hatten, dürfen sie nun spezielle, vom Institute for Genomic Research entwickelte P.gingivalis-spezifische DNA-Mikroarrays im eigenen Forschungsprojekt verwenden. Ein weiterer Grund für den Zuschlag: In Witten liegen Ergebnisse einer klinisch-kontrollierten Studie mit bakteriellen Patientenproben vor, die eine individuelle Bewertung der körpereigenen Abwehr auf der Grundlage entzündungsspezifischer Immunmodulatoren (biochemische Entzündungssignale) ermöglicht. Diese Immunmodulatoren sind in einer Kooperation mit dem Center of Oral Diseases der University of North Carolina at Chapel Hill mit Hilfe hoch sensibler Verfahren nachgewiesen worden.
Damit verfügt die Wittener Forschungsgruppe über einen Vorsprung bei der Untersuchung dieser Zusammenhänge. Die Wissenschaftler erhoffen sich noch weitere Hinweise auf die mögliche Verknüpfung von bakteriell bedingten Infekten der Mundhöhle und der Auslösung ateriosklerotischer Gefäßveränderungen im Organismus, die zu einem erhöhten Risiko der Ausbildung von Herz-Kreislauferkrankungen führen können.
Kontakte: Prof. Dr. med. dent. Wolf-D. Grimm, Tel.: +49(0)2302 926 608, E-Mail: wolfg@uni-wh.de; Prof. Dr. Christian Kaltschmidt, Tel.: +49(0)2302 669 128; E-Mail. c.kaltschmidt@uni-wh.de
Ursachen – Wirkungen – Abhilfe
Schimmelpilze sitzen nicht auf dem Trockenen!
Schimmelpilze sind ein natürlicher Teil unserer belebten Umwelt. Ihre Sporen sind fast überall zu finden, also auch in Innenräumen. Sie sind normalerweise harmlos. Übersteigt allerdings die Schimmelpilzkonzentration ein bestimmtes Maß, kann es zu gesundheitlichen Problemen für die Bewohnerinnen und Bewohner kommen.
Schimmelpilze benötigen z um Wachsen viel Feuchtigkeit. Ursachen erhöhter Feuchte innerhalb von Gebäuden können zum Beispiel sein:
a.) direkter Eintrag von Feuchtigkeit zum Beispiel über
· defekte Dächer (Insbesondere Flachdächer), Dachrinnen und Fallrohre,
· Risse im Mauerwerk,
· Ungenügendes Austrocknen nach Baumaßnahmen
· Wassereintritt infolge Rohrbrüchen, Überschwemmungskatastrophen, etc.
b.) unzureichende Abfuhr erhöhter Raumluftfeuchte durch:
· unsachgemäßes Heizen und Lüften, insbesondere in luftdichten Gebäuden
· Kondensation (Tauwasserbildung) der Luftfeuchte im Bereich von „kalten“ Wänden, die zum Beispiel durch Wärmebrücken in den Außenwänden bei unzureichend oder falsch angebrachten Wärmedämmungen und Undichtigkeiten entsteht.
Die Aufstellung zeigt, dass neben baulichen und bauphysikalischen Mängeln, auch die Bewohnerinnen und Bewohnen zu erhöhter Feuchte im Gebäude beitragen. Unsachgemäßes Lüften in Verbindung mit Tätigkeiten, bei denen viel Feuchtigkeit entsteht (Duschen, Kochen, Wäschetrocknen, Betrieb großer Aquarien etc.), kann die Feuchtigkeit im Gebäude über das erträgliche Maß hinaus erhöhen. Dies wird vor allem dann ein Problem, wenn die Gebäude aus Energiespargründen aufwändig abgedichtet wurden.
Jeder kann die Feuchtigkeit in seiner Wohnung selbst prüfen. Bereits einfache Feuchtigkeitsmessgeräte (Hygrometer) geben – zumindest – eine Orientierung über die relative Luftfeuchtigkeit im Raum. Sie sollte auf Dauer 66 – 70 % in der Raumluft und unmittelbar entlang der Wandoberflächen 80 % nicht überschreiten, um Gefahr von Schimmelwachstum zu verringern.
Durch erhöhte Dichtigkeit der Fenster und/oder bei aufwändig sanierten Gebäuden wird der natürliche Luftaustausch mit der Umgebungsluft reduziert. Die im Gebäude entstehende Feuchtigkeit muss dann durch verstärktes Lüften abtransportiert werden. Erst am Anfang steht in diesem Zusammenhang der Einbau mechanischer Belüftungssysteme, also technischer Anlagen, die fortwährend einen genügenden Luftaustausch gewährleisten sollen, ohne dass während der Heizperiode dabei vermehrt Heizenergie durch Lüften verloren geht.
Schimmelpilze – Was ist das?
„Schimmelpilze“ ist ein Sammelbegriff für Pilze, die typische Pilzfäden und Sporen ausbilden können. Schimmelpilze bilden in der Wachstumsphase Zellfäden. Diese sind meist farblos, so dass der Schimmelpilz in dieser Phase normalerweise mit dem bloßen Auge nicht erkennbar ist.
Zur Vermehrung und Verbreitung bilden Schimmelpilze „Sporen“. Diese sind oft gefärbt, so dass der Schimmelpilzbefall in diesem Stadium auch mit bloßem Auge (zum Beispiel als schwarze oder gelbe Schimmelpilzflecken) erkennbar ist.
Das Schimmelpilzwachstum im Innenraum wird hauptsächlich von drei Faktoren bestimmt: Feuchtigkeit, Nährstoffangebot und Temperatur.
Schimmelpilze können eine Vielzahl von Materialien als Nährboden nutzen wie zum Beispiel:
· diverse Holzarten, Spanplatten
· Papier, Pappe, Karton (auch Gipskarton)
· Tapeten, Tapetenkleister
· Kunststoffe, Gummi, Silikon
· Teppichböden, Kleber für Fußbodenbeläge
· Farben, Lacke
· Leder
Auch in und auf Zement und Beton kann Schimmelwachstum vorkommen. Schimmelpilze können außerdem auf Materialien wachsen, die selbst keine Nährstoffe abgeben, wenn sich organische Partikel und Stäube aus der Luft auf diesem abgesetzt haben (zum Beispiel auf Glas).
Schimmelpilze können auf Materialien nur wachsen, wenn eine bestimmte Mindestfeuchte vorhanden ist. Dabei ist nicht die Gesamtfeuchte des Materials ausschlaggebend, sondern nur das den Pilzen genug zur Verfügung stehende „freie“ Wasser. Schimmelpilze könne auch auf und in Materialien wachsen, die nicht sichtbar nass sind. Es genügt eine relative Luftfeuchtigkeit von ungefähr 80 % an der Oberfläche des Materials. Besonders gute Wachstumsbedingungen finden sich immer dann, wenn es zu Tauwasserbildung auf oder im Material kommt.
Schimmelpilze – nur lästig oder auch schädlich?
Zahlreiche Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Schimmelpilzen sehen einen Zusammenhang zwischen der Belastung mit Schimmelpilzen und Atemwegsbeschwerden. Sporen und Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen können, über die Luft eingeatmet, allergische und reizende Reaktionen beim Menschen auslösen. In keiner dieser Studien konnte jedoch bislang festgestellt werden, ab welcher Konzentration an Schimmelpilzen in der Luft mit gesundheitlichen Auswirkungen gerechnet werden muss.
Es wird angenommen, dass grundsätzlich alle Schimmelpilze in der Lage sind, bei Personen, deren körpereigene Abwehrkräfte gestört sind, allergische und reizende Reaktionen beim Menschen auslösen. Bei Allergien setzt sich das Immunsystem des Körpers nicht gegen gefährliche Fremdstoffe (zum Beispiel Krankheitserreger), sondern fälschlicherweise gegen an sich harmlose Fremdstoffe (wie zum Beispiel Pollen, Bestandteile von Lebensmittel) zur Wehr. Beim ersten Kontakt mit dem Fremdstoff (Antigen) tritt noch keine allergische Reaktion auf, sondern der Körper bereitet sich durch die Produktion von Abwehrstoffen (Antikörpern) auf die Bekämpfung des vermeintlichen Schädlings vor. Man bezeichnet eine solche Person als „sensibilisiert“. Erst bei erneutem Kontakt mit dem Fremdstoff kann es dann zu allergischen Erscheinungen kommen, bei denen eine ganze Kette von Reaktionen im Körper abläuft, an deren Ende die typischen Symptome allergischer Reaktionen, wie Schnupfen, Niesen, gerötete Augen, Hautausschlag etc. stehen.
Die häufigsten, bei Schimmelpilzbelastung in Innenräumen beschriebenen, Symptome sind unspezifisch, so zum Beispiel Bindehaut-, Hals- und Nasenreizungen sowie Husten, Kopfweh oder Müdigkeit.
Infektionen durch Schimmelpilze (Mykosen) kommen nur sehr selten und nur bei besonders empfänglichen, stark immungeschwächten Personen vor.
Allergische und reizende Wirkungen können sowohl von lebenden als auch von abgestorbenen Schimmelpilzen ausgehen, während zur Auslösung von Infektionen nur lebende Schimmelpilze befähigt sind.
Schimmelpilze – das versteckte Problem
Oftmals entwickeln sich Schimmelpilze im Verborgenen. Ein modriger, muffiger Geruch oder erste dunkle Flecken an Wänden, Decken oder Mobiliar weisen auf das Problem hin. Bei Verdacht auf Vorliegen eines verdeckten Schimmelpilzbefalls müssen die betroffenen Räume genauer untersucht werden. Falls erforderlich, müssen Hohlräume hinter Verschalungen, Decken oder Wänden freigelegt werden, um so an die Schimmelpilzquelle zu gelangen. Zunehmend werden speziell ausgebildete Schimmelspürhunde eingesetzt, um verborgene Schimmelkontaminationen zu erkennen oder genauer gesagt „zu erschnüffeln“. Denn fast alle Schimmelpilze geben flüchtige organische Stoffe an die Raumluft ab, die ein speziell trainierter Hund riechen kann. Der Einsatz von Schimmelhunden ist derzeit allerdings noch umstritten, vor allem deshalb, weil der Hund zwar einen verdeckten Schimmelbefall markiert, dies aber noch keinerlei Aussage über das tatsächliche Ausmaß der Schimmelbelastung und über eine eventuelle gesundheitliche Gefährdung für die Bewohner zulässt.
Eindeutiger ist der Sachverhalt bei oberflächlich bereits mit bloßem Auge erkennbarem Schimmelbefall (zum Beispiel hinter Schränken, in Wandnischen etc.). Bei größerem Befall (bei mehr als ca. 20 – 50 cm² betroffener Fläche) muss nicht erst aufwändig analysiert werden, wie hoch die Schimmelbelastung in der Wohnung ist und welche Schimmelpilzarten im Einzelfall vorliegen. Es ist sogleich zu handeln.
Werden Schimmelpilzquellen entdeckt, muss den Ursachen für den Schimmelbefall nachgegangen werden. Erst danach sollte der befallene Bereich sachgerecht saniert werden, wobei in jedem Fall die Ursachen bekämpft werden müssen.
Zunächst ist also zu klären, ob eine Schimmelquelle vorhanden ist und welche Ursachen diese hat (bauliche Mängel, Fehlverhalten der Nutzer etc.).
Eine solche Untersuchung setzt hohen Sachverstand voraus und sollte durch eine dafür ausgewiesene Fachkraft durchgeführt werden. Eine einfach schematische Herangehensweise ist höchst problematisch. Es ist jeweils der konkrete Einzelfall unter Hinzuziehung aller vorhandenen Informationen zu beurteilen.
Vor Durchführung aufwändiger mikrobiologischer Untersuchungen sollte zunächst eine Ortsbegehung stattfinden. Bei dieser sollten die möglichen Ursachen für eine Schimmelpilzbelastung geklärt und in einem Begehungsprotokoll festgehalten werden. Bei der Begehung sollte geklärt werden, ob eine oder mehrere Quellen für Schimmelpilze in Innenräumen vorliegen. Über eine Analyse der Raumluft, des Hausstaubs und/oder befallener Materialien können das genaue Ausmaß des Schadens und das gesundheitliche Risiko eingeschätzt werden. Die Analysen sollten nur durch sachkundige Labors vorgenommen werden, da falsches Vorgehen bei den Messungen und Fehlinterpretationen der Ergebnisse sonst nicht auszuschließen sind.
Wichtig: Achten Sie bei der Vergabe von Aufträgen für Schimmelpilzmessungen darauf, dass die Laboratorien Qualitätssicherung betreiben und zum Beispiel regelmäßig und erfolgreich an Ringversuchen teilnehmen. Sollten Sie Zweifel an der „Güte“ des Labors haben, holen Sie Hilfestellung beim örtlichen Gesundheitsamt ein oder lassen sich durch Verbraucherverbände vor Ort beraten.
Sofern Sie befürchten, dass in Ihrer Wohnung eine Schimmelpilzquelle vorhanden ist, die Ihre Gesundheit beeinträchtigen könnte, dann lassen Sie sich in jedem Fall von Ihrem zuständigen Gesundheitsamt oder Ihrer Verbraucherschutzzentrale beraten.
Leiden Sie bereits unter gesundheitlichen Beschwerden, von denen Sie befürchten, dass sie mit Schimmelpilzwachstum in Ihrer Wohnung zusammenhängen können, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt, an ein umweltmedizinisches Zentrum oder die Landesärztekammer.
Was tun, wenn der Schimmel entdeckt ist?
Die Feststellung einer Schimmelpilzquelle im Innenraum ist nicht gleichzusetzen mit einer akuten Gesundheitsgefährdung der Raumnutzer. Das Ausmaß der Gesundheitsgefährdung ist abhängig von der Intensität der Empfindlichkeit der Raumnutzer und kann oft nicht genau quantifiziert werden. Schimmelpilzwachstum im Innenraum wird – auch ohne diese genauen Dosis-Wirkungszusammenhänge – als ein hygienisches Problem angesehen und sollte deshalb nicht hingenommen werden. Es muss das Vorsorgeprinzip gelten, wonach die Belastungen zu minimieren sind (Minimierungsgebot), bevor es zu Erkrankungen kommt.
Ergibt die Beurteilung, dass eine Schimmelpilzbelastung im Innenraum vorliegt, sollte eine Sanierung erfolgen. Auch geringe Schimmelpilzquellen im Innenraum sind aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes zu beseitigen. Eine Schimmelpilzsanierung ohne Beseitigung der Ursachen ist allerdings nicht sinnvoll, da früher oder später mit einem erneuten Schimmelwachstum zu rechnen ist. Daher ist es unerlässlich, die Ursachen für das Schimmelpilzwachstum, insbesondere die Frage eines erhöhten Feuchteeintritts, zu klären.
Schimmelpilzbefall in Mietwohnungen
Schimmelpilzbefall in einer Mietwohnung gilt als Mietmangel. Über die Ursachen und die Frage, wer für die Behebung der Schäden aufkommen muss, entsteht in der Praxis häufig Streit, der am Ende oft vor Gericht – nach Anhörung von Sachverständigen – entschieden wird.
Da Schimmelpilzbelastung in Innenräumen ein hygienisches Problem darstellt und auch eine Gesundheitsbelastung nicht auszuschließen ist, sollten aus Gründen der Gesundheitsvorsorge die Schäden, möglichst im gegenseitigen Einvernehmen zwischen Mieter und Vermieter rasch behoben werden. Bei ärztlichen Attesten von gesundheitlichen Beschwerden wegen einer Schimmelbelastung ist es wichtig, dass die Diagnose einen plausiblen Zusammenhang zwischen den Beschwerden und der Schimmelpilzbelastung erkennen lässt.
Wichtig: Unsere Hinweise können im Einzelfall eine konkrete Rechtsberatung nicht ersetzen. Bei Zweifeln über die Rechtslage sowie die bestehenden Rechte und Pflichten sollten sich Mieter und Vermieter am besten frühzeitig rechtlichen beraten lassen. Beratungsstellen, wie zum Beispiel Mietervereine oder Haus- und Grundeigentümervereine, können hier Hilfestellung leisten.
Kampf dem Schimmelpilz
Falls nicht sofort mit Sanierungsmaßnahmen begonnen werden kann, ist zu prüfen, ob die befallenen Stellen übergangsweise - möglichst ohne Staubverwirbelung – gereinigt und desinfiziert werden könne, zum Beispiel mit 70 %-igem Ethylalkohol (Ethanol) bei trockenen Flächen und 80 %-igem Ethylalkohol bei feuchten Flächen.
Durch gezieltes Lüften und Heizen kann die Luftfeuchtigkeit im Raum reduziert und ein weiteres Schimmelpilzwachstum eingeschränkt werden. Diese Maßnahme ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn zuvor bereits vorhandene Schimmelpilzsporen entfernt worden sind, um hohe Konzentrationen in der Raumluft sowie das Absetzen von Schimmelsporen aus der Raumluft an weiteren Stellen zu vermeiden. Durch vermehrtes Lüften und Heizen sowie durch ein Abrücken der Möbel von Außenwänden (ca. 10 cm Abstand) kann die Gefahr von Taupunktunterschreitungen an schwer zugänglichen Stellen verringert und damit einem weiteren Schimmelpilzwachstum vorgebeugt werden. Auch diese Maßnahme ist nur sinnvoll, falls zuvor bereits vorhandene Schimmelpilzsporen entfernt wurden.
Grundvoraussetzung für den Erfolg einer Sanierung ist die Beseitigung der Ursachen, die zum Schimmelpilzwachstum geführt haben. Bauseitige Schäden sind zu beheben und die Raumnutzerinnen und Raumnutzer darüber aufzuklären, wie in Zukunft Schimmelpilzwachstum vermeiden werden kann.
Der Sanierungsaufwand sollte dem Ausmaß des Schadens und der Art der Raumnutzung angepasst werden. Dabei spielen u.a. folgende Gesichtspunkte eine Rolle:
· Größe der befallenen Fläche,
· Stärke des Befalls (einzelne Flächen oder „dicker“ Schimmelbelag),
· Tiefe des Befalls (oberflächlich oder auch in tieferen Schichten),
· Vorkommende Schimmelpilzarten (wichtig für das Allergie- und Infektionsrisiko, manche
Schimmelpilzarten bilden giftige Toxine),
· Art der befallenen Materialien (auf raumseitig, rasch ausbaubaren Materialien oder im Mauerwerk),
· Art der Nutzung (Lagerraum, Wohnzimmer, Kindergarten, Krankenhaus).
Mit Hilfe dieser Kriterien ist mit Sachverstand eine Gesamteinschätzung vorzunehmen. Anschließend sind die sich daraus abzuleitenden Schutzmaßnahmen bei der Sanierung zu formulieren.
Sanierungsarbeiten kleinen Umfangs (zum Beispiel nur oberflächlicher Befall, befallene Fläche nicht größer als ca. 0,4 m², keine Bauwerksmängel), bei denen kein Risiko für gesunde Personen zu erwarten ist, können im allgemeinen ohne Beteiligung von Fachpersonal durchgeführt werden, wobei die Inanspruchnahme einer vorherigen fachlichen Beratung zu empfehlen ist.
Bei glatten Oberflächen (Metall, Keramik, Glas) kann eine Entfernung mit Wasser und normalen Haushaltsreinigern erfolgen. Befallene poröse Materialien (Tapete, Gipskartonplatten, poröses Mauerwerk, poröse Deckenverschalungen) können nicht gereinigt werden. Leicht ausbaubare Baustoffe, wie Gipskartonplatten oder leichte Trennwände, sind auszubauen und zu entfernen.
Schimmelpilze auf nicht ausbaubaren Baustoffen sind vollständig (d.h. auch in tiefer liegenden Schichten) zu entfernen.
Bei Holz ist prinzipiell zwischen der so genannten Holzbläue (oberflächlicher Befall) und dem aktiven Schimmelpilzwachstum aufgrund eines akuten Feuchteschadens mit starker Sporenbildung der Schimmelpilze zu unterscheiden. Bei normaler Holzbläue besteht gewöhnlich kein Sanierungsbedarf. Aktiv befallenes Holz hingegen ist sehr schwer zu sanieren und muss meist entsorgt werden. In Ausnahmen kann ein oberflächlicher Befall durch Abschleifen entfernt werden.
Befallene Möbelstücke mit geschlossener Oberfläche (Stühle, Schränke) sind oberflächlich feucht zu reinigen, zu trocknen und gegebenenfalls mit 70 – 80 %-igem Ethylalkohol zu desinfizieren (Achtung: Brand- und Explosionsgefahr! Atemschutz verwenden!). Stark befallene Einrichtungsgegenstände mit Polsterung (Sessel, Sofa) sind nur selten mit vertretbarem Aufwand sinnvoll zu sanieren und sollten daher im Normalfall entsorgt werden. Befallene Haushaltstextilien (Teppiche, Vorhänge) sind meist ebenfalls nur mit großem Aufwand sachgerecht zu sanieren, so dass – ja nach Anschaffungskosten – eine Entsorgung vorzuziehen ist.
Befallene Tapeten bzw. Silikonfugen können entfernt, oberflächliche befallene Stellen feucht abgewischt oder mit einem Staubsauger mit Feinstaubfilter (HEPA-Filter) abgesaugt sowie anschließend mit 70-80 %-igem Ethylalkohol unter Beachtung der Brand- und Explosionsgefahr (nur kleine Mengen verwenden, gut lüften, nicht rauchen, kein offenes Feuer) sowie der Anforderungen des Arbeitsschutzes (Schutzhandschuhe, Mundschutz, Schutzbrille) behandelt werden.
Nach der Sanierung ist eine intensive Reinigung in der Umgebung der sanierten Stellen vorzunehmen. Die bei der Sanierung anfallenden, mit Schimmelpilzen belasteten Abfälle, können in Plastikbeutel verpackt mit dem Hausmüll entsorgt werden.
Schutzmaßnahmen bei Sanierungsmaßnahmen kleineren Umfangs:
· Schimmelpilze nicht mit bloße Händen berühren – Schutzhandschuhe tragen.
· Schimmelpilzsporen nicht einatmen – Mundschutz tragen
· Schimmelpilzsporen nicht in die Augen gelangen lassen – Staub-Schutzbrille tragen.
· Nach Beendigung der Sanierung duschen und Kleidung waschen.
Wichtig: Häufig wird empfohlen, bei der Schimmelpilzbekämpfung eine Essiglösung einzusetzen. Dieses ist jedoch meist nicht sinnvoll, da viele Baustoffe und insbesondere Kalk eine Neutralisation des Essigs bewirken und außerdem mit dem Essig organische Nährstoffe auf das Material gelangen, die das Pilzwachstum sogar fördern können.
Ebenfalls raten wir von der Verwendung chemischer Pilzbekämpfungsmittel (Lösungen mit Fungiziden) in Innenräumen ab, da nicht auszuschließen ist, dass diese Stoffe über eine lange Zeit in den Innenräumen verbleiben und die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner gefährden.
Die Sanierung von schimmelpilzbefallenen Materialien muss das Ziel haben, die Schimmelpilze vollständig zu entfernen. Eine bloße Abtötung der Schimmelpilze reicht nicht aus, da auch von abgetöteten Schimmelpilzen allergische und reizende Wirkungen ausgehen können.
Bei der Sanierung von Schimmelpilzbefall auf Materialien können sehr hohe Konzentrationen an Sporen freigesetzt werden. Eine Sanierung sollte daher nur unter geeigneten Sicherheits- und Arbeitsschutzbedingungen durchgeführt werden.
Des Weiteren ist zu beachten, dass zum Beispiel für Allergiker oder Vorgeschädigte mit chronischen Erkrankungen der Atemwege sowie für Menschen mit geschwächtem Immunsystem ein gesundheitliches Risiko nicht ausgeschlossen werden kann, so dass dieser Personenkreis keine Sanierungsarbeiten in „Eigenregie“ durchführen sollte.
Umfangreichere Sanierungsarbeiten sollten von gewerblichen Firmen durchgeführt werden. Hierzu sind Firmen zu beauftragen, die mit solchen Sanierungsarbeiten, den hierbei auftretenden Gefahren, den erforderlichen Schutzmaßnahmen und den zu beachteten Vorschriften und Empfehlungen vertraut sind.
Vorbeugen ist besser als heilen!
Die wichtigste Voraussetzung für das Schimmelpilzwachstum ist Feuchtigkeit, die zumindest auf bauliche Mängel und/oder falsches Nutzverhalten zurückgeführt werden kann. Fachgerechte bauseitige Maßnahmen und vernünftiges Raumnutzverhalten müssen zusammenwirken, um eine Wohnung vom Schimmelpilzwachstum frei zu halten.
Grundvoraussetzung für eine Wohnung ohne Schimmelpilzwachstum ist zum einen die Errichtung des Gebäudes nach dem Stand der Technik. Der Vermeidung des Schimmelpilzwachstums durch Feuchteschäden dienen:
· Mindestwärmeschutz (DIN 4108-2:2001-03)
· Schutz vor Schlagregen (DIN 4108-3)
· Abdichtung gegenüber aufsteigender Bodenfeuchte (Handwerkliche Richtlinien)
· Wasserdichte Installationen
Eine besondere Aufmerksamkeit ist auf den Bereich der Wärmebrücken – also von Stellen von Außenwand-, Decken- und Dachbereich, die unzureichend oder falsch gedämmt sind oder sonstige undichte Stellen aufweisen, an denen es vermehrt zu Kondensationsfeuchte kommt – zu richten.
Bei neu errichtetem oder saniertem Wohnraum ist – wegen der damit verbundenen Restbaufeuchte – über einen gewissen Zeitraum eine deutliche erhöhte Lüftung erforderlich. Bei Raumnutzungen mit hohem Feuchtanteil und guter Wärmedämmung ist es manchmal nicht möglich, durch zumutbares manuelles Lüften die Luftfeuchtigkeit auf das notwendige Maß zu reduzieren. In diesen Fällen kann eine mechanische Be- und Entlüftung Abhilfe schaffen.
Für die mechanische Be- und Entlüftung kommen vor allem zwei Systeme in Betracht:
· Bedarfslüftung mit Abluftventilatoren im Wohnbereichen mit großem Feuchteanteil, zum Beispiel Küchen und Sanitärräume. Die Ventilatoren werden zweckmäßigerweise über Feuchtsensoren geregelt.
· Zu- und Abluftsysteme mit Wärmerückgewinnung, bei diesen Anlagen, die möglichst so betrieben werden sollten, dass die Fenster während der Heizperiode nicht geöffnet werden müssen, sollte der Luftaustausch den anfallenden Feuchtelasten angepasst werden und die Luft dort abgesaugt werden, wo die Feuchtequellen konzentriert sind.
Neuerdings werden in größeren Anlagen zur Versorgung ganzer Gebäude zugluftseitig auch Erdwärmetauscher verwendet. Sie können im Frühjahr/Sommer zu einem mikrobiellen Problem führen, wenn an den Wänden der Wärmetauscher hohe relative Feuchte oder sogar Tauwasser auftritt.
Auch die Wohnungsnutzer können durch ihr Verhalten dazu beitragen, dass Schimmelpilze in der Wohnung keinen günstigen Wachstumsbedingungen mehr finden: Durch richtiges Lüften und Heizen kann die Feuchtigkeit im Gebäude begrenzt werden.
Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit, die durch die Aktivitäten im Raum entsteht (Feuchtigkeitsabgabe des Menschen, Duschen, Kochen, Waschen etc.), durch regelmäßiges Lüften nach außen abgeführt wird.
Tipps für richtiges Lüften
Zur Verringerung der Feuchte im Raum sollte vorzugsweise mehrmals täglich eine kurze Stoßlüftung (5-10 Minuten bei weit geöffnetem Fenster) erfolgen:
a.) Bad
Im Bad sollte, insbesondere bei Räumen mit ungenügender Lüftungsmöglichkeit, nach dem Duschen das Wasser von Wänden und Boden entfernt werden. Nach dem Duschen sollte man die Fenster im Bad (soweit vorhanden) kurzzeitig weit öffnen. Da nasse Handtücher und Wände im Badezimmer – trotz kurzzeitigen Lüftens – noch viel Wasser enthalten können und sich damit längerfristig eine zu hohe relative Feuchte im Raum einstellt, kann es hilfreich sein, die Türen zu anderen beheizten Räumen nach dem Lüften offen zu halten. Bei kleinen fensterlosen Räumen empfiehlt sich außerdem die Installation einer – möglichst über Feuchtesensoren gesteuerten – mechanischen Abzugslüftung.
b.) Küche
In der Küche kann durch einen Dunstabzug mit Ausführung der Abluft ins Freie viel Feuchtigkeit aus dem Raum entfernt werden. Ein solcher Abzug ist überdies unter dem Gesichtspunkt der Abführung der Kochdünste und – beim Kochen mit Gas- der Verbrennungsgase sinnvoll. Dunstabzugshauben mit Umluftführung sind zur Verringerung der Luftfeuchtigkeit in der Küche nicht geeignet.
c.) nicht oder wenig beheizte Räume
Weniger beheizte Räume (zum Beispiel Schlafzimmer), sollten nicht mittels warmer Luft aus anderen Räumen (am Abend) aufgewärmt werden. Im kälteren Raum kann es sonst an Wänden oder Fensterscheiben zu Tauwasserbildung kommen. Bei Nutzung des – wenig beheizten – Schlafzimmers sollte durch gute Lüftung morgens nach dem Aufstehen für die Abfuhr von Feuchtigkeit (jeder Schlafende gibt Wasserdampf ab) gesorgt werden, da es sonst zu Tauwasserbildung kommen kann. In Räumen, die längere Zeit nicht genutzt und beheizt werden, ist bei erneutem Gebrauch vorher vermehrt zu lüften.
d.) Abwesenheit
Können wegen Abwesenheit der Bewohner die Fenster einer Wohnung nicht mehrmals täglich geöffnet werden, sollten wenigstens die Innentüren offen gehalten werden, damit noch vorhandene Feuchte aus den feuchten Bereichen (zum Beispiel Küche, Bad) gleichmäßig über alle Räume verteilt wird.
Feuchtigkeitsabgabe 8 – 14 kg täglich
Die Möglichkeit, durch Lüftung Feuchtigkeit aus dem Raum zu entfernen, beruht darauf, dass Luft abhängig von der Temperatur unterschiedliche Mengen Wasserdampf aufnehmen kann. Warme Luft enthält viel mehr Wasser als kalte Luft. Kalte Außenluft im Winter enthält wenig Wasser, selbst bei relativ hoher Feuchte.
Kalte Außenluft, die beim Lüften in den Innenraum gelangt, nimmt beim Erwärmen Feuchtigkeit auf, die mit der erwärmten Luft wieder nach außen abgeführt wird. Bei kalter Außenluft kann im Innenraum – selbst bei Regenwetter – durch Lüftung eine Austrocknung erzielt werden. Je kälter die Luft ist, desto mehr Wasser kann sie beim Erwärmen aufnehmen.
Daher kann im Winter durch Lüften mit kalter Außenluft mehr Feuchtigkeit aus einem Raum entfernt werden als im Sommer.
In einem Dreipersonenhaushalt werden durch die Wasserdampfabgabe der Personen (30 bis 100 g/h je Person) durch Duschen, Waschen, Wäschetrocknen, Kochen sowie durch Pflanzen, Aquarien und andere Feuchtequellen täglich etwa 6 – 14 kg Wasser freigesetzt. Um 10 kg Wasser aus Innenräumen abzuführen, müssen ca. 3.000 kg Luft bewegt werden. Dieses bedeutet, dass der Luftinhalt der Innenräume im Mittel etwa 7 mal täglich ausgetauscht werden muss, um die unerwünschte Feuchtigkeit abzutransportieren.
Je schlechter die Wärmedämmung der Außenwände ist oder je mehr bauliche Fehler bei der Gebäudekonstruktion gemacht wurden (zum Beispiel in Form von Wärmebrücken) und je schlechter Außenwände durch zirkulierende Raumluft erwärmt werden (zum Beispiel hinter Schränken oder hinter Wandverkleidungen), um so niedriger ist im Winter die Oberflächentemperatur dieser Außenwände. Damit nimmt die relative Feuchte an der Innenwandoberfläche und die Gefahr der Tauwasserbildung entsprechend zu.
Wichtig: An Außenwänden sollten, vor allem bei ungenügender Wärmedämmung, keine dicht abschließenden Möbelstücke, Bilder oder schwere Gardinen aufgestellt oder aufgehängt werden. Als Richtschnur kann eine Mindestabstand von ca. 10 cm angesehen werden.
Bei Kellerräumen ist die Wandtemperatur auch im Sommer häufig niedrig. Da aber die absolute Feuchte der Außenluft im Sommer oft hoch ist, wäre dann häufiges Lüften mit Außenluft zum „Abtrocknen“ falsch, weil immer mehr Feuchtigkeit in den Raum eingetragen wird und an den kalten Wänden kondensiert.
In Kellerräumen, die nur als Lager dienen und nicht für den längeren Aufenthalt von Menschen bestimmt sind, wird Schimmelpilzbefall zum Teil in Kauf genommen. Abhilfe wäre nur durch bessere Wärmedämmung, durch Beheizen oder durch Trocknen der Raumluft möglich. Keller, in denen Schimmelpilzwachstum nicht verhindert wird, sollten aber keine direkte Verbindung zum übrigen Gebäude haben, etwa durch Treppen, Schächte oder nicht abgedichtete Öffnungen der Kellerdecke.
©2003 Umweltbundesamt Herausgeber: Umweltbundesamt Fachgebiet II 2.3 Innenrumhygiene Postfach 33 00 22, 14191 Berlin
Farben, Lacke und andere Beschichtungsmittel bestehen grundsätzlich aus vier Komponenten: Bindemittel, Lösemittel (bzw. Verdünnungsmittel), Pigmenten und Zusatzstoffen. Natürlich gibt es von dem „Grundsätzlichen“ Ausnahmen: Klarlacke und viele Grundierungen haben keine Pigmente. Bei Kalk- oder Zementfarben ist das Bindemittel zugleich auch schon das Pigment, wenn man eine rein weiße Wand haben möchte. Sonderfälle sind auch die Beizen: Sie haben in der Regel kein Bindemittel.
Das Lösemittel hält Bindemittel und Pigmente flüssig. Seine Aufgabe ist es, nach der Verarbeitung zu verdunsten, so dass die Farbe fest und trocken wird.
Das Bindemittel verbindet den jeweiligen Untergrund mit dem Pigment, haben also eine vernetzende oder verklebende Wirkung. Bindemittel sind meist farblos.
Das Pigment verleiht der gestrichenen Fläche die gewünschte Farbigkeit.
Hilfsmittel dienen zum Beispiel der Konservierung, der Filmbildung, der Erreichung einer bestimmten Elastizität oder Weichheit, der „Hautverhinderung“ (noch im Topf), der Verleihung einer bestimmten Viskosität (tropffrei etc.).
Man unterscheidet Farben zum einen danach, ob sie wasserlöslich, wasserverdünnbar oder lösemittelhaltig sind, zum anderen nach ihren Bindemitteln. Nach ihrer Funktion unterscheidet man außerdem Grundierungen, Imprägnierungen und Abbeizer von den übrigen Anstrichmitteln. Darüber hinaus verwenden Hersteller und Handel noch eine große Zahl beschreibender Bezeichnungen, die sich auf das Aussehen des fertigen Anstrichs (z.B. Lasur, Klarlack, Goldbronze,...), den besonderen Zweck (Fensterlack, Bootslack, Wandfarbe ...) oder sonstige Eigenschaften beziehen, auf die der Hersteller aufmerksam machen möchte (Dickschichtlasur, Eintopf-Farbe ...).
Bindemittel für Farben
Es gibt anorganische und organische Bindemittel. Zu den anorganischen zählen Kalk, Zement und Wasserglas. Sie erhärten durch Aufnahme von Kohlendioxid aus der Luft oder durch Wasserbindung. Bei den organischen unterscheidet man zwischen Naturstoffen, abgewandelten Naturstoffen und Kunststoffen.
Zu den Naturstoffen gehören pflanzliche und tierische Leime (z.B. Stärke und Gelatine), pflanzliche Öle (z.B. Leinöl) und Harze (z.B. Schellack). Die leime sind wasserlöslich und erhärten durch Verdunstung des Wassers. Die Öle erhärten chemisch durch Verharzung. Damit sie gut durchhärten, enthalten ölgebundene Anstriche fast immer Trockenstoffe.
Abgewandelte Naturprodukte sind z.B. Zelluloseleime, Leinölfirnis, Kolophonium-Glycerinester, Zellulosenitrat oder Chlorkautschuk. Es gibt sie wasserlöslich, als Dispersionen wasserverdünnbar oder in Lösemitteln gelöst.
Die meisten Farben enthalten Kunststoffe als Bindemittel. (Die Unterscheidung zwischen „Kunststoff“ und Kunstharz“ wurde früher ziemlich willkürlich gemacht, heute ist die Bezeichnung „Kunstharz“ unzulässig. Si kommt aber immer noch in Produktnamen vor). Farben mit einem Kunststoff-Bindemittel sind nie wirklich „wasserlöslich“. Es handelt sich immer entweder um Dispersionen in Wasser oder um Lösungen in einem Lösemittel.
Lösemittel für Farben
Als Lösemittel kommt entweder Wasser oder eben ein Lösemittel wie es der allgemeine Sprachgebrauch meint, in Frage. Letztere sind Erdölprodukte auf der einen Seite, Naturharzprodukte auf der anderen. Farben auf Lösemittelbasis kommen für normale Anwendungszwecke kaum noch vor. Die üblichen Wandfarben zum Beispiel sind heute allesamt wasserverdünnbar.
Für Verdünnungen von Lösemittel-Farben und die Reinigung von Arbeitswerkzeug müssen immer geeignete Lösemittel verwendet werden, Wasser eignet sich nicht.
Alle Lösemittel, auch die in Naturfarben, sind gesundheitsschädlich. Beim Arbeiten mit lösemittelhaltigen Farben sind eine Vielzahl von Sicherheitsvorkehrungen zu beachten: Keine offene Flamme, keine elektrischen Schalter bedienen, nur an gut durchlüfteten Plätzen arbeiten oder Schutzmaske verwenden, Schutzhandschuhe tragen, geeignete Löschmittel bereithalten.
Beispiele für Pigmente
Anorganische natürliche Pigmente: Kreide, Ocker, Umbra, Grünerde, Terra die Siena gebrannt, Graphit.
Synthetische anorganische Pigmente: Titanweiß, Bleiweiß, Zinkweiß, Antimonweiß, Ruß, Eisenoxidschwarz, Bleichromat, Mennige, Zinkgelb, Zinkgrün, Cadmiumrot, Cobaltblau, Berliner Blau, Ultramarin, Manganviolett, Cadmiumgelb, Schweinfurter Grün, u.a.
Natürliche Organische Pigmente: Sepia, Gummigutt, Knochenkohle, Kasseler Braun, Indigo, Chlorophyll u.a. Pflanzenpigmente
Synthetische organische Pigmente: Azo-, Dioxazin-, Chinacridon-, Phthalocyanin-, Isoindolinon-, Perylen- u. Perinon-, Metallkomplex-, Alkaliblau-Pigmente.
Auswahl der richtigen Farbe
Farben, Lacke und andere Anstriche können Oberflächen und Gegenständen neben den gewünschten optischen die verschiedensten Eigenschaften verleihen. Beispiele: glatt, strukturiert, durchscheinend, glänzend, matt, leuchtend, wasserfest, wetterfest, abwischbar, lichtecht, UV-beständig, hart, elastisch, schimmelsicher usw.
Bei der Planung eines Anstriches sollte prinzipiell darauf geachtet werden, dass die gewünschten Eigenschaften erfüllt, aber nicht übererfüllt werden. Jede zusätzliche Eigenschaft wird in der Regel durch zusätzliche Inhaltsstoffe erzielt, und das kann auf die Dauer Gesundheit und Wohlbefinden negative Auswirkungen haben.
So wäre es zum Beispiel überflüssig, ein Kinderzimmer mit Anti-Schimmel-Farbe zu streichen, oder eine Küche mit einer wetterfesten Fassadenfarbe.
Die Anforderungen an Anstrichmittel in Wohnungen sind durchweg niedrig bis mittel, nie hoch. Eine Ausnahme bildet vielleicht ein Kinderzimmer, in dem auf den ersten Blick beim Toben und Spielen ein hoher Materialverschleiß vorherrscht. Aber gerade hier sollte mit Rücksicht auf die verminderte Abwehrkraft und die lange Aufenthaltszeit der Kinder stets ein einfaches, möglichst natürliches Produkt ausgewählt werden, auch wenn bezüglich der Dauerhaftigkeit geeignetere Produkte zur Wahl stehen mögen.
Folgende Schadstoffe können enthalten sein:
* Lösungsmittel
* Holzschutzmittel
* VOC
* Schwermetalle
* TBT
* Azofarben
Tipps & Tricks zu gesundem Bauen
Angebrochene Farbdosen:
Angebrochene Farbdosen sollen nach Gebrauch wieder sorgfältig verschlossen werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich keine Haut auf der Farbe bildet, wenn man die Dosen verkehrt herum lagert
Behandeln von Pinseln bei Arbeitsunterbrechung:
Wird die Arbeit für einige Stunden unterbrochen, kann man die Pinsel auch in Alufolie oder Plastikfolie fest einwickeln. Auf diese Weise trocknet die Farbe nicht ein.
Autor: enius AG
Der geknebelte Kassenpatient!
I.
Wir alle wissen, wie wichtig die Nahrungsaufnahme für den Menschen ist, und doch lässt uns der Staat fast völlige Freiheit, wie wir uns ernähren. Ob Müsli oder Wiener Schnitzel, ob Fritten oder Salat, ob Mineralwasser oder Bier: Wir können uns weitgehend so ernähren, wie wir wollen.
Wichtig ist auch unser Freizeit- und Ferienverhalten. Auch hier haben wir große Freiheiten. Ob wir die ganze Nacht in Mallorca durchfeiern oder still im Ahrtal wandern, der Staat mischt sich nicht ein.
Wichtig ist auch Kleidung und Wohnung. Aber auch hier lässt uns der Staat große Freiheiten.
Ein Gebiet aber gibt es, auf dem wir vom Staat wie unmündige Kinder gegängelt werden: Die Gesundheit!
90 % unserer Bevölkerung werden schon heute vom Staat in Zwangskrankenkassen hineingepresst. Manch wilder Bürokrat wie Horst Seehofer, Joschka Fischer oder Ulla Schmidt will sogar 100% der Bevölkerung in solche Zwangskassen hineinzwingen. Der Staat nimmt uns Zwangsversicherten gleichzeitig de facto die Freiheit, so für unsere Gesundheit zu sorgen, wie wir es für richtigen halten. Denn der Staat klaut uns durch Steuern und Sozialabgaben soviel von unserem Einkommen, dass sich die große Mehrheit der Zwangsversicherten nicht leisten kann, sich so behandeln zu lassen, wie man es selbst für richtig hält.
II.
Zwangsversicherung für Schmalspurmedizin!
Man wird für eine Schmalspurmedizin zwangsversichert!
Ganz richtig stellt das Sozialgericht Hannover in einem brandneuen Urteil vom 4. Juni 2003 (Az. 12 10 KA 831/00) fest:
„Die Ansicht, dass die Kassenpatienten auf dem wissenschaftlich aktuellen Stand behandelt werden müssten, ist danach nicht richtig. Denn die Behandlung nach den Regeln der ärztlichen Kunst auf der Grundlage des allgemeinen anerkannten Standes der medizinischen Erkenntnisse wir eingeschränkt doch den Umfang einer ausreichenden, zweckmäßigen und wirtschaftlichen Versorgung.“
Lassen Sie sich also durch das Gesäusel der Ministerin Ulla Schmidt nicht verwirren!
Als Kassenpatient haben sie weder einen Anspruch auf eine Behandlung nach dem wissenschaftlichen aktuellen Stand noch einen Anspruch, nach den Regeln der ärztlichen Kunst behandelt zu werden, noch Anspruch auf eine Behandlung auf der Grundlage des allgemein anerkannten Standes der medizinischen Erkenntnisse. Noch viel weniger haben Sie Anspruch auf eine Behandlung nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen oder gar auf eine Behandlung nach altbewährten naturheilkundlichen Methoden.
Sie haben nur Anspruch auf das, war die Regierung als „ausreichend“ für einen Kassenpatienten betrachtet, und Sie wissen au ihrer Schulzeit, was vor der Note „ausreichend“ kommt. Auf eine befriedigende, eine gute oder sehr gute medizinische Behandlung hat ein Kassenpatient keinen Anspruch, und dies obwohl viele Kassenpatienten höhere Beiträge zahlen als privat Krankenversicherte.
Das bedeutet letzten Endes, dass man als Kassenpatient – obwohl man hohe Beiträge zahlt – nicht optimal behandelt wird und somit in Siechtum verfällt oder gar stirbt, oder in ein Heim eingewiesen wird, obwohl nach adäquater Behandlung möglich wäre, gesund weiterzuleben.
III.
Wir haben nur ein Leben und eine Gesundheit!
Der Mensch hat nur eine Leben und eine Gesundheit. Deshalb braucht er ein Recht darauf, seine medizinische Behandlung mit den Medizinern seines Vertrauens selbst zu organisieren. Prof. Hackethal drück dies ganz richtig aus:
„Was anderes ist es als Enteignung des Privateigentums Gesundheit, wenn 90 Prozent der Bevölkerung zwangsversichert sind, hohe Versicherungsbeiträge abgezogen bekommen – einschließlich Arbeitgeberanteil, den jeder Arbeitgeber lieber mit dem Lohn auszahlen würde –, dann aber nicht das Recht einer wirklichen freien Arzt- und Krankenhauswahl zu haben."
Was nützt es den gut informierten mitdenkenden Patienten – ich schätze ihre Zahl inzwsichen auf ein Viertel aller Kassenpatienten -, wenn sie die freie Wahl unter Kassenärzten und Vertragkrankenhäusern der gesetzlichen Krankenkassen haben, dort aber nach einer schematischen Routine versorgt werden, einer Katalogmedizin, ausgearbeitet vom Ministerium für Arbeit und Soziales.“
IV.
Zwangsmedizin ist schädlich!
Wir alle wissen, dass eine medizinische Behandlung in aller Regel dann am wirksamsten ist, wenn Patient und Arzt davon überzeugt sind. Seelische Vorgänge können nämlich körperliche Vorgänge eindrucksvoll beeinflussen.
Im allgemeinen wird daher eine Behandlung durch einen frei gewählten Arzt, bei der Arzt und Patienten frei in ihren Entscheidungen sind, die psychische Situation des Patienten weit besser beeinflussen als eine medizinisch-bürokratische Behandlung, die einem Kompromiß zwischen Ulla Joschka Fischer entspringt und von der weder der behandelnde Arzt noch der Patient überzeugt sind.
V.
Eine Behandlung von individuellen Patienten nach zentralen bürokratischen Vorschriften ist abwegig!
Der Arzt Ludwig Fleck – einer der wissenschaftlich klarsten Denker des letzten Jahrhunderts – stelle ganz richtig fest:
„Der Gegenstand ärztlicher Erkenntnis selbst unterscheidet sich im Grundsatz vom Gegenstand naturwissenschaftlicher Erkenntnis. Während der Naturwissenschaftler typische, normale Phänomene sucht, studiert der Arzt gerade die nicht typischen, nicht normalen, krankhaften Phänomene. Und dabei trifft er auf diesem Weg sofort auf einen gewaltigen Reichtum und Individualität dieser Phänomene, die die Vielheit ohne klare, abgegrenzte Einheiten begleiten, voller Übergangs- und Grenzzustände. Es gibt keine genaue Grenze zwischen dem, was gesund ist, und dem was krank ist, und nirgends trifft man wirklich ein zweites Mal auf dasselbe Krankheitsbild.“
Wenn man aber kaum ein zweites Mal auf dasselbe Krankheitsbild trifft, dann sind juristisch verbindliche Behandlungsanleitungen der Bundesregierung oder von ihr autorisierte Gremien ein Unding. Natürlich muß der Arzt die Literatur kennen, auch unverbindliche Richtlinien aber sind abwegig. Sie hindern den Arzt daran, bei seinem konkreten Patienten, der ja völlig individuell erkrankt ist, das zu tun, was im konkreten Fall sinnvoll ist.
VI:
Die Behandlung der Kassenpatienten wird durch einen völlig undurchschaubaren Dschungel an Vorschriften geregelt!
Der Gesetzgeber hat eine Unsumme an Vorschriften erlassen oder ihren Erlaß autorisiert, wie Kassenpatienten behandelt werden müssen. Auf Grund dieser Vorschriften hat dann des Bundessozialgericht de facto endlos weitere Vorschriften in die Welt gesetzt, wie ein Kassenarzt seine Kassenpatienten behandeln muß.
„Die allgemeine Zunahme von institutionalisierter Verwaltung, von Bürokratie mit ihrem bunten Blätterwald behindert die Arbeit eines praktisch tätigen Arztes manchmal so sehr, dass sein Tagesablauf durch das Studium von Regeln, Bestimmungen und Richtlinien ausgefüllt wäre, wenn er alle nur annähernd korrekt erfüllen wollte. Die Sorgfaltspflicht am Papier könnte diejenige am Patienten übersteigen.“
Ich befürchte, dass sich die Vorschriftenflut seit 1984 noch verzehnfacht hat. Jeder Arzt bräuchte heute mindestens 4 juristische Mitarbeiter, um sich in diesem Vorschriften-Sumpf zurechtzufinden. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß in vielen dieser Gesetze vorne etwas anderes steht als hinten.
Dieses Durcheinander hat aber für die Medizinbürokratie einen entscheidenden Vorteil:
Der russische Schriftsteller Woinowitsch wurde in sowjetischer Zeit einmal gefragt, ob denn die Urteile der politischen Strafjustiz in seiner Heimat Rechtsbeugung sei.
Woinowitsch antwortete: Nein, da in der Sowjetunion politisch alles verboten ist, kann man jedem Bürger jederzeit ein Verbrechen nachweisen, wenn man nur will.
Genauso ist es in der deutschen Medizin. Es gibt so viele Vorschriften, die so vage formuliert sind, dass sie kein Arzt einhalten kann. Die mächtigen Medizinfunktionäre, die letztlich die Berufsgerichte dominieren und deren Einfluß auf die entsprechenden Abteilungen mancher Verwaltungsgerichte nicht unterschätzt werden darf, können so jeden Arzt, der ihnen nicht gefällt, vor Gericht bringen.
Hier ein Beispiel:
Offenbar hatte „Kassenarzt“ Bernd Schottdorf aus Augsburg unter den Gewaltigen der Kassenärztlichen Vereinigung die falschen Freunde (ohne die richtigen Freunde kann man in System des Kassenarztwesens in der Regel keine größeren Aktivitäten entfalten). So wurde er – weil er ein großes Labor aufgebaut hatte – wegen Betrugs angeklagt. Da aber das Kassenarztrecht so nebulös ist, war von Anfang an unklar, wen Schottdorf eigentlich getäuscht haben sollte und worin der Schaden bestehen sollte. Der Prozeß endete wie das hornberger Schießen, aber Millionen von Mark aus der Steuerkasse wurden verplempert.
VII.
Statistische Erkenntnisse können nicht Grundlage der Behandlung individueller Kassenpatienten sein!
Alle Vorschriften die die Bundesregierung, der Gesetzgeben und das Bundessozialgericht den Kassenärzten für die Behandlung von Patienten machen, fußen auf irgendwelchen Statistiken. Nun ist es völlig abwegig, die Behandlung eines individuellen Patienten auf Statistik zu gründen.
Zunächst ist schon die Qualität dieser Statistiken in aller Regel sehr bescheiden. Das ist aber nur ein Übel. Auch die besten Statistiken helfen uns bei der Behandlung eines konkreten Patienten nicht viel weiter.
Hier ein Beispiel, auf das Bässler schon vor über einem Jahrhundert hingewiesen hat.
Wenn wir z.B. in einer erstklassigen klinischen Studie herausfinden, dass der durchschnittliche erwachsene Saarländer Schuhgröße 42 ½ hat, so nützt uns diese Erkenntnis fast überhaupt nichts, wenn jemand seiner Freundin aus Mettlach Schuhe kaufen will. Wir wissen die Menschen haben unterschiedliche Schuhgrößen und deshalb muß sich unser Herr bemühen, herauszufinden, welche Schuhgröße seine Mettlacher Freundin hat.
So wie sich äußere Körpermerkmale wie z.B. Schuhgröße und Haarfarbe unterscheiden, so unterscheiden sich auch innere Merkmale der Menschen, z. . B bestimmte biochemische Vorgänge.
Wenn wir also irgendwo lesen, eine klinische Studie in Nebraska habe ergeben, dass die Arznei A bei der Krankheit K therapeutisch wirksam ist, dann müssen wir uns zum einen fragen, ob die Studie richtig durchgeführt wurde (was in der Regel nicht der Fall sein dürfte). Zum anderen aber müssen wir – selbst wenn die Studie einwandfrei durchgeführt wurde – und klar sein, dass dieser statistische Wert aus Nebraska auf irgendeinem konkreten Patienten aus dem Saarland möglicherweise nicht zutrifft.
Vielleicht wäre es sinnvoll, bei jeder klinischen Studie auch die Schuhgröße zu ermitteln, um uns vor Augen zu führen, dass die statistischen Ergebnisse dieser Studie nicht unbedingt auf uns zutreffen müssen.
VIII.
Ist eine staatliche Zwangmedizin vermeidbar?
1. Die staatliche Zwangsmedizin ist, wie wir nun gesehen haben, teuer, von minderer Qualität und für eine individuelle Behandlung ungeeignet. Ist sie aber vermeidbar? Ist es möglich auf eine staatliche Zwangsmedizin zu verzichten und jedem Menschen das Recht zu geben, über seine Gesundheit selbst zu wachen?
Medizinische Behandlungen werden häufig überraschend fällig. Man hat einen Unfall, steckt sich irgendwo an etc. Daraus folgt, dass es sinnvoll ist, für derlei Fälle vorauszusorgen.
Eine staatliche Zwangsmedizin ist dafür aber nicht erforderlich. Es genügt, dass der Staat – wie er dies z. B. bei der KfZ-Haftpflichtversicherung macht – den einzelnen zwingt, für derlei Fälle vorzusorgen, es ihm aber freistellt, wie er dies bewerkstelligt.
2. Dabei sollte der Staat dem Bürger größtmögliche Freiheit lassen, wie er für den Krankheitsfall vorsorgt.
Nur solche Leute, die freiwillig nicht bereit sind, für Krankheitsfälle Vorsorge zu treffen, sollte der Staat zu einer Grundversorgung in eine Zwangskasse stecken, damit diese Personen später nicht dem Steuerzahler zur Last fallen. In diesem Rahmen kann auch für von Jugend an chronisch Kranke, die nicht selbst für sich sorgen können, eine Lösung gefunden werden.
Für alle anderen aber sollte gelten, was Hackethal wie folgt ausdrückte:
„Das Recht des Menschen, über seine Gesundheit und damit über sein leiblich-seelisches Leben als höchstpersönliches Privateigentum frei zu bestimmen, steht als Naturrecht an der ersten Stelle der Menschenrecht. Ich möchte es das Recht auf Gesundheitsfreiheit nennen.“
3. Vor allem sollte jeder die Möglichkeit haben, seine Vorsorge ähnlich dem in Singapur geltenden Modell aufzubauen: Ein Zwangssparen schon in jungen Jahren auf ein Konto, auf das man nur für Heilbehandlung zurückgreifen darf.
Hackethal bringt eine weitere interessante Alternative ins Spiel: die sog. „Gesundheitshilfe-Spar-Vorsicherung“.
Daneben stünde natürlich auch die klassische private Krankheitsversicherung mit oder ohne Selbstbeteiligung, als Vollversicherung oder unter Verzicht auf gewisse Teilbereiche zur Verfügung.
Wichtig ist bei diesem Vorhaben natürlich eine bessere Ausbildung der gesamten Bevölkerung in Gesundheitsfragen, damit jeder die notwendigen Kenntnisse besitzt, von seiner Freiheit vernünftigen Gebrauch zu machen.
Wenn der Patient weiß, dass er die Behandlungskosten aus seiner Krankheits-Rücklage bezahlen müß oder eine spürbare Selbstbeteiligung hat, dann wird er in der Regel gesünder leben, die Behandlungsangebote sorgfältiger (auch in finanzieller Hinsicht) prüfen und auf korrekte Abrechnung bestehen. Arzneimittel wird er nur kaufen, um sie einzunehmen. Nicht – wie es heute oft geschieht – um sie auf den Müll zu werfen.
Wir leben im Kapitalismus und hier gilt in der Regel: Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Wenn der Patient aber weiß, dass seine Gesundheit auch seinen Geldbeutel betrifft, dann wird es nicht so leicht vorkommen, dass manche ihr Auto besser pflegen als ihre eigene Gesundheit.
Jeder Mensch soll dann selbst entscheiden, ob er in die staatliche Zwangskasse geht oder in eigener Verantwortung für seine Gesundheit sorgt.
Referat von Rechtsanwalt Dr. jur. Hugo Lanz im Forum
"Gesundheit und Wohlbefinden"
bei der "Welt der Familie" 2003 in Saarbrücken
Nahrungsmittelzusatzstoffe sind Stoffe, die Lebensmitteln absichtlich zugesetzt werden, um ihre Eigenschaften, Geschmack, Aussehen oder Haltbarkeit zu verbessern. Einige Zusatzstoffe dienen auch dazu, die industrielle Herstellung zu ermöglichen oder zu erleichtern.
Was sind die E - Nummern?
Um die verschiedenen Zusatzstoffe in der Europäischen Union (EU) zu ordnen und die Zusatzstoffvorschriften auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, wurden die E-Nummern eingeführt, die in allen Ländern der Europäischen Union (EU) gelten. "E" steht für EG bzw. EU.
Auf diese Weise wurde eine eindeutige, unverwechselbare und kurze Kennzeichnung der einzelnen Zusatzstoffe möglich.
Jeder Zusatzstoff ist einer Kategorie zugeordnet. Einige Zusatzstoffe besitzen mehrere Eigenschaften. Z.B. E220 (Schwefeldioxid) kann sowohl als Konservierungsmittel als auch
Farbstabilisator genutzt werden.
E - Nummern Gruppen:
E-100 bis 199 (Farbstoffe)
E-200 bis 299 (Konservierungsstoffe)
E-300 bis 321 (Antioxidantien)
E-322 bis 399 (Säuerungsmittel)
E-400 bis 429 (Gelier-, Verdickungs- und Feuchthaltemittel)
E-430 bis 499 (Emulgatoren)
E-500 bis 949 (Verschiedene Zusatzstoffe)
E-950 bis 1518 (Süßstoffe)
Insgesamt gibt es zur Zeit in der EU 305 zugelassene Zusatzstoffe, die nur dann eingesetzt werden dürfen, wenn dafür eine technische Notwendigkeit besteht. Stoffe, die eine fehlerhafte Verarbeitung des Produktes oder schlechte Qualität der Rohstoffe verbergen sollen, dürfen nicht verwandt werden.
Zulassung von Nahrungsmittelzusatzstoffen
Zusatzstoffe dürfen nur verwendet werden, wenn sie ausdrücklich zugelassen wurden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Verbotsprinzip mit Erlaubnisvorbehalt.
Eine Zulassung darf nur dann erteilt werden, wenn sichergestellt ist, dass der Zusatzstoff oder seine eventuellen Reaktionsprodukte im Lebensmittel gesundheitlich unbedenklich sind, seine Anwendung technologisch notwendig ist und der Verbraucher weder getäuscht noch irregeführt wird. Jeder Stoff durchläuft vor seiner Zulassung eine festgelegte Reihe von Untersuchungen, Tests und Prüfungen. Es ist vor allem zu prüfen, ob der Zusatzstoff oder seine Anwendung in Lebensmitteln gesundheitlich negative Wirkungen auf den Konsumenten haben könnte.
ADI-Wert - Sicherheit von Nahrungsmittelzusatzstoffen
Lebensmittelzusatzstoffe dürfen nur verwendet werden, wenn sie gesundheitlich unbedenklich sind. Um einen Stoff sinnvoll toxikologisch bewerten zu können, wurde der ADI-Wert eingeführt. ADI steht für Acceptable Daily Intake. Dieser Wert gibt die durchschnittliche Menge eines Stoffes in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht an, die ein Mensch sein Leben lang täglich ohne gesundheitliches Risiko zu sich nehmen kann.
Zur Bestimmung des ADI-Wertes wird die maximale Menge des Zusatzstoffs ermittelt, bei deren lebenslanger Aufnahme an Versuchstieren keinerlei gesundheitliche Auswirkung nachgewiesen werden kann. Diese so ermittelte unwirksame Dosis (NEL-Wert, englisch für No Effect Level) wird durch den Sicherheitsfaktor 100 geteilt.
Dieser Sicherheitsfaktor soll folgende Unsicherheiten abdecken:
Übertragung der Ergebnisse vom Tier auf den Menschen, mögliche Besonderheiten im menschlichen Stoffwechsel (z.B. bei Kindern oder Schwangeren), von Mensch zu Mensch unterschiedliche Widerstandsfähigkeit, in Abhängigkeit von z.B. Alter, Krankheit und Ernährungsweise.
Zuständig für die Beurteilung von Nahrungsmittelzusatzstoffen ist der wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der Europäischen Kommission. Über den ADI-Wert wird dann schließlich die zulässige Höchstmenge der Zusatzstoffe für die jeweiligen Lebensmittel festgesetzt.
Detaillierte Informationen über die einzelnen Nahrungsmittelzusatzstoffe (E-Nummern) finden Sie in der "European Food Intolerance Databanks".
E-Nummern 100 bis 199 ( Farbstoffe )
Die meisten Farben werden aus optischen Gründen zugesetzt, damit das Produkt ansprechender aussieht. Eine große Anzahl ist natürlichen Ursprungs, z.B. Chlorophyll. Synthetische Farbstoffe sind häufig an Allergien beteiligt. Besonders Problematisch ist in dieser Hinsicht ist E102.
Nummer Name Farbe
E100 Kurkumin Gelb
E101 Lactoflavin Gelb
E101 a Riboflavin-5-Phosphat Gelb
E102 Tartrazin Gelb
E104 Chinolingelb Gelb
E110 Gelborange S Orange
E120 Cochenille Rot
E122 Azorubin Rot
E123 Amaranth Rot
E124 Cochenillerot A Rot
E127 Erythrosin Rot
E128 Rot 2 g Rot
E129 Allurarot AC Rot
E131 Patentblau V Blau
E132 Indigotin Blau
E133 Brillantblau Blau
E140 Chlorophylle Grün
E141 Chlorophyllin Grün
E142 Brillantsäuregrün Grün
E150 Caramel Braun
E150 a Zuckerkulör Braun
E150 b Sulfit-Zuckerkulör Braun
E150 c Ammoniak-Zuckerkulör Braun
E150 d Ammonsulfit-Zuckerkulör Braun
E151 Brillantschwarz BN Schwarz
E153 Carbo medicinalis Schwarz
E154 Braun FK Braun
E155 Braun HT Braun
E160 Carotinoide Orange
E160 a alpha-, beta-, gamma-Carotin Orange
E160 b Bixin, Norbixin, Annato, Orlean Orange
E160 c Capsanthin, Capsorubin Rot
E160 d Lycobin Orange
E160 e Beta-Apo-8-Carotinal Orange
E160 f beta-apo-8- carotin-säureethyl-ester Orange
E161 Xanthophylle Orange
E161 a Flavoxanthin Orange
E161 b Lutein Orange
E161 c Kryptoaxanthin Orange
E161 d Rubixanthin Orange
E161 e Violaxanthin Orange
E161 f Rhodoxanthin Orange
E161 g Canthaxanthin Orange
E162 Beetenrot, Betanin Rot
E163 Anthocyane Rot / Blau
E170 Calciumkarbonat Grau
E171 Titaniumdioxid Weiss
E172 Eisenoxide, Eisenhydroxyd Braun
E173 Aluminium Silbergrau
E174 Silber Silber
E175 Gold Gold
E180 Rubinpigment Rot
E-Nummern 200 bis 299 ( Konservierungsstoffe )
Konservierungsstoffe sind Zutaten, die das Wachstum von Mikroorganismen verzögern oder verhindern und dadurch die Lebensmittel länger genießbar machen. Benzolsäure und ihre Salze (E210 bis E213) können Allergien auslösen. Dies gilt auch für E235. Schwefeldioxid und seine Verbindungen (E220 bis E228) können bei empfindlichen Menschen Übelkeit, Kopfschmerzen und Durchfälle hervorrufen.
Nummer Name
E200 Sorbinsäure
E201 Natriumsorbat
E202 Kaliumsorbat
E203 Calciumsorbat
E210 Benzoesäure
E211 Natriumbenzoat
E212 Kaliumbenzoat
E213 Calciumbenzoat
E214 Ethyl-4-hydroxybenzoat
E215 Ethyl-4-hydroxybenzoat, Natriumsalz
E216 Propyl-4-hydroxybenzoat
E217 Propyl-4-hydroxybenzoat, Natriumsalz
E218 Methyl-4-hydroxybenzoat
E219 Methyl-4-hydroxybenzoat, Natriumsalz
E220 Schwefeldioxid
E221 Natriumsulfit
E222 Natriumhydrogensulfit
E223 Natriumdisulfit
E224 Kaliumdisulfit
E226 Calciumsulfit
E227 Calciumhydrogensulfit
E228 Kaliumhydrogensulfit
E230 Biphenyl
E231 Orthophenylphenol
E232 Natriumorthophenyl- phenolat
E233 Thiabendazol
E234 Nisin
E235 Natamycin
E236 Ameisensäure
E237 Natriumformiat
E238 Calciumformiat
E239 Hexamethylentetramin
E242 Dimethyldicarbonat
E249 Kaliumnitrit
E250 Natriumnitrit, Nitritpökelsalz
E251 Natriumnitrat
E252 Kaliumnitrat
E260 Essigsäure
E261 Kaliumacetat
E262 Natriumacetat
E263 Calciumacetat
E270 Milchsäure
E280 Propionsäure
E281 Natriumpropionat
E282 Calciumpropionat
E283 Kaliumpropionat
E284 Borsäure
E285 Natriumtetraborat
E290 Kohlendioxid
E296 Apfelsäure
E297 Fumarsäure
E-Nummern 300 bis 321 ( Antioxidantien )
Diese Substanzen erhöhen die Haltbarkeit von Lebensmitteln, da die Reaktion mit dem Sauerstoff der Luft verringert wird. Der Luftsauerstoff verursacht bei vielen Lebensmitteln Veränderungsprozesse, die sie ungenießbar machen, z.B. werden dadurch Fette und Öle ranzig.
Nummer Name
E300 L-Ascorbinsäure (Vitamin C)
E301 Natrium L-Ascorbat
E302 Calcium L-Ascorbat
E304 6-palmitoyl-L-Ascorbinsäure (Ascorbylpalmitat)
E306 Tocopherole (Vitamine E)
E307 Alpha-Tocopherol
E308 Gamma-Tocopherol
E309 Delta-Tocopherol
E310 Propylgallat
E311 Octylgallat
E312 Dodecylgallat
E315 Isoascorbinsäure
E316 Natriumisoascorbat
E320 Butylhydroxyanisol (BHA)
E321 Butylhydroxytoluol (BHT)
E-Nummern 322 bis 399 ( Säuerungsmittel )
Säuerungsmittel sind Stoffe die den Säuregrad eines Lebensmitteln erhöhen und diesem einen saueren Geschmack geben.
Nummer Name
E322 Lecithin
E325 Natriumlactat
E326 Kaliumlactat
E327 Calciumlactat
E328 Calciumformiat
E330 Citronensäure
E331 Natriumcitrat
E332 Kaliumcitrat
E333 Calciumcitrat
E334 Weinsäure
E335 Natriumtartrate
E336 Kaliumtartrate. Weinstein
E337 Natrium-Kalium-Tartrat
E338 Orthophosphorsäure
E339 Natriumorthophosphate
E340 Kaliumorthophosphate
E331 Calciumorthophosphate
E350 Natriummalate
E351 Kaliummalate
E352 Calciummalate
E353 Metaweinsäure
E354 Calciumtartrat
E355 Adipinsäure
E356 Natriumadipat
E357 Kaliumadipat
E363 Bernsteinsäure
E375 Nicotinsäure
E380 Ammonium-Citrate
E385 Calciumdinatriumethylendiamintetraacetat
Permalink
E-Nummern 400 bis 429 ( Gelier-, Verdickungs- und Feuchthaltemittel )
Geliermittel geben den Lebensmitteln durch Gelbildung eine verfestigte Form. Verdickungsmittel erhöhen die Viskosität eines Lebensmittels. Feuchthaltemittel sind Stoffe die das Austrocknen von Lebensmitteln verhindert.
E400 Alginsäure
E401 Natriumalginat
E402 Kaliumalginat
E403 Ammoniumalginat
E404 Calciumalginat
E405 Propylenglykolalginat
E406 Agar-Agar
E407 Carrageen
E410 Johannisbrotkernmehl
E412 Guarkernmehl
E413 Tragant
E414 Gummi arabicum
E415 Xanthan
E416 Karayagummi
E417 Tarakernmehl
E418 Gellan
E420 Sorbit
E421 D(-)-Mannit
E422 Glycerin
E-Nummern 430 bis 499 ( Emulgatoren )
Emulgatoren verbinden Stoffe, die normalerweise nicht mischbar sind, etwa Wasser und Fett.
E431 Polyoxiethylenstearat
E432 Polyoxyethylen-sorbitan-monolaurat (Polysorbat 20)
E433 Polyoxyethylen-sorbitan-monooleat (Polysorbat 80)
E434 Polyoxyethylen-sorbitan-monopalmitat (Polysorbat 40)
E435 Polyoxyethylen-sorbitan-monostearat (Polysorbat 60)
E436 Polyoxyethylen-sorbitan-tristearat (Polysorbat 65)
E440 a Pektine
E440 b Amidierte Pektine
E442 Ammonphosphatide
E444 Saccharoseacetatisobutyrat
E445 Glycerinester aus Wurzelharz
E450 a Diphosphate
E450 b Triphosphate
E450 c Polyphosphate
E460 Cellulose
E461 Methylcellulose
E463 Hydroxypropylcellulose
E464 Hydroxypropylmethylcellulose
E465 Ethylmethylcellulose
E466 Carboxymethylcellulose
E470 Salze der Speisefettsäuren
E470 a Natrium-, Kalium- und Calciumsalze von Speisefettsäuren
E470 b Magnesiumsalze von Speisefettsäuren
E471 Mono- und Diglyceride der Speisefettsäuren
E472 Mono- und Diglyceride der Speisefettsäuren, verestert
E472 a Mono- und Diglyceride der Speisefettsäuren, verestert mit Essigsäure
E472 b Mono- und Diglyceride der Speisefettsäuren, verestert mit Milchsäure
E472 c Mono- und Diglyceride der Speisefettsäuren, verestert mit Citronensäure
E472 d Mono- und Diglyceride der Speisefettsäuren, verestert mit Weinsäure
E472 e Mono- und Diglyceride der Speisefettsäuren, verestert mit Mono- Diacetylsäure
E472 f Mono- und Diglyceride der Speisefettsäuren, verestert mit Essig- und Weinsäure
E473 Zuckerester von Speisefettsäuren
E474 Zuckerglyceride
E475 Polyglycerinester von Speisefettsäuren
E476 Polyglycerin-Polyricinoleat
E477 Propylenglycolester von Speisefettsäuren
E479 b Thermooxidiertes Sojaöl mit Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren
E481 Natriumstearoyl-2-lactylat
E482 Calciumstearoyl-2-lactylat
E483 Stearoyltartrat, Stearyltatrat
E491 Sobitanmonostearat
E492 Sobitantristearat
E493 Sorbitanmonolaurat
E494 Sorbitanmonooleat
E495 Sorbitanmonopalmitat
E-Nummern 500 bis 949 ( Verschiedene Zusatzstoffe )
Natriumglutamat (E621) kann Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen, die als Chinarestaurant-Syndrom bekannt sind. Anzeichen sind ein Taubheitsgefühl im Nacken, das sich nach unten ausbreitet, Kopfschmerzen, Schwindel, Schwächegefühl, Herzklopfen und ein Spannungsgefühl im Gesicht.
E500 Natriumcarbonat, Soda
E501 Kaliumcarbonat
E503 Ammoniumcarbonat
E504 Magnesiumcarbonat
E507 Salzsäure
E508 Kaliumchlorid
E509 Calciumchlorid
E510 Ammoniumchlorid
E511 Magnesiumchlorid
E512 Zinn-II-Chlorid
E513 Schwefelsäure
E514 Natriumsulfat
E515 Kaliumsulfat
E516 Calciumsulfat
E517 Ammoniumsulfate
E520 Aluminiumsulfat
E521 Aluminiumnatriumsulfat
E522 Aluminiumkaliumsulfat
E523 Aluminiumammoniumsulfat
E524 Natriumhydroxid
E525 Kaliumhydroxid
E526 Calciumhydroxid
E527 Ammoniumhydroxid
E528 Magnesiumhydroxid
E529 Calciumoxid
E530 Magnesiumoxid
E535 Natriumferrocyanid
E536 Kaliumferrocyanid
E538 Calciumferrocyanid
E540 Dicalciumdiphosphat
E541 Saures Natriumaluminiumphosphat
E543 Calciumnatriumpolyphosphat
E544 Calciumpolyphosphat
E550 Natriumsilicat
E551 Kieselsäure, Siliciumdioxid
E552 Calciumsilicat
E553 a Magnesiumsilicat
E553 b Talkum
E554 Natriumaluminiumsilicat
E555 Kaliumaluminiumsilicat
E556 Calciumaluminiumsilicat
E558 Bentonit
E559 Aluminiumsilicat
E570 Stearinsäure
E572 Magnesiumstearat
E574 Gluconsäure
E575 Glucono-delta-lacton
E576 Natriumgluconat
E577 Kaliumgluconat
E578 Calciumgluconat
E579 Eisengluconat
E580 Magnesiumglukonat
E585 Eisen-II-lactat
E620 Glutaminsäure
E621 Natriumglutamat
E622 Kaliumglutamat
E623 Calciumglutamat
E624 Monoammoniumglutamat
E625 Magnesiumdiglutamat
E626 Guanylsäure
E627 Natriumguanylat
E628 Dikaliumguanylat
E629 Calciumguanylat
E630 Inosinsäure
E631 Natriumosinat
E632 Kaliumosinat
E633 Calciuminosinat
E634 Calcium 5´-ribonucleotid
E635 Cinatrium 5´-ribonucleotid
E636 Maltol
E637 Ethylmaltol
E640 Glycerin und dessen Natriumsalze
E900 Dimethylpolysiloxan
E901 Bienenwachs
E902 Candelillawachs
E903 Carnaubawachs
E904 Schellack
E905 Paraffinöl
E906 Benzoeharz
E912 Montansäreester
E914 Polyethylenwachsoxidate
E915 Kolophonester
E920 L-Cystein
E921 L-Cystin
E925 Chlor
E926 Chlordioxid
E927 b Carbamid
E938 Argon
E939 Helium
E941 Stickstoff
E942 Distickstoffmonoxid
E948 Sauerstoff
E-Nummern 950 bis 1518 ( Süßstoffe )
Süßstoffe dienen dazu, Lebensmitteln einen Süßgeschmack zu verleihen oder diesen zu verstärken. Aspartam (E951) und Acesulfam (E950) stehen im Verdacht Krebs auslösend zu sein. Saccharin (E954) und Cyclamat (E952) können möglicherweise die Krebs auslösende Wirkung anderer Substanzen fördern.
E950 Acesulfam K
E951 Aspartam
E952 Cyclamat
E953 Isomalt
E954 Saccharin
E957 Thaumatin
E959 Neohesperidin DC
E965 Maltit
E966 Lactit
E967 Xylit
E999 Quillajaextrakt
E1100 Amylasen
E1101 Proteasen
E1102 Glucoseoxidase
E1103 Invertase
E1105 Lysozym
E1200 Polydextrose
E1201 Polyvinylpyrrolidon
E1202 Polyvinylpolypyrrolidon
E1404 Oxidativ abgebaute Stärke
E1410 Monostärkephosphat
E1412 Distärkephosphat
E1413 Phosphatiertes Distärkephosphat
E1414 Acetyliertes Distärkephosphat
E1420 Monostärkeacetat
E1421 Monostärkeacetat
E1422 Acetyliertes Distärkeadipat
E1440 Hydroxypropylstärke
E1442 Hydroxypropylldistärkephosphat
E1450 Stärkenatriumoctenylsuccinat
E1505 Triethylcitrat
E1518 Glycerintriacetat
Erste Anzeichen von "Multiple Chemical Sensitivity"
MCS-Betroffene leiden in aller Regel an vielfältigen körperlichen Beschwerden. Erste Anzeichen der Erkrankung sind häufig Probleme mit den Augen und Beschwerden im Hals-Nasen-Ohren-Bereich. Als häufigste Symptome werden genannt
- Übelkeit mit Brechreiz
- Kopfschmerzen mit Schwindelanfällen, Augenbrennen, Nasenlaufen,
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Husten
- Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Wortfindungsstörungen
- Schmerzen im Bewegungsapparat, Muskelschmerzen
- Atemnot
- Schlafstörungen
Wie sich MCS bemerkbar macht
Erschöpfung und Müdigkeit gehören zu den typischen Begleiterscheinungen der MCS. Es gibt Betroffene, die gleichzeitig an zwei Krankheiten leiden, an MCS und am Chronischen Müdigkeitssyndrom, Chronic Fatigue Syndrome, CFS.
MCS-Symptome
Die MCS-Symptome sind sehr vielfältig. Sie können einzeln oder aber in Kombination auftreten. Es können Teile oder auch alle Organsysteme betroffen sein, meist sind mehrere gleichzeitig betroffen. Typische Kennzeichen der MCS sind z.B. folgende Störungen/Erkrankungen:das zentrale Nervensystem: z.B. Verwirrtheit, Benommenheit, Schwindel; dadurch evtl. Seh-, Gang- und Konzentrationsstörungen, Schwindel sowie Taubheitsgefühl an Armen, Beinen und anderen Körperteilen aus. Aber auch ein Kribbeln an diesen Körperteilen kann auftreten Sinnesstörungen: z.B. Wahrnehmungsschwierigkeiten; extreme Geruchsempfindlichkeit. Licht- und Geräuschempfindlichkeit; unterschiedliches Hören (mal zu laut, mal zu leise; Geräuschempfindlichkeit geht zeitweise in Schmerz über.
Atmungsorgane: z.B. Atemprobleme, Husten, Atemnot, Asthma
Energieschwäche: allgemein vermehrte Erschöpfbarkeit, Antriebslosigkeit, ständige Müdigkeit
Geistige Leistungsminderung: Vergesslichkeit; Konzentrationsschwäche
Hörstörungen: Tinitus, Druck auf den Ohren
Hautstörungen: z.B. Neurodermitis
Kreislauf und Herz-Symptome, z.B. zu schneller oder langsamer Puls, zu hoher oder niedriger Blutdruck; starke Blutdruckschwankungen. Ständig kalte Hände und Füße. Evtl. Herzrasen, Herzstolpern
Muskelstörungen: Muskelschmerzen, -zucken und -zittern, inneres Zittern, Händezittern; Zittern wie bei einer Schüttellähmung, Lähmungserscheinungen bis hin zur Gehunfähigkeit und Gangstörung wie bei einer Multiplen Sklerose
Schmerzen: Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen wie bei einer starken Grippe; Schmerzen in Gelenken, die auch heiß und dick sein können
Schleimhautreizungen: z.B. in Augen, Mund
Magen-Darm-Trakt: z.B. plötzliche Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Völlegefühl; Durchfall wie bei einer Magen-Darmgrippe
Haarausfall, brüchige Fingernägel (Calcium-Störungen)
Wassereinlagerungen (Ödeme), oft blaue Flecke ohne sich gestoßen zu haben
Seh- und Sprachstörungen wie nach einem Schlaganfall.
Psychische Reaktionen: Panik, Aggressionen und Depression, die plötzlich auftreten und dann auch ohne erkennbaren Grund wieder verschwinden
Ungleichgewichte im endokrinen System: z.B. Sexualhormonstörungen, manchmal mit der Folge von Unfruchtbarkeit
Quelle: Chemtrails de
Millionen von Betroffenen
Nur die Spitze des Eisbergs ist sichtbar! Wer meint, MCS sei eine ausgesprochene Seltenheit und betreffe nur "eine Handvoll" Menschen auf der Welt, der irrt gründlich. Neuesten Schätzungen aus den USA zufolge leiden in den Industrieländern rund 15 Prozent der Bevölkerung an einer mehr oder weniger aus- geprägten Form der MCS. Auf Deutschland umgerechnet wären das etwa 12 Millionen Menschen. Selbst wenn in Deutschland nicht ganz so viele an MCS erkrankt sein sollten, im Millionenbereich bewegt sich die Zahl der Betroffenen auf jeden Fall.
Quelle: Umweltfibel de
Beispiele für Stoffe, welche dafür bekannt sind, Chemische Intoleranz auslösen zu können Schadstoffe in der Innenraumluft als Mischungen flüchtiger organischer Verbindungen (englisch: VOC – volatile organic compounds).
(Pharma, Labor, Chemie, Spital) Raumluft ist oft Träger der auslösenden Chemikalien.
Medikamente, Lösungsmittel, Feinstaub, Aerosole, Ozon, Industrieabgase, neue Fussböden. Farben und Lacke. Desinfektionsmittel, Chlor, Gase, Dämpfe, Organochlor-Verbindungen, Kopierstaub. Dichtmassen, Schaumisolierung, Klebstoffe, Duftkerzen, Aldehyde, Formaldehyd. Raumluft, neue Gebäude. Biozide, Pestizide - Spritzmittel mit u.a. Ungeziefervertilgung. Parfum - Kosmetik, Deodorants, parfümierte Seife, Nagellack, Haarspray, Reinigungs- und Waschmittel sowie Weichspüler. Zusatzstoffe - synthetische Farbstoffe und Aromastoffe im Essen. Künstlich gereifte Früchte. Die Frucht wird Ethylengas ausgesetzt, welche das Reifen fördert. Fossile Brennstoffe - Dämpfe von Naturgas, Benzin und Petroleum.
Bei jedem Betroffenen war entweder ein einmaliger oder wiederholter Kontakt mit toxischen Substanzen der Auslöser, "Trigger".
Da die Beschwerden jedoch häufig bereits im "Niedrig-Dosis-Bereich" unterhalb von geltenden Grenzwerten auftreten, stehen Wissenschaft, Politik und Arbeitgeber vor neuen Herausforderungen.
Nach nur einmaliger Hochdosis-Exposition gegenüber Reizstoffen in der Luft kann auch bei vorher gesunden Personen eine Asthma-ähnliche, dauerhafte Hyperreaktivität der Atemwege auftreten.
Reactive Airways Dysfunction Syndrome (RADS) & Irritant Induced Asthma (IIA).
Es tritt nach kurzzeitiger, massiver Inhalation von Gasen und Dämpfen (in der Regel als Arbeitsunfall) auf. Als Reaktion auf eine Inhalation von hochkonzentrierten bzw. stark toxischen Substanzen. Charakteristisch sind "asthma-ähnliche Beschwerden" und eine bronchiale Hyperreagibilität. Die sich anamnestisch meist auf eine einmalige inhalative Exposition gegenüber einer bekannten irritativen, hoch konzentrierten Noxe (z.b. Isozyanate, Rauchgase, SO2) zurückführen lassen.
Diese lässt sich nicht immunologisch erklären, sondern durch chemische Verletzung mit anschliessender Entzündung der Atemwege.
Chronische Erkrankungen entstehen durch Chemikalien des täglichen Gebrauchs, wenn diese lange Zeit auf den Organismus einwirken.
Diese Krankheitsbilder werden von Gutwilligen als „rätselhaft“ und von weniger Gutwilligen als „Ökohysterie“ bezeichnet.
In jüngster Zeit werden Duftstoffe auch gezielt in der Raumbeduftung, im Sinne eines Duft-Marketings eingesetzt.
Chlorhaltiges Wasser. Die Ursachen für chemische Intoleranz sind offiziell unbekannt, doch es gibt verschiedene Theorien: Untersuchungen, vorgenommen in England, Deutschland, USA und Schweden haben gezeigt, dass bei 90% aller Menschen mit MCS Störungen in der Fähigkeit des Körpers haben, gewisse rote Farbstoffe des Blutes - sogenannte Porphyrine - umzusetzen, jedoch nicht in so großen Mengen, wie bei Menschen mit der Krankheit Porphyrie - ein Enzymdefekt in der Leber - beobachtet wird. Viele MCS-Betroffene haben zu wenig Magensäure und ihnen fehlt Vitamin B12.
Cytochrom P450-Enzyme, Vergiftung im Körper
Die größte Aufmerksamkeit richtet sich zur Zeit auf die sogenannten Cytochrom P450-Enzyme. Das ist ein Enzymsystem, welches in die Hormonumsetzung und Entgiftung des Körpers involviert ist, wo diese fremde Chemikalien verändern, so dass diese ausgeschieden werden können. Diese befinden sich in den Nebennieren, meist jedoch in der Leber. Unsere eigene Fähigkeit z.B. Medizin, Koffein und viele andere Chemikalien zu entgiften, hängt von der Menge dieser Enzyme ab. Wenn die Entgiftungskapazität herabgesetzt ist, können selbst kleine Mengen Chemikalien eine Vergiftung im Körper entstehen lassen. Viele MCS-Betroffene erleben heftige Wirkungen von nur kleinen Mengen Rauch, Parfum oder Medizin. Manche vertragen überhaupt keine Medizin aufgrund von überwältigenden Nebenwirkungen.
Fehlfunktion und Entzündungsreaktionen
Im Jahre 1996 wurde eine Theorie über die Ursache Chemischer Intoleranz vorgestellt. Diese geht davon aus, dass das Gehirn der MCS-Betroffenen auf bestimmte Duftstoffe verkehrt reagiert. Sekunden nachdem der Duftstoff eingeatmet wurde, wandern die Chemikalien direkt in das Gehirn, wo das Nervensystem mit verschiedenen Arten der Fehlfunktion und Entzündungsreaktionen reagiert. Aufgrund eines Enzymfehlers werden schädliche Stoffwechselprodukte gebildet, unter anderem Aminolävulinsäure (ALA), welches ein Nervengift ist, das ins Gehirn weiterwandert. Dort reagiert dieser Stoff mit den Chemikalien, die durch die Nase eingeatmet wurden und verursacht damit chemische Veränderungen im Körper.
Stoffwechsel und Entgiften
Man weiß noch nicht, ob MCS erblich ist. Vieles deutet jedoch darauf hin, das Duft- und Chemikalienempfindliche einen Fehler in den Enzymen Cytochrom-450 haben, welche ausschlaggebend für den Stoffwechsel und das Entgiften der meisten Chemikalien, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind. Weiterhin spielen diese Enzyme auch eine wichtige Rolle für die Produktion und Umsetzung der Hormone.
Chemikalien zu entgiften
Ein Mensch mit einem niedrigen Niveau an P450-Enzymen hat eine weitaus geringere Fähigkeit, die eingenommenen und inhalierten Chemikalien zu entgiften als Personen mit einem hohen P450 Gehalt, die dieselben Mengen Chemikalien einatmen oder einnehmen. Deswegen wird der eine von beiden krank und der andere nicht. Da auf diesem Gebiet bisher sehr wenig geforscht wurde, ist diese Theorie jedoch nicht bewiesen.
Die Forschung hat gezeigt, dass Kinder von der Zeit als Fötusüber die Zeit des Wachstums hinaus ganz besonders chemischen Verunreinigungen ausgesetzt sind, welche in den schlimmsten Fällen Schäden fürs das gesamte Leben entwickeln können.
Quelle: Prof. Dr. Werner Maschewsky
Forschung: Neurotoxikologie, kardiovaskuläre Toxikologie, MCS, Präventionspolitik, Umweltgerechtigkeit
Multiple Chemikalienüberempfindlichkeit: MCS
Chemikalienüberempfindlichkeit – psychogen oder biogen ?
Chemikalienüberempfindlichkeit zeichnen sich bisher durch unspezifische Organ- und Laborbefunde aus. MCS ist bestenfalls eine Ausschlussdiagnose.
Die differentialdiagnostische Abklärung von Infektionen, Allergien, metabolisch- toxischen Erkrankungen, ypo- Hyerthyreose und psychiatrischer Erkrankungen steht an erster Stelle. Bei dem verwandten Krankheitsbild der Building releated illness (BRI) kann dagegen eine konkrete, gebäudebedingte Ursache festgestellt werden, z.B. Schimmelpilzsporen oder Infektionserreger.
Aufgrund fehlender spezifischer diagnostischer Kriterien liegen bei MCS bisher keinerlei epidemiologische, klinische oder experimentelle Studien vor. Die mangelnde Akzeptanz der Leistungsgesellschaft für eine bis dato nicht diagnostizierte Störung mit schwer nachvollzieh- baren, diffusen Beschwerden kann einen Patienten in die soziale Isolation treiben und psych- ische Probleme verursachen.
Biochemisch- toxikologische Mechanismen im Niedrigdosenbereich sind dagegen Gegen- stand biogener Erklärungsmodelle. Eine verbreitete Theorie sieht MCS als neurologische bzw. neurotoxische Störung.
Immunreaktion als Ursache ?
Immunologische, immuntoxikologische und neuroimmunologische Ansätze sind die ältesten und bekanntesten Erklärungsmodelle für MCS.
Aus der Immunotoxikologische ist bekannt, dass die Immunabwehr höchst empfindlich auf Schadstoffe reagiert, ein Befund, der mit dem sehr geringen Schwellenwerten bei MCS- Patienten in Einklang zu bringen ist.
Trotzdem wurden immunologische Ursachen von MCS bisher nicht akzeptiert.
Ein Positionspapier der American Academy of Allergy, Asthma and Immunology von 1999 stellte fest, dass keiner bisher untersuchten humoralen oder zellulären immunologischen Parameter (Serum- Immunglobuline, Komplement, Lymphozytensubpopulation, Autoanti- körper und Chemikalien- spezifische Antikörper im Serum) allein oder in Kombination eine diagnostische Aussagekraft für MCS gewonnen hat.
Die wenigen Studien mit immunologischen Parametern bestätigen diese Aussage. Somit konnte bisher eine – wie auch immer geartete – Sensibilisierung des Immunsystems gegen- über Chemikalien als mögliche Ursache der Beschwerden bei MCS nicht verifiziert werden.
Betrachtet man die möglichen Auswirkungen eines Schadstoffes auf die Immunabwehr, so sind bisher grundsätzlich drei unterschiedliche Mechanismen bekannt:
1. Hohe Chemikalienbelastungen folgen den Gesetzen der klassischen Toxikologie mit einer Dosis – Wirkungsbeziehung. Immunologisch können sich hohe Schadstoff- mengen in einer funktionellen Beeinträchtigung des Immunsystems mit Immun- suppressionen (Infektanfälligkeit, Reaktivierung latente Infektion) oder – selten – immunstimulierend auswirken. Dieser primär toxikologische Ansatz spielt bei MCS aufgrund der zu geringen Schadstoffmengen keine Rolle.
2. Niedrigste Schadstoffmengen können spezifische immunologische Reaktionen auslösen. Dabei ist inzwischen humoralen Immunantworten mit der Bildung schad- stoffspezifischer IgE- oder IgG-Antikörper – und rein zellulären Immunreaktion mit der Entwicklung spezifischer T- Zellen und Etabilierung eines immunologischen Gedächtnis (Memory T- Zellen) zu unterscheiden.
Klinisch resultieren aus diesen Reaktionen Allergien vom Soforttyp (Typ- I) bzw. vom verzögertem Typ (Typ III) oder Spättyp (Typ IV).
Aufgrund der Haptenstruktur der meisten Chemikalien wird erst durch deren Kopplung an körpereigene Proteine eine immunogene Struktur gebildet, die bevorzugt T- Zelluläre Typ IV- Sensibilisierung hervorruft.
Gemeinsames Kennzeichen spezifischer Sensibilisierung ist die von wenigen T- oder B- Zellklonen getragene zielgerichtete Immunreaktion, die durch den Nachweis der entsprechenden spezifischen Gedächtnis – T- Zellen im Lymphozyentransformations- test (LTT - Citaâ) bzw. der spezifischen Antikörper im immunoassaydiagnostisch erfasst werden kann.
Bei den bisher publizierten Untersuchungen an MCS – Patienten waren nur sporadisch Antikörper gegen Chemikalien oder Carrierproteine feststellbar. Eigene Untersuch- ungen haben zudem gezeigt, dass es bei MCS nur vereinzelt zu Typ IV- Spätreakt- ionen im Sinne einer spezifischen T- zellulären Sensibilisierung kommt.
3. Ein bisher häufig postulierter aber kaum untersuchter Mechanismus ist die schadstoffinduzierte Immunmodulation auf unspezifischer Ebene.
In einzelnen Studien wurde das Thema ausschließlich unter quantitativen Gesichtspunkten (Veränderung der Anzahl und Verteilung von Lymphozyten im Blut) angegangen.
Weitgehend unbeachtet blieb dabei der Einfluss von Schadstoffen auf die qualitative Ebene der Immunantwort.
Die Immunantwort wird zum einen über die Antigen – präsentierenden Zellen (APZ: Monozyten, Makrophagen, Dendritische Zellen) der angeborenen Immunität, aber auch über die T- Helferlymphozyten der erworbenen Immunität gesteuert. Noive CD4 – Lymphozyten können unter dem Einfluss von Botenstoffen (Zytokinen), die die antigenpräsentierenden Zellen nach Antigenkontakt senzernieren. Zu T- Helferzellen vom sog. Typ I (TH 1) oder II (TH 2) ausreifen
Eine Schlüsselrolle kommt hierbei zum einem dem Interleukin 12 (IL- 12) zu, welches die Spezialisierung naiver Helferzellen zu Thi – Zellen triggert. Dagegen induzieren IL 10 und IL4 die Ausprägung von TH2 – Zellen.
TH1 – Zellen sind funktionell gekennzeichnet durch die bevorzugte Bildung von IFN-y und IL-2. Helferzellen dieses Typs induzieren inflammatorische Reaktionen und unter- stützen die zelluläre Immunantwort durch Stimulation von NK – Zellen, Markophagen und zytotoxischen T- Zellen.
Bevorzugte Aufgabe ist die Abwehr von intrazellulären Bakterien, Vieren, Protozoen und Pilzen, die Abtötung von Tumorzellen und die Entzündungsreaktion.
TH2 – Zellen sezernieren dagegen typischerweise antiinflammatorische Zytokine wie IL10.
Dieses Zytokinmilieu unterstützt die humorale Immunantwort durch Induktion von anti- körper bildeten B-Zellen, sowie Mastzellen und Eosinophilen. Dadurch können extra- zelluläre Bakterien und Parasiten sowie lösliche Toxine elemeniert werden.
TH1 – und TH2 – Antworten sind außerdem gegenregulatorisch koordiniert. IFN-y und IL12 hemmen die Entwicklung einer TH2 – Immunantwort.
Markophogenaktivierung, T-Zell-Proliferation und die Bildung von proinflammatorischen TH1 – Zytokinen werden dagegen durch IL10 (und IL4) negativ beeinflusst. Diese nega- tive Feedbacksystem dient nicht zuletzt dazu, unerwünschte, sich aufschaukelnde Über- reaktionen zu vermeiden.
Mit hochempfindlichen immunologischen Messstäben auf Ebene der Zytokinexpression konnten wir bei MCS – Patienten signifikante Unterschiede gegenüber Kontrollpersonen aufzeigen, unter Ruhebedingungen ebenso wie im in-vivo Belastungstest mit Reizstoffen.
Ausschließlich bei Patienten, nicht aber bei gesunden Kontrollpersonen,war im in-vitro Provokationstest mit Chemikalien eine ausgeprägte inflammatorische Immunreaktion induzierbar.
Darüber hinaus zeigte sich, dass auch bei adäquater Antigenexposition die T- Zellantwort durch IFN – gamma Bildung geprägt war.
Die Prävalenz von IFN – gamma erklärt zumindest einen Teil der klinischen MCS-Proble- matik: Hyperreagibilität, entzündliche Komplikationen.
Die Ergebnisse belegen erstmals eindeutig einen wichtigen immunologischen Pathome- chanismus bei MCS – Patienten mit einer richtungsweisenden diagnostischen und thera- peutischen Option, vor abberanten und dustruktiven Immunreaktionen.
(Privatdozent Dr. med. habil. Dipl. chem. Winfried P. Bieger - Kongress 2002 / Dillingen)
Gegenwärtig leiden in Deutschland ca. 25 Millionen Menschen an Allergien, darunter sind mehr als 4,5 Millionen Neurodermitiker. Die Suche nach den individuellen Auslösern von Neurodermitis gleicht der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Häufig spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Voraussetzung für eine dauerhaft erfolgreiche Therapie ist daher, dass die wichtigsten Ursachen der Erkrankung erkannt und behandelt werden.
Die unerträglichen Schmerzen, der Juckreiz, Schlafstörungen und die psychische Belastung zwingen die Betroffenen zu einer "Odyssee" von Arztbesuchen, Klinikaufenthalten und Klimakuren, wobei die erreichten Erfolge in der Regel nur von kurzer Dauer sind. Oft schon wenige Wochen nach abgeschlossenem Klinikaufenthalt tritt die Erkrankung erneut auf und die Symptome kehren schubweise zurück.
Um den beruflichen und privaten Alltag zu meistern, bleibt oft nur noch der Griff zu kortisonhaltigen Medikamenten oder Bestrahlungstherapien. Diese jedoch haben in Langzeitanwendung ernsthafte Nebenwirkungen, die ebenso wie das nicht hinreichend beherrschte Krankheitsbild eine Erwerbsunfähigkeit nach sich ziehen können. Die Suche nach wirkungsvollen Alternativen wird zu einem verständlichen und oft vehement vertretenen Anliegen zahlreicher Patienten. Deutsche und ausländische Forschungsteams aus den USA, Japan und England bestätigen, dass eine der wichtigsten Ursachen für das Entstehen allergischer Erkrankungen wie Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis, neben der noch diskutierten genetischen Veranlagung, die ständig wachsende Belastung unserer Umwelt ist.
Umweltfaktoren und Imunsystem
Es hat sich gezeigt, dass Umweltgifte wie z. B. Holzschutzmittel, Autoabgase, Pestizide, Insektizide, Düngemittel, chemische Rückstände und Schwermetallionen aus dem Trinkwasser und aus Amalgamfüllungen sowie Zusatzstoffe aus der Nahrung den zellulären Energiestoffwechsel und die körperliche Immunreaktion beeinträchtigen, ja sogar blockieren können. Nervenvergiftende Wirkungen verschiedener Umweltgifte lassen sich häufig auch durch signifikante Abweichungen im Neurohormonstoffwechsel dokumentieren. Die ohnehin veränderte neurohormonelle Lage wird durch die psychogenen Faktoren wie Streß, Konfliktsituationen, Angstzustände etc. weiter verschlechtert und beeinflusst die Tätigkeit der Abwehrzellen negativ.
Das dadurch gestörte Immunsystem erlaubt einerseits das Entstehen allergischer Reaktionen gegenüber normalen Umweltfaktoren (Pollen, Haare, Gräser, Getreide, Staub, Federn, Nahrungsmittel) und führt andererseits zu einer erhöhten Infektanfälligkeit, die praktisch bei allen Patienten mit chronischen Hauterkrankungen festzustellen ist. Chronische Infekte der Haut, Schleimhäute und des Darmes können wiederum zu Juckreiz, Asthma- und Niesanfällen, Darmkoliken oder anderen Beschwerden führen, die von den typischen allergischen Reaktionen kaum mehr zu unterscheiden sind. Besonders wichtige Verdauungs- und Absorptionsvorgänge im Darm sind bei Allergikern durch die krankmachende Fäulnisflora (massenhafte Vermehrung von Bakterien und Pilzen) wesentlich gestört.
Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten können für viele überraschende Symptome wie Kopfschmerzen, Migräne, Hautausschläge aller Art und Darmprobleme bis hin zur Atemnot verantwortlich sein. Man unterscheidet hier typische allergische Reaktionen gegen Nahrungsmittel, die mit einer Beteiligung des Immunsystems stattfinden und "falsche" allergische Reaktionen, die meistens auf Zusatzstoffe aus der Nahrung zurückzuführen sind.
Zu einer Schwächung des Immunsystems und damit zu erhöhter Infektanfälligkeit können außerdem ein Mangel an Proteinen und Vitaminen sowie ein Mangel an essentiellen Fett- und Aminosäuren führen. Um die wichtigsten verursachenden Faktoren herauszufinden, ist meistens echte Detektivarbeit notwendig.
Gute Heilungschancen durch integrative Therapiemaßnahmen
Schon aus der Vielzahl der möglichen Faktoren, die Neurodermitis auslösen können, wird leicht verständlich, dass eine lokale symptomatische Therapie mit Kortison, Antihistaminika (Entzündungshemmstoffen) oder Bestrahlungen kaum eine Chance für eine dauerhafte Beschwerdefreiheit bietet.
Zur Behandlung von Allergien und chronischen Hauterkrankungen, wie z. B. Neurodermitis und Schuppenflechte, haben daher Ärzte der Spezialklinik Neukirchen ein umweltmedizinisches Therapiekonzept entwickelt, das bereits bei mehr als 25.000 Patienten erfolgreich angewandt wurde. Nach einer aufwendigen Diagnose konzentrieren sich die Ärzte auf die individuellen Abweichungen der Stoffwechsellage, der Immunlage und der Ernährungssituation, um entsprechende, gezielte Therapieansätze zu ermitteln.
Als Ergebnis zeigen die zur Verfügung stehenden Statistiken des Deutschen Psoriasisbundes und des Deutschen Neurodermitikerbundes eine langfristige / dauerhafte Beschwerdefreiheit in mehr als 80% der in der Spezialklinik Neukirchen behandelten Fälle.
Akutbehandlung chronischer Haut-, Darm- und Lungeninfekte
Die Sanierung mikrobiell verursachter Hautveränderungen kann u. U. bis zu ca. drei Wochen dauern. Spezielle Behandlungsverfahren mit vitamin- und energiereichen Salben sowie die Softlaser-Therapie beschleunigen die Regeneration der Haut und hemmen gleichzeitig den Juckreiz.
Sowohl Neurodermitiker als auch die meisten umweltbelasteten Patienten leider unter immer wiederkehrenden Infekten des Magen-Darm-Traktes und der Lunge (Asthmatiker). Zur Sanierung sind regelmäßige Gaben spezifischer Medikamente in Infusionen oder Kapseln notwendig. Gleichzeitig wird die physiologische Darmflora mit speziellen Präparaten wieder aufgebaut.
Individuelle Ausleitungsverfahren (Infusionen, orale Therapien, Sauna)
Diese sind permanent im Einsatz, abhängig von den festgestellten Belastungen (Holzschutzmittel, Pestizide, Farbstoffe, Lösungsmittel, Schwermetalle aus Dentallegierungen, Zusatzstoffe aus der Nahrung).
Die angewandten Verfahren zur Ausscheidung der Schadstoffe liefern wichtige Hinweise auf den Belastungsgrad des Patienten. Genauso wie die Schweißproben nach Saunagängen, anhand derer verschiedene Umweltschadstoffe gaschromatographisch messbar sind. Die Steigerung der Entgiftungsfähigkeit der Leber und des Blutes, gepaart mit der Entfernung belastender Umweltschadstoffe zuhause, bieten die Voraussetzung für eine dauerhafte Beschwerdefreiheit.
Individuelle Immunregulation
Anstelle von Korisonpreparaten oder Antihistaminika wird die allergische Reaktion ausgewählter Abwehrstoffe (Gammaglobulinpräparate), bakterieller Extrakte, pflanzlicher Mittel und bei komplizierten Problemfällen auch durch kurzfristige Gabe von Antibiotika unterdrückt.
In der zweiten Behandlungsphase wird dann das Immunsystem stimuliert durch biologische und pflanzliche Präparate, Vitamine und Spurenelemente sowie mit Hilfe gezielter Impfstoffe.
Stoffwechselausgleichende Maßnahmen
Sie beinhalten eine Reihe individueller Ansätze, wobei Vitamin-, Spurenelement-, Fett- und Energiestoffwechsel individuell berücksichtigt werden. Die Gaben haben einen permanenten Charakter in Form von Infusionen, Injektionen und Oralpräparaten und werden ergänzt durch spezielle Therapieformen.
Individuelle Diät nach entsprechender Identifizierung allergener und pseudoallergener Nahrungsmittelbestandteile
Die Austestung und Identifizierung der Lebensmittel, die vom Patienten nicht vertragen werden, erfolgt anhand eines kontrollierten Testverfahrens, in dessen Rahmen die Häufigkeit allergischer und pseudoallergischer Reaktionen gegen Nahrungsmittelallergene untersucht wird. Durch eine gezielte Gabe bestimmter Nahrungsmittel(-gruppen) in bestimmten Zeitintervallen kann eine auch verzögert auftretende Reaktion eindeutig dem zuvor gegebenen Nahrungsmittel zugeordnet werden (Rotationsdiät).
Bei der Nahrungsmittelauswahl kommt es außerdem auf die gezielte Ausschaltung von Zusatzstoffen in Lebensmitteln an (Konservierungsmittel, Farbstoffe, Gelier-/Binde- und Spritzmittel), die die ursprünglichen Eigenschaften eines Nahrungsmittels in nicht berechenbarer Weise verändern. Im konkreten Fall werden hypoallergene Such-, Auslaß- oder Rotationsdiäten verordnet.
Die aus den ernährungsdiagnostischen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse über die individuellen Provokationsfaktoren sind Grundlage der für jeden Patienten zusammenzustellenden Ernährungstherapie.
Psychologische Betreuung
Eine wichtige Komponente des ganzheitlichen Therapiekonzepts ist die psychosomatische und psychosoziale Betreuung und Behandlung. Der Patient soll innerhalb des Behandlungszeitraums in seiner Sensibilität gegenüber Körpersignalen geschult werden und lernen, die eigenen "Spielräume" zu erkennen und zu nutzen. Mit Hilfe spezieller Entspannungstechniken wie Bio-Feedback, Yoga und autogenem Training werden kaum wahrnehmbare Unterschiede der körpereigenen Erregungszustände erkennbar gemacht. Ziel der Übungen ist es, durch bestimmte eingeübte Selbstkontrollmechanismen die vom autonomen Nervensystem gesteuerten Funktionen aktiv selbst zu beeinflussen, so dass einem evtl. neuen Krankheitsschub schon frühzeitig entgegengewirkt werden kann.
Zu den körperorientierten Methoden zur Verbesserung der Körperwahrnehmung, Selbsterkennung und -akzeptanz zählen außerdem Sport- und Bewegungstherapien, wie z. B. die progressive Muskelentspannung und die Atemübungen für Allergiker, mit denen dem Patienten neue Möglichkeiten vorgestellt werden sollen, um Auslösefaktoren der Erkrankung (Alltagsanforderungen, Stresssituationen) durch aktive Entspannung zu begegnen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist das gezielte Training des Umgangs mit krankheitsspezifischen Situationen mit den Methoden der Verhaltenstherapie (Seminare für Selbstsicherheitstraining, Streßbewältigung, Beschäftigungstherapie).
Zudem gehören zum psychosozialen Behandlungskreis spezielle Psychotherapiegruppen, in denen Gespräche der Patienten untereinander zur gemeinsamen Analyse der persönlichen Problematik beitragen und damit seelische Belastungen, Konflikte und Spannungen im Zusammenhang mit der Erkrankung abbauen. Mit Hilfe der Gestaltungstherapie werden außerdem auf dem Wege der bildhaften Gestaltung Möglichkeiten eröffnet, Problembereiche zu erfassen und so der psychotherapeutischen Betreuung und Bearbeitung besser zugänglich zu machen. Die oben erwähnten Entspannungs- und verhaltenstherapeutischen Methoden im Rahmen der psychologischen Betreuung zielen auch auf die Harmonisierung und Integration des Patienten in sein eigenes soziales Umfeld in der Nachbehandlungsphase ab. Von besonderer Bedeutung sind hier auch die Mutter-Kind-Beziehungs-Seminare, die die Führung des neurodermitischen oder hyperaktiven Kindes in seiner gewohnten sozialen Umgebung zu Hause neu definieren.
Patientenberatung
Nach vier Wochen Intensivtherapie ist der Heilungsprozeß trotz Beschwerdefreiheit noch nicht abgeschlossen. Um weiterhin beschwerdefrei zu bleiben, werden die Patienten vor der Entlassung ausführlich über die Einhaltung wichtiger pflegerischer, diätetischer, darmsanierender und verhaltenstherapeutischer Maßnahmen in der Nachbehandlungsphase belehrt.
Die Untermauerung des Behandlungserfolges wird in der Regel durch drei bis vier ambulante Kontrolluntersuchungen gesichert, wobei ein aktueller allergologischer, mikrobiologischer und diätetischer Status quo erhoben und mit entsprechenden therapeutischen Empfehlungen ergänzt wird. Der Kontakt und die Kooperation mit der Familie des Betroffenen und dem niedergelassenen Hausarzt ist ebenfalls von Bedeutung für den erfolgreichen Abschluß der Nachbehandlungsphase.
Das umweltmedizinische Therapiekonzept der Spezialklinik führt bei über 80 % aller behandelten Neurodermitispatienten zu einer dauerhaften Beschwerdefreiheit (länger als 2 ½ Jahre). Diese Erfolge bestätigen die Richtigkeit dieses ganzheitlichen Therapiekonzeptes ebenso wie auch viele Ärzte, Patientenorganisationen und alle Krankenkassen Deutschlands, die die Klinik völlig anerkannt haben. Die Klinik wird seit Jahren von Patienten aller Bundesländer sowie von ausländischen Patienten aufgesucht.
Vortrag im Juni 1999 von Dr. rer. nat. Gruia Ionescu beim IVU e.V.
Umweltbedingte Hauterkrankungen und die Sole-Photo-Therapie –
die erzwungene Kapitulation der nebenwirkungsarmen Kuranwendung
Seit Generationen – Bad Homburg v. d. Höhe seit 160 Jahren – sind Kurorte mit der speziellen Kurortmedizin ein fester Bestandteil des Deutschen Gesundheitswesens. Hier wird der Patient mit ortsgebundenen oder ortsüblichen Heilmitteln ambulant oder stationär behandelt. Gerade bei umweltbedingten Krankheiten sind diese Kuren erfolgreich, schließlich wird hier dem Kurgast in bevorzugter Lage – meist geschützt vor schädlichen Emissionen – mit natürlichen Mitteln wie Heilwasser oder natürlichen Peloiden geholfen. Besonders bewährt hat sich die Kurmedizin gerade bei Hauterkrankungen. Als größtes Sinnesorgan ist unsere Haut besonders schädlichen Umweltfaktoren ausgesetzt. Auf Reize reagiert sie oft mit Trockenheit, Rötungen oder Juckreiz. Im Extremfall können Hauterkrankungen wie Schuppenflechte und Neurodermitis die Folge sein. Neben der Vererbung spielen bei diesen Erkrankungen, an welchen allein in Deutschland über 9 Millionen Menschen leiden, die Umweltbedingungen zunehmend eine wichtige Rolle. Die verbreitete Therapie für Hauterkrankungen sieht eine medikamentöse Behandlung mit Cortison oder Fulminarsäure bzw. regelmäßige stationäre Krankenhausaufenthalte vor. Im Zuge dieser Behandlung treten zu den physischen und psychischen Problemen, die eine Erkrankung an Neurodermitis oder Psoriasis mit sich bringt, oftmals Probleme durch das Auftreten von Spätfolgen – Cortison greift das Organsystem an – sowie Probleme im Alltagsleben – welcher Berufstätige kann sich heute regelmäßig längere Krankenhausaufenthalte erlauben? – auf. Hier konnte die Kurmedizin erfolgreich helfen. In ca. 20 Heilorten wurde über viele Jahre die Sole-Photo-Therapie zur ambulanten Behandlung von Hauterkrankungen eingesetzt. Diese Therapieform nutzte die natürlichen Gegebenheiten der Kurorte – mineralstoffreiche Sole – und ahmte mittels Solebad und sanfte Bestrahlungen die Gegebenheiten am Toten Meer in Israel – vor allem nebenwirkungsarm – nach.
Wie funktioniert dies? An ein 10minütiges Bad in 36°C warmer Sole, die mit natürlicher Kohlensäure angereichert wurde, schloss sich eine gezielt UV-Bestrahlung der befallenen Hautstellen an. Durch das Mineralwasserbad wurden die Durchblutung gefördert, entzündungshemmende Substanzen ausgeschwemmt und die Haut für die Aufnahme der Strahlen vorbereitet. Zwischen 1989 und 2000 wurde die Sole-Photo-Therapie äußerst erfolgreich im Kaiser- Wilhelms- Bad, dem Bad Homburger Kurmittelhaus, angewandt.
In 80 % der Fälle konnten die Beschwerden der Patienten in kurzer Zeit wesentlich gelindert und die Krankheit stabilisiert werden. Außerdem konnten die Betroffenen diese Therapie ambulant, also berufsbegleitend durchführen. Für Kinder war diese Anwendung sehr geeignet, da gerade diese unter den Nebenwirkungen der pharmazeutischen Keulen leiden.
Wie Sie merken schildere ich die Umstände der Sole-Photo-Therapie in der Vergangenheitsform. Grund hierfür ist die im Dezember 1999 ergangene Entscheidung des „Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen“ die Sole-Photo-Therapie aus dem Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen zu streichen. Das bedeutet, dass die Abgabe dieser Therapieform – wie inzwischen auch Trinkkuren, Mineralbewegungs-Bäder und andere traditionelle Kuranwendungen – auf kassenärztliche Verordnung nicht mehr gestattet, zumindest aber nicht mehr vergütet werden sollte. Die Gründe für diese Entscheidung sind zahlreich. Der Bad Homburger Solebrunnen oder die natürliche Sole anderer Kurorte war offensichtlich nach Sicht der in Kurmedizin unkundigen Schulmediziner und entgegen der Patientenerfahrungen ungeeignet und im Vergleich zu jetzt wieder verordneten Cortisontherapien trotz der durchgängig positiven und auch nachgewiesenen Erfolge nicht ausreichend „wissenschaftlich“ begründet. Dies ist allerdings nur ein vorgeschobener Grund, da die langjährige Erfahrung mit allen Therapien sowohl die Überlegenheit der Sole-Photo-Therapie als auch ihre kostengünstige Anwendung gezeigt hat. Ein zweiter angeführter Grund hieß, man wolle eine 2-Klassen-Medizin vermeiden. So habe nicht jeder Bundesbürger die Möglichkeit, wohnortnah von den Vorteilen eines Kurmittelhauses mit entsprechendem Angebot zu profitieren. Somit wurde die Therapie für alle gestrichen. Der wahre Grund dürfte – neben dem Nachgeben gegenüber der Pharmaindustrie, die ihre Arbeitsplätze dennoch ins Ausland verlegt – in der primären Kostendämpfung im Gesundheitsmarkt liegen und in dem ständigen Bestreben, durch Leistungskürzungen die Kosten zu kontrollieren.
Das Kurwesen ist hier ein beliebtes (und falsches) „Opfer“, denn an die wirklichen Kostenverursacher – vor allem die Krankenkassen selbst mit ihrer hohen Verwaltungskosten – trauen sich die Entscheidungsträger nicht heran. Die ambulante Sole-Photo-Therapie aber – die im Übrigen auch durch niedergelassene Dermatologen durchgeführt wurde – ist allerdings nicht allein eine medizinisch, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvolle Therapie. Denn neben dem nun allein dem Patienten zugeschobenen Problem, dass er – vor allem falls in jungen Jahren mit Cortison behandelt – langfristig Schäden an Niere und Leber erleiden wird oder Probleme am Arbeitsplatz in Kauf nehmen muss, ist gerade die volkswirtschaftliche Folge gravierend, da die Anzahl an Krankschreibungen und Krankenhausaufenthalten zunimmt.
Ein Verstoß gegen die offiziell immer propagierte „Ambulant vor Stationär- Behandlung. Bad Homburg v. d. Höhe Konsequenzen gezogen und sich aus der Sole-Photo-Therapie zurückgezogen. Das Kaiser- Wilhelms -Bad wird umgebaut zu einem modernen und stilvollen Day- Spa. „Kur- Royal“ wird Ende November 2002 eröffnet und setzt auf die Bereitschaft der Konsumenten, für Wohlbefinden und Entspannung Geld auszugeben, sich etwas zu gönnen. Die Krankenkassen sind außen vor.
Wir haben somit für uns eine Lösung gefunden und bieten einem anderen Markt, was er will und braucht. Für die an Hauterkrankungen Leidenden aber wurde keine Lösung gefunden. Im Gegenteil, die für sie optimale Lösung wurde – bewusst und in Kenntnis der dadurch verursachten medizinischen und volkswirtschaftlichen Risiken – gestrichen.
Vortrag von Dr. Hans Lautenschläger bei einer Veranstaltung des Internationalen Verein für Umwelterkrankte im November 2000 in Dillingen/Saar
Hautprobleme nehmen zu
Die Zahl von Menschen mit empfindlicher Haut oder mit Hautproblemen nimmt stetig zu. Über die Ursachen wird immer wieder spekuliert. So werden z.B. Arbeitsstoffe, Umwelteinflüsse und mangelnde Immunisierung vermutet. Schaut man jedoch im Detail nach, stellt man fest, dass zwar die Anzahl unterschiedlicher Stoffe, mit denen Menschen in Berührung kommen rapide angewachsen ist, die Bedingungen hinsichtlich des Arbeitsplatzes und der Umwelt in den letzten Jahrzehnten im allgemeinen wesentlich besser geworden sind. Viele gefährliche Arbeitstoffe sind verboten oder reglementiert worden, andere sind hinsichtlich ihrer Hautverträglichkeit ganz entscheidend weiterentwickelt worden. Man denke diesbezüglich nur an die Kühlschmierstoffe in der metallverarbeitenden Industrie.
Ein Nachteil dieser positiven Entwicklung ist, dass die Menschen sorgloser im Umgang mit alltäglichen Stoffen geworden sind.
Dazu ein bekanntes Beispielt: noch vor 50 Jahren war ein Vollbad in der Woche der Maßstab für die Ganzkörperreinigung, heute gehört ein Duschbad inklusive intensiver Körperreinigung mit Sydnet-Seife und Shampoo bei vielen Menschen zur täglichen Hygiene, gefolgt von der Anwendung verschiedener Hautpflegemittel wir Cremes, Lotionen und Duftpräparaten. Durch allerlei Zusätze wir z.B. Duftstoffen und Rückfetten wird außerdem ein angenehmer Wohlfühleffekt vermittelt.
Hautkontakte mit harmlosen Stoffen wie Wasser, Hautreinigungs- und Haupflegemitteln finden natürlich in dem vollem Bewusstsein statt, dem Körper nur Gutes zu tun und sich der Umwelt wohlriechend und gutaussehend zu präsentieren.
Selbstverständlich sind all diese Mittel dermatologisch getestet, früher mehr am Tier, heute ausschließlich am Menschen. Dementsprechend vertragen die meisten Menschen die auf dem Markt befindlichen Hautpflegemittel und fühlen sich wohl. Der Rest hat aber teils gravierende Probleme. Warum?
Jede Haut ist anders
Der eine hat ein dickeres Fell, der andere ein dünneres. Hinzu kommen Menschen. Die von Natur aus durch Vererbung, Stoffwechselstörungen, Enzymdefekte, organische oder psychische Leiden ein besondere Hautbeschaffenheit haben. Ihre Haut ist besonders sensibel, toleriert nicht jeden Stoff oder jede Stoffmischung (Creme) im chemischen und/oder physikalischem Sinne. Vielfach benötigt ihre Haut eine besondere, von üblicher Hautpflege abweichende Behandlung. Darüber hinaus gibt es Menschen, die scheinbar gar nichts mehr auf der Haut vertragen.
Menschen mit diesen Problemen benötigen eine intensive, fachkundige Beratung.
Dazu gehören neben einer guten Hautanalyse vor allem die Analyse ihres Hygiene und Hautpflege-Verhaltens, gefolgt von der Auswahl geeigneter Hautpflegemittel und ggf. der begleitende dermatologischen Behandlung durch den Hausarzt. Dabei ist die Anpassung der physikalischen und chemischen Zusammensetzung der Hautpflege an die individuelle Haut besonders wichtig.
Zentraler Punkt ist die Hornschicht der Haut
Eine große Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Zustand der Hornschicht (Stratum corneum) der Haut, die wie ein Mauerwerk aufgebaut ist. Die abgestorbenen Hornzellen stellen in diesem Bild die „Backsteine“ dar. Der „Mörtel“, der die Hornzellen zusammenhält, besteht aus hocheffektiven Barriereschichten, die ähnlich wie die Zellmembranen eine typische doppelschichtige Membranstruktur besitzen. Man spricht auch von Lipid-Doppelschichten oder Bilayern.
Wenn diese Membranstruktur gestört ist, trocknet die Haut aus und ist aufgrund der erhöhten Rauhig- und Rissigkeit wesentlich anfälliger gegenüber der Penetration von schädigenden Stoffen. Die Haut wird „sensibler“. Es steht heute fest, dass sowohl chemische als auch physikalische Faktoren von Kosmetika einen großen Einfluss auf die Integrität, Erneuerungen und Erhaltung der Hornschicht ausüben und dadurch sekundär Vorgänge in der lebenden Epidermis gesteuert werden. Dabei setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass die Erhaltung der natürlichen Funktionen der Barriereschichten ein zentraler Punkt der Prävention von Hautproblemen ist.
Zu häufige Hautreinigungen sollten reduziert werden
Eine Wesentliche Komponente der richtig angewandten „Barrierepflege“ ist die Hautreinigung. Bei der Wässrigen Hautreinigung und der Arbeit mit Haushaltschemikalien findet naturgemäß ein vermehrtes Ausschwemmen der natürlichen epidermalen Schutzstoffe durch die Einwirkung der in den Reinigungsmitteln enthaltenen Tenside statt. Auch wenn wir uns heute an den angenehmen Schaum und die rückfettende Wirkung von Reinigungspräparaten gewähnt haben, ist es wichtig zu wissen, dass unkonventionelle, nichtschäumende Präparate mit sehr milden Tensiden (z.B. Zuckertensiden) und Präparate ohne rückfettende Substanzen die Hautbarriere wesentlich mehr schonen. Bei empfindlicher und Störungen neigender Haut ist allgemein eine Reduzierung der Häufigkeit und der Intensität der Hautreinigung ratsam.
Emulgatoren sind bei einer gestörten Haut kritsich
Das Ausschwemmen der epidermalen Schutzstoffe wird darüber hinaus durch die in Hautpflegemitteln enthaltenen Emulgatoren, die mit reinigenden Tensiden sehr verwandt sind, gefördert.
Dazu ein Beispiel: Neurodermitiker zeichnen sich durch eine hochgradig gestörte Hautbarriere aus. Sie leiden darunter, wenn sich die gestörte Barriere nicht regenerieren kann. Sie verwenden Kosmetika und Dermatika; trotzdem stellt sich kein langfristiger Erfolg ein. Sind gleichzeitig Entzündungen vorhanden, werden darüber hinaus vom Hausarzt Corticoide verschrieben, die zwar zu einer kurzfristigen Besserung, langfristig aber zu einer weiteren Erhöhung der Hautempfindlichkeit und Verschlechterung des allgemeinen Hautzustands führen. Es hat sich gezeigt, dass einem hohen Prozentsatz der Neurodermitiker auf einfache Art und Weise geholfen werden kann, wenn man ihnen Pflegecremes ohne Emulgatoren zur Verfügung stellt und die Dauer und Häufigkeit von Hautreinigungen verringert. Emulgatoren haben nämlich eine gute und eine schlechte Eigenschaft. Die gute Eigenschaft ist die Fähigkeit, hautpflegende Fette und Öle mit einer wässrigen Basis stabil zu einer Creme (Wasser-in-Öl- oder Öl-in-Wasser-„Emulsion“) zu verbinden. Die schlechte Eigenschaft ist, dass sie die gute Eigenschaft in der Haut – mit Ausnahme einiger weniger Emulgatortypen – nicht verlieren und die natürliche Hautbarriere in ihrer Integrität stören. D. h. so wie Emulgatoren Fettstoffe in die Haut hinein transportieren, werden Fettstoffe und Barrierebestandteile umgekehrt mittels der Emulgatoren aus der Haut herausgeschwemmt, wenn z.B. ein längerer Kontakt mit Wasser stattfindet. Die geschädigte Barriere der Neurodermitiker ist dafür besonders anfällig.
Wenn Neurodermitiker dagegen emulgatorfreie Pflegecremes verwenden, die möglichst noch entsprechende Wirkstoffe wie Linolsäure (essentielle Fettsäure) und Harnstoff (Urea) enthalten, regeneriert sich ihre Hautbarriere mittelfristig von selbst und die Beschwerden klingen ab.
Abschließend ist zum Thema Emulgatoren noch zu bemerken, dass bestimmte, sehr weit verbreitete Emulgatoren (Ethoxilate) unter Sonnenbestrahlung die sogenannte Mallorca-Acne auslösen.
Hauteigene Ceramide müssen erhalten und gefördert werden
Zur Erhaltung und Regeneration der Hautbarriere tragen insbesondere Ceramide bei, die der Organismus selbst bereitstellt und in die Barriereschicht der Haut einschleust.
Eines der wichtigsten Ceramide ist das linolsäurehaltige Ceramid I. Seine Abnahme in der Haut korreliert mit der Zunahme krankhafter Hautveränderungen. Daher werden Vehikel wie Liposomen und Nanopartikel, deren Hüllen hoho Linolsäurekonzentrationen enthalten, als Wirkstoffzusätze immer wichtiger. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass die oben bei Neurodermitikern beschriebenen Erfahrungen auch bei einem kleineren, aber dennoch verhältnismäßig hohen Prozentsatz von Psoriatikern festzustellen sind.
Auch Psoriatiker haben eine hochgradige gestörte Hautbarriere, die sich im Gegensatz zu Neurodermitikern durch eine Überproduktion von Hornschichtbestandteilen und eine meist gleichzeitig vorhandene Entzündung auszeichnen. Liposmenpräparate sind bei einem teil der Psoriaiker in der Lage, das gestörte Gleichgewicht der Haut (Homöostase) in Ordnung zu bringen. Der Zustand der Hautbarriere normalisiert sich.
Auf hautbelastende Stoffe muss verzichtet werden
Da sensible Haut besonders empfindlich für von außen einwirkende Stoffe ist, sollte in Hautpflegemitteln auf alle zusätzlich belastenden Stoffe verzichtet werden:
~ Parfümstoffe
~ Konservierungsmittel
~ Emulgatoren und Alkanolamine
~ Mineralöle und Silikone
~ Farbstoffe
Die angenehm riechenden Parfümstoffe stehen heute an der Spitze der Hitliste sensibilisierender Stoffe bereits vor den Konservierungsmitteln.
Auch wenn immer wieder behauptet wird, Kosmetika und Dermatika müssten aufgrund der möglichen Gesundheitsgefahren konserviert sein, so entspricht dies längst nicht mehr dem Stand der Technik. Richtig ist, dass die Herstellungskosten unkonservierter und duftstofffreier Präparate in der Regel um ein mehrfaches die der konservierten und duftstoffhaltigen übersteigen, da insbesondere bei wasserhaltigen Cremes wesentlich teuere und vor allem, was nicht selbstverständlich ist, geruchsfreie, reine Rohstoffe eingesetzt werden müssen (Duftstoffe haben neben dem Wohlgeruch sehr häufig auch die Funktion der Geruchsüberdeckung von Rohstoffen). Viele Hersteller sind heute aufgrund ihrer Kostenstruktur gar nicht mehr in der Lage, auf eine Konsequent dermatologische Kosmetik umzusteigen. Daher sind die obengenannten Kriterien längst zu einem Politikum geworden, d.h. wirtschaftliche Überlegungen rangieren vor dem dermatologisch Wünschenswerten.
Die Experten sind sich einig darüber, dass vom Stratum corneum zahlreiche Signalfunktionen ausgehen, mit denen wichtige Steuerungen in der lebenden Epidermis beeinflusst werden. Daher liegt der Rückschluss nahe, dass die Art der Pflege der Hornschicht einen zwar indirekten, aber entscheidenden Einfluss auf regenerative Vorgänge tieferer Hautschichten hat, die letztendlich wiederum den Zustand des Stratum corneums beeinflussen. Dazu ein Negativ-Beispiel: Kosmetika, die einen besonders niedrigen transepidermalen Wasserverlust (TEWL) bewirken, regulieren die Hautaktivitäten nach unten, erkennbar z.B. an der Synthese der Nukleinsäure (DNA). Dies gilt vor allem für hoch mineralöl- und silikonhaltige Präparate (Extrem: Vaseline, INCI: Petrolatum, „Melkfett“), die sich als mehr oder weniger undurchlässiger Film auf die Haut legen. Um zu einer normalen und natürlichen Stoffwechselaktivität zurückzukehren, sind erfahrungsgemäß Umstellungszeiten von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten notwendig. Der Prozess ist vergleichbar mit der Erschlaffung der Muskeln bei mangelnder körperlicher Aktivität und dem Beginn eines langwierigen Trainings, bis die ursprüngliche Leistungsfähigkeit wieder erreicht ist. Es steht heute fest, dass sowohl chemische als auch physikalische Faktoren von Kosmetika einen großen Einfluss auf die Integrität, Erneuerung und Erhaltung der Hornschicht ausüben und dadurch sekundär Vorgänge in der lebenden Epidermis gesteuert werden.
Bemerkung zu Aminen: Amine, insbesondere Alkanolamine wie Triethanolamin, sind häufige Begleitstoffe sogenannter anionischer Emulgatoren, denen sie zur Neutralisation dienen, Sie entfallen daher beim Verzicht auf Emulgatoren.
Neue Entwicklung in der Hautpflege: DMS-Cremes
Auf der Suche nach Alternativen zu emulgatorhaltigen Hautpflegemitteln wurde vor Jahren mit der Entdeckung der Liposomen ein vielversprechendes neues System gefunden. Zum ersten Mal waren Pflege-Zusammensetzungen möglich, die ölige und wässrige Cremebestandteile mit Hilfe von Stoffen vereinten, die Natur aus Hauptbestandteile der Zellmembranen sind und der physikalischen Bilayerstruktur der Hornschicht entsprechen, also sehr hautverwandt sind, Sie gehören auch heute noch zu den effektiven Systemen, um Pflegesteffe in die Haut zu schleusen.
Nachteilig ist die begrenzte Aufnahmefähigkeit für ölige Pflegestoffe. Dies führte in der Folge zur Entwicklung der ebenfalls membranstoffhaltigen Nanopartikel, die sich im Gegensatz zu den Liposomen nicht durch einen wässrigen sondern durch einen öligen Kern auszeichnen. Auch Nanopartikel sind typische Transportkörper ähnlicher Größenordnung wie die Liposomen.
Erst in jüngster Zeit stellte sich heraus, dass man mit ähnlichen Membranstoffen, die sich zur Herstellung von Liposomen und Nanopartikeln eignen, stabile emulgatorfreie Cremes herstellen kann, die sich von konventionellen Emulsionen optisch und sensorisch kaum unterscheiden. Der Trick besteht darin, die in den Liposomengrundstoffen chemisch gebundenen ungesättigten Säuren durch gesättigte zu ersetzen und eine Hochdrucktechnologie bei der Herstellung der Cremes anzuwenden. Dadurch werden Cremes möglich, die Membranfragmente und Pflegestoffe in äußerst fein verteilter Form enthalten (Abbbildung).
Diese Cremes werden, da sie darüber hinaus weitere hautähnliche Inhaltsstoffe enthalten, DMS-Cremes (DMS = Derma Membrane Structure) genannt. Ähnlich wie bei Emulsionen, wo es nicht eine einzige W/O- oder O/W-Creme gibt, können DMS Cremes qualitativ und Quantitativ vielfältige unterschiedliche Zusammensetzungen haben. DMS-Cremes zeichnen sich aber durch die folgenden Gemeinsamkeiten aus:
- DMS-Cremes enthaltenhautähnliche Bestandteile
- DMS-Cremes enthalten statt Emulgatoren Membranbestandteile, die eine ähnliche
physikalische Struktur bilden, wie man sie in den Barriereschichten der Haut vorfindet
Erwartungsgemäß verringern DMS-Cremes das Ausschwemmen hauteigener Barrierestoffe beim Kontakt der Haut mit Wasser. Sie lassen sich daher auch gut in Kombination mit UV-Filtern für mineralöl- und silikonfreie, wasserfeste Sonnencremes einsetzten. Die große Anwendungsbreite wird aus mehreren, erst kürzlich veröffentlichten Patentschriften deutlich. Der Einsatz reicht von der Hautpflege über den Hautschutz bis zu dermatologischen Präparaten. Insbesondere Verwender mit sehr sensibler oder krankhaft gestörter Haut profitieren von diesen Neuentwicklungen, da DMS-Cremes vor allem auch präventiv wirken.
Nachteil: z. Zt. Lieben die Cremes preislich meist noch über den konventionellen Emulsionen. Über längere Zeit angewandt sind sie jedoch bereicht heute deutlich günstiger, da sie in geringer Dosierung das Regenerationsverhalten der Hornschichtbarriere sehr positiv beeinflussen und somit auf diesbezügliche Sonderbehandlungen ganz verzichtet werden kann. Bei Neurodermitikern kann in vielen Fällen die langfristige kontraproduktive Corticoid-Behandlung abgesetzt werden.
Auf häufig anzutreffende abdeckende (okklusive) Bestandteile auf Mineralölbasis wird bei diesem Konzept ganz verzichtet, um die Bildung der Hauteigenen Hautschutzstoffe nicht zu behindern.
Die Förderung der hauteigenen Bildung der Ceramide in ihrer natürlichen Zusammensetzung und Umgebung kann z.B. mit der DMS-Cremes erreicht werden, denen linolsäurereiche oder Nanopartikel zugesetzt werden, während DMS einen Sofortschutz aufbaut, erfolgt die Bildung von Ceramid I zeitverzögert durch die Freisetzung von Linolsäure aus Liposomen oder Nanopartikeln. Cremes mit diesem Prinzip haben sich hinsichtlich der Behandlung der trockenen Haut und der unterstützenden Prävention der Neurodermitis hervorragend bewährt. Dieses Beispiel zeigt einen weiteren Vorteil von DMS-Cremes: Sie können an die individuelle Haut angepasst werden.
Der Haut geben, was sie benötigt
Zusammenfassend ist festzustellen, dass heute viele Hautprobleme und Hautstörungen bei entsprechend disponierten Menschen erst durch eine ungeeignete Hautpflege und Hygiene ausbrechen oder entstehen. Eine moderne Hautpflege im dermatologischen Sinne sollte daher der Haut das geben, was sie benötigt.
Sie sollte:
- frei sein von Problemstoffen und weitgehend von Hilfsstoffen
- die Haut schützen
- die Eigenregeneration der Haut nicht behindern sondern fördern
- hautähnliche Bestandteile enthalten
- physikalisch mit der Hornschicht verträglich sein
- an die individuelle Haut angepasst werden können und
- sparsam angewandt werden.
Auch im Zusammenhang mit der dermatologischen Behandlung ist es wichtig, diese Grundsätze zu beachten, da so ein nahtloser Übergang von der dermatologischen, ärztlichen Behandlung zum präventiven, kosmetischen Hautschutz gewährleistet ist.
Weitere Veröffentlichungen zum Thema, u.a. im Internet unter:
www.dermaviduals.de und www.dr-lautenschlaeger.de
Dr. Lautenschläger, KOKO GmbH & Co.KG, Moltkestr. 25, 42799 Leichlingen, Tel. 02175-990950
Es handelt sich dabei um eine Glaskörpertrübung des Auges, wie sie viele Menschen kennen und fast jeder von uns eines Tages kennen lernen wird. Die kleinen schwarzen Punkte, Fädchen, Flusen oder Mücken, die andere nicht sehen können. Die oftmals beim Lesen oder dem Blick auf eine weiße Wand auftauchen. Diese „fliegenden Mücken“ oder "mouches volantes", wie sie von den Augenärzten genannt werden gehören zu unserem Leben wie viele andere altersbedingte Störungen auch. Sie beruhen keineswegs auf Einbildung, sondern existieren wirklich. Nur, dass sie nicht im Raum fliegen, sondern im Auge schwimmen. Doch wenn sie auch noch so lästig für den Betroffenen sind, so sind sie doch wesentlich harmloser als richtige Mücken.
Experten gehen davon aus, dass wir alle früher oder später die Bekanntschaft mit den manchmal etwas lästigen Folgen der altersabhängigen, zunehmenden Glaskörpertrübung machen werden.
Warum ist das so?
Das menschliche Auge besteht zum größten Teil aus einer ursprünglich klarren und geleeartigen Masse, dem sogenannten Glaskörper. Sie wiederum setzt sich hauptsächlich aus zwei Substanzen zusammen: einer bestimmten Säure-Verbindung - ähnlich der zwischen unseren Wirbeln - und kollagenhaltigen Fasern, die das dreidimensionale Gerüst für die Stabilität des Glaskörpers bilden.
Dieser Glaskörper beginnt sich bereits in der Jugend ganz langsam und allmählich zurück zu bilden. Das ist bei jedem Menschen so, wenn auch die Geschwindigkeit dieser Rückbildung durchaus unterschiedlich sein kann. Auswirkungen auf die Geschwindigkeit dieser Rückbildung haben sowohl die Länge des Augapfels, wie auch eine mögliche Kurzsichtigkeit. Wer kurzsichtig ist, den erreicht dieser Abbau schneller, was ihn auch früher die „fliegenden Mücken“ sehen läßt. Durch die Schrumpfung des Glaskörpers und seine Lösung von der hinteren Augapfelwand ballen sich gleichzeitig einige der feinen Kollagenfasern zusammen. Dadurch entstehen winzige Glaskörpertrübungen, die vor allem vor hellem Hintergrund als Fusseln, Pünktchen oder Mücken wahrgenommen werden.
Wenngleich diese Erscheinungen vor den Augen auch nervend sein können so haben sie doch auf die Sehschärfe keinen direkten Einfluss. Es bleibt anzuraten, dass man sich möglichst viel mit anderen Dingen beschäftigen sollte. Denn umso weniger Beachtung die „fliegenden Mücken“ erhalten, umso weniger werden sie wahrgenommen. Mit der Zeit werden sie ohnehin schwächer, was daran liegt, dass sich die Trübungen mit dem Glaskörper beständig weiter von der Netzhaut entfernen. Es gibt also keinen Grund sich vor der Glaskörpertrübung zu fürchten.
Eine Operation ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ausschließlich in Fällen erforderlich, wenn das Sehvermögen so stark beeinträchtigt ist, dass der Nutzen für den Betroffenen größer ist als das Risiko der Operation.
Es ist von daher wirklich nicht angebracht, sich über eine Glaskörpertrübung Sorgen zumachen. Stattdessen sollten Sie drei wichtige Sicherheitsmaßnahmen kennen und beherzigen:
1.Sobald Sie zum ersten Mal entdecken, daß Sie etwas sehen, was außerhalb Ihres Auges nicht existiert, suchen Sie Ihren Augenarzt auf, damit er die sehr viel selteneren, aber dennoch möglichen krankhaften Ursachen ausschließen und Ihnen die Sorge nehmen kann.
2.Lassen Sie den Gesundheitszustand Ihrer Augen regelmäßig überprüfen - vom 40. Lebensjahr an mindestens einmal im Jahr, denn es gibt Augenkrankheiten, die das Sehvermögen bedrohen und sich nicht bemerkbar machen. Nur Ihr Augenarzt kann sie rechtzeitg erkennen.
3.Sollten Ihre "fliegenden Mücken" plötzlich in dichten Schwärmen auftreten, dann gehen Sie auf jeden Fall vorsichtshalber sofort zu Ihrem Augenarzt oder - wenn Sie ihn nicht erreichen - in die nächste Klinik. Dann nämlich ist Eile geboten, weil sich möglicherweise eine Netzhautablösung ankündigt. Durch rechtzeitige Behandlung mit dem Laser läßt sich aber die Gefahr schnell und schmerzlos bannen. Das gilt ebenfalls für auffällige andere Erscheinungen wie Rußflocken-Regen, Lichtblitze oder wenn ein Vorhang einen Teil Ihres Blickfeldes zu verdunkeln scheint.
Noch bis Ende der 90er Jahre waren Cranberrys bzw. Moosbeeren (Vaccinium macrocarpon) in Deutschland unbekannt. Ihre Heimat ist Nordamerika. Doch die Nachfrage nach diesen Beeren, die sich in Amerika einer ebenso großen Beliebtheit erfreuen wie bei uns die Erdbeeren, steigt auch bei uns. Und das nicht nur aufgrund ihrer gesundheitsförderlichen Inhaltsstoffe.
Die Beeren sind eine natürliche Medizin gegen Bakterien. Die Wirkstoffe von Cranberrys erschweren bzw. verhindern das Andocken von Bakterien, die zu Entzündungen oder Geschwüren führen können. Cranberries verhindern Plaque, helfen gegen Harnwegsinfektionen und schützen den Darm, sie sind einfach Multitalente.
Cranberrys steigern den Anteil des HDL-Cholesterin im Blut und wirken damit dem schädlichen LDL-Cholesterin entgegen. Sie enthalten viel Natrium, Phosphor, Kalium und reichlich Vitamin C (30-40 mg je 100 g Früchte) und liefern dem Immunsystem zusätzliche "Waffen" im Abwehrkampf gegen Krankheiten. Wissenschaftler untersuchen zurzeit die durchblutungsfördernde Wirkung als Schutz vor altersbedingten Erkrankungen
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Kategorien: Gesundheitstipps
Nüsse - gut fürs Herz
Nüsse können den Cholesterinspiegel senken. Und Menschen, die häufiger Nüsse essen, erleiden seltener einen Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod.
Ein erhöhter Cholesterinspiegel ist ein bedeutender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In vielen Fällen kann man durch die Änderung der Lebensweise einen hohen Cholesterinspiegel vermeiden bzw. in den Griff bekommen. Meist reicht zunächst die Umstellung auf cholesterin- und fettarme Kost sowie mehr sportliche Aktivität aus. Ein wichtiger Baustein in der cholesterinbewussten Ernährung können Nüsse sein.
Der cholesterinsenkender Effekt beispielsweise der Walnuss ist wissenschaftlich belegt. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (U. S. Food and Drug Administration) betont, dass der tägliche Verzehr von ca. 40 Gramm Walnüssen im Rahmen einer gesunden Ernährung das Risiko von Herzerkrankungen senken kann.
Der positive Effekt von Walnüssen auf den Cholesterinspiegel und vor allem auf das 'schlechte' LDL-Cholesterin wurde erstmals 1993 in einer Ernährungsstudie festgestellt. Die Probanden, 18 gesunde Männer, ernährten sich cholesterinbewusst nach den Empfehlungen der American Heart Association. Durch Zugabe von Walnüssen zu der Diät ging das LDL-Cholesterin um 16 Prozent und das Gesamtcholesterin um 12 Prozent zurück. Die "Cholesterin-Diät" alleine, ohne Walnüsse, war nicht so effektiv. In weiteren Studien konnte unter anderem gezeigt werden, dass auch die Mittelmeerküche und die gesunde Asia-Kost durch Zugabe von Walnüssen gesundheitlich aufgewertet wird.
Wer regelmäßig eine Handvoll Walnüsse isst, verbessert aber nicht nur seinen Cholesterinspiegel, sondern beugt auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Große Studien deuten darauf hin, dass Menschen, die häufiger Nüsse essen, seltener einen Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod erleiden. Zu diesem Schluss kam eine Untersuchung im Rahmen der US Physicians Health Study, in der über 21.000 Männer über einen Zeitraum von 17 Jahren beobachtet wurden. Im Vergleich zu Männern, die nie oder nur selten Nüsse aßen, war das Risiko des akuten Herztods bei den Männern, die mindestens zweimal die Woche Nüsse verzehrten, um 47 Prozent geringer.
Die günstige Wirkung der Walnuss beruht auf den wertvollen Inhaltsstoffen (Vitamin E, Mineralstoffen, Spurenelementen) und vor allem dem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Diese senken den Blutdruck, hemmen Entzündungen in den Arterien und verhindern das Verklumpen von Blutplättchen (Thrombozytenaggregation). Dadurch wird die Gefahr gebannt, dass sich Blutgerinnsel in den Gefäßen absetzen und diese verschließen. Als Quelle für Omega-3-Fettsäuren ist die Walnuss nur schwer zu überbieten. Keine andere Nuss und auch sonst kaum ein Lebensmittel, außer Lachs und anderen Seefischen, ist so reich an Omega-3-Fettsäuren wie die Walnuss.
Wegen ihres hohen Fettgehaltes sind Nüsse in der gesunden Kost oft verpönt. In den Walnuss-Studien nahmen die Teilnehmer aber trotz des höheren Fettgehalts durch die Walnusszugaben nicht zu, einige nahmen sogar ab, berichten Experten. Sie vermuten, dass sie sich die Menschen satter fühlten und die Diät besser einhalten konnten.
Belastetes Obst, giftiges Gemüse
Grenzwerte für Pestizide in Lebensmitteln werden erhöht
Ob spanische Paprika oder türkische Trauben - immer wieder überstiegen Obst und Gemüse die in Deutschland geltenden Belastungsgrenzen. Doch statt solche Lebensmittel besonders streng zu kontrollieren, erhöht die Bundesregierung einfach die Grenzwerte.
von Ulrich Stoll, Sendung vom 06.02.2007
Nach einer Untersuchung, die die Umweltorganisation Greenpeace am Dienstag veröffentlicht, wurden in den vergangenen zwei Jahren hunderte Höchstwerte für Pflanzenschutzgifte heraufgesetzt - zu Lasten der Verbraucher.
Manfred Krautter von Greenpeace
Manfred Krautter
Pestizide in Trauben und Salat
"Unfassbar ist aus unserer Sicht, dass gerade bei Problemprodukten mit sehr hoher Pestizidbelastung wie Tafeltrauben, Beeren oder Salat, also bei solchen, wo die Pestizidbelastungen am stärksten sind, auch die Grenzwerte am stärksten hochgesetzt wurden", kritisiert Manfred Krautter von Greenpeace.
Ein Beispiel: 1999 waren in einem Kilo Äpfel nur 0,01 Milligramm des Pilzbekämpfungsmittels Chlorthalonil erlaubt. Heute ist ein Milligramm, also die hundertfache Menge des Stoffes zulässig, der im Verdacht steht, Krebs zu erzeugen.
Recherchebericht von Greenpeace: Pestizide am Limit II
Gesundheitlich vertretbar?
Christian Grugel, Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, verteidigt die neue Festlegung der Grenzwerte: "Ein Hochsetzen von Stoffen ist das Ergebnis einer Diskussion auf europäischer Ebene, wo eben abgewogen wird, ob man auch mit den dann neuen Höchstmengen gesundheitlich noch in einem vertretbaren Bereich liegt."
Die neuen Höchstmengen seien gesundheitlich nicht vertretbar, kritisiert dagegen Greenpeace. Denn die heute zulässigen Giftmengen liegen oft über den Tagesdosen, die das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) festgelegt hat. So liegt der heute legale Wert für Chlorthalonil in Äpfeln um das Fünffache über der Tagesdosis, die das BfR für noch vertretbar hält. "Die Überschreitung der akuten Referenzdosis", so das Bundesinstitut, sei "ein konkretes Indiz für eine mögliche Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit", wobei die so genannte akute Referenzdosis die zulässige Tagesdosis meint.
Gift per Gesetz
Absurd: Die eine staatliche Prüfbehörde, also das Bundesamt für Verbraucherschutz, erlaubt eine Gift-Konzentration, die die andere staatliche Prüfbehörde, also das Bundesinstitut für Risikobewertung, für nicht akzeptabel hält: Doch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kümmert das offenbar wenig und das zuständige Bundesverbraucherschutzministerium legalisiert ebenfalls die höhere Belastung.
"Auf diese Weise bekommen wir immer mehr Gift auf den Teller, und zwar mit Gesetzessiegel", urteilt Manfred Krautter von Greenpeace. Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) verweist gegenüber Frontal21 auf die Experten der ihm unterstehenden Institute: "In diesen Punkten gibt es keine einzige Entscheidung von mir, wo ich mich über den Rat der Fachleute hinweggesetzt hätte."
Rewe reagiert
Dass der Gesetzgeber Höchstwerte für Giftstoffe in Lebensmitteln zulässt, die das Bundesinstitut für Risikobewertung für bedenklich hält, hat die Handelsketten jedoch zum Umdenken veranlasst. Wolfram Schmuck von der Rewe Group erklärt: "Wir warten jetzt nicht mehr auf politische Entscheidungen, sondern wir handeln selbst. Wir weisen unsere Lieferanten an, dass für uns nur noch Ware geliefert werden darf, die maximal 70 Prozent der gesetzlich verordneten Höchstmengen entspricht, aber auch 70 Prozent der freiwilligen Richtwerte, das heißt der zuträglichen Tagesdosis."
Damit reagiert das Handelsunternehmen auf eine Strafanzeige von Greenpeace. Die Umweltorganisation hatte auch in Rewe-Märkten Paprika und Tafeltrauben entdeckt, die einerseits die Tagesdosen für Pestizide weit überschritten, andererseits aber die neuen gesetzlichen Schadstoffhöchstmengen eingehalten hatten. Das Vertrauen in den Verbraucherschutz kommt durch solche Widersprüche bei den Grenzwerten schnell abhanden.
Die Fibromyalgie ist eine chronische Krankheit, die sich durch einen allgemeinen Schmerzzustand und eine tiefgreifende Müdigkeit auszeichnet. Es ist eine Art Weichteil-Rheumatismus, der oft schwer zu ertragen ist, und in seltenen Fällen sogar Behinderungen verursachen kann.
Der Schmerz wird als dumpf oder brennend am ganzen Körper empfunden. Zeitweilige stechende Schmerzen können an verschiedenen Orten auftreten und sich an den besonders stark exponierten Körperstellen noch verstärken.
Der Schmerz kann so stark sein, dass er die Ausübung der täglichen Verrichtungen stark beeinträchtigt, oder aber von andern Patienten nur als leichte Behinderung wahrgenommen wird. Manchmal kommt es auch zu schmerzfreien Phasen.
Die Müdigkeit äussert sich in einem allgemeinen Zustand der Mattigkeit, der bis zur vollkommenen Erschöpfung führen kann, vergleichbar mit einer starken Grippe. Manchmal macht sie sich auch nur zeitweise bemerkbar. Dann wieder fühlen sich die Betroffenen vollständig schlapp; sie haben dann momentan jegliche Energie verloren.
Wer ist von der Fibromyalgie betroffen?
Die Fibromyalgie ist eine etwa in gleichem Masse weit verbreitete Krankheit wie die verschiedenen Formen des Gelenk-Rheumatismus, sie kann sogar schmerzhafter sein. 85% der Betroffenen sind Frauen, die Männer sind weniger häufig, die Kinder und Jugendlichen nur selten betroffen.
2-4% der Bevölkerung der Industrieländer und 2% der Welt-Bevölkerung leiden darunter.
Früher als Fibrositis bekannt, spricht man heute allgemein von Fibromyalgie, was von "Fibro" Bänder und Sehnen, "my(o)" Muskeln und "algie" Schmerz abgeleitet wird.
Eine Reihe von Symptomen
Die Fibromyalgie ist ein Syndrom (FMS), weil sie durch eine Einheit von Symptomen charakterisiert ist.
Ausser dem Schmerz und der Müdigkeit treten oft folgende Symptome auf:
*
nicht erholsamer Schlaf; Müdigkeit und Muskelsteife beim Aufstehen
*
"gewöhnliche" Kopfschmerzen oder starke Migräne
*
Verdauungsstörungen, Durchfall und/oder Verstopfung, Blähungen und/oder
Übelkeit
*
Störungen der Blasenfunktion und im Genitalbereich
*
Depressionen oder Angstzustände (dies eher als Folge und nicht als Ursache
von FMS)
Zusätzlich werden von den Patienten auch folgende Beschwerden beschrieben:
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Muskelkrämpfe
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Gesichtsschmerzen
*
Gefühllosigkeit
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Juckreiz der Haut
*
Kribbeln
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Gefühl von Schwellungen
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Schmerzen im Brustkorb
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Zirkulationsstörungen
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Konzentrations-Schwierigkeiten
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Gedächtnislücken
Viele Betroffene reagieren außerdem sehr stark auf Wetterumschwung, Rauch, Lärm, grelles Licht, Kälte, Luftzug usw.
Diese Symptome können auch auf andere Krankheiten zutreffen. Es ist deshalb ratsam, einen Arzt zu konsultieren. Durch Stress, Gemütsbewegungen, Mangel oder Überbelastung an körperlicher Tätigkeit oder zu anstrengende Arbeit können diese Symptome zusätzlich verstärkt werden.
Klinischer Befund
Die Fibromyalgie lässt sich nicht durch Labor-Analysen feststellen. Im Gegenteil, die Resultate der Untersuchungen sind normal, und auch die Röntgenaufnahmen zeigen keine Veränderungen, was die Diagnose einer Fibromyalgie stützt.
WELCHE URSACHEN HAT DIE FIBROMYALGIE?
Dieses Syndrom wird oft durch ein traumatisierendes Erlebnis (körperlicher oder seelischer Schock), durch einen Sturz, einen Unfall, eine Infektion, eine Operation oder eine Geburt verursacht, es kann aber auch ohne ersichtlichen Grund auftreten.
Die wahre Ursache von FMS konnte noch nicht gefunden werden. Aus den Forschungsergebnissen der letzten Jahre geht hervor, dass den Betroffenen meistens der erholsame Tiefschlaf fehlt. Wenn man den Grund dieser Störung finden würde, könnte man die Entwicklung wirksamer Behandlungsmethoden fördern.
Heute arbeitet die Forschung vor allem an den bereits gefundenen "tatsächlichen" Ergebnissen weiter:
*
unregelmäßige Blutzirkulation in gewissen Gehirn-Abschnitten
*
Störung der Kortisol-Produktion
*
eine bestimmte Form des niedrigen Blutdrucks
*
Störungen des Stoffwechsels oder eine sogenannte "Energiekrise" in der
Muskulatur
*
schmerzstimulierende Stoffe dringen aus den Muskelfasern hinaus und reizen
die Schmerzfasern.
Die aktuellen Therapien
Die Behandlung der Fibromyalgie ist auf die Schmerzlinderung und die Verbesserung der Schlaf-Qualität ausgerichtet. Es werden somit eher die Symptome als die Krankheit behandelt.
Schmerzstillende und entzündungshemmende Mittel sind wenig wirksam.
Meistens werden dreiphasige Anti-Depressiva verschrieben, jedoch in viel schwächerer Dosierung als bei einer Depression. In gewissen Fällen bewirken diese Medikamente eine verminderte Schmerz-Empfindung und verbessern somit die Schlaf-Qualität. In anderen Fällen scheinen sie dagegen wirkungslos zu bleiben.
An wirksamen Medikamenten wird zurzeit auf verschiedenen Stufen intensiv geforscht. So hat zum Beispiel eine Pilotstudie bereits erste positive Resultate mit einem 5-HT3-Antagonisten (Tropisetron) erbracht. Weitere Studien sind zurzeit im Gange.
Wie lebt man mit Fibromyalgie?
Die Lebensweise muss der Krankheit angepasst werden, indem man Arbeits- und Ruhezeiten abwechselt.
*
Wärme, Bäder, Stress-Abbau, Entspannung können Erleichterung bringen. Wichtig ist auch, die Muskeln funktionstüchtig zu erhalten und sie wieder langsam an Anstrengungen zu gewöhnen.
*
Psychologische Unterstützung und/oder sanfte Therapie-Methoden wie Akupunktur, Eutonie, Yoga usw. helfen, die Schmerzen und die Müdigkeit zu vermindern; Stretching wie auch Aerobic können in einigen Fällen helfen.
*
Die Gesellschaft und die Familienangehörigen können durch ihr Verständnis für die Krankheit den Betroffenen helfen; es ist deshalb wichtig, sie zu informieren.
*
Unter Mithilfe der Ärzte und Therapeuten soll sich der Patient aktiv an seiner Behandlung beteiligen.
*
Eine Person, die sich verstanden fühlt und positiv denkt, wird schneller zu einer besseren Lebensqualität zurückfinden.
Association Suisse des Fibromyalgiques
Um nun etwas in die Thematik der Elektrosmogbelastung durch den Mobilfunk einzusteigen, vorab einige einleitende Erläuterungen.
Wie funktioniert Mobilfunk?
Mit Mobilfunk werden Sprache oder andere Daten zwischen mehreren Teilnehmern übertragen.
Diese Teilnehmer können sich wie bekannt frei und ohne Kabelverbindung mit Ihrem Handy innerhalb eines Mobilfunknetzes bewegen. Jedes Mobilfunknetz besteht aus einer Vielzahl von Sende- und Empfangsanlagen, den „Basisstationen“. Sie versorgen ein bestimmtes Gebiet, genannt „Funkzelle“. Je nach Gesprächsaufkommen haben diese Zellen einen Durchmesser von einigen hundert Metern in Ballungsräumen und bis zu 30 km in ländlichen Gebieten. Die Informationsübertragung zwischen Handy und Sendestation geschieht mit Hochfrequenzfeldern. Verschiedene Basisstationen werden über Richtfunk oder für weitere Entfernungen, auch über Kabelstrecken miteinander verbunden.
Was sind Hochfrequenzfelder?
Hochfrequenzfelder sind elektromagnetische Wellen, die sich im Raum in alle Richtungen gleichermaßen ausbreiten. Sie sind gekennzeichnet durch ihre Frequenz, d.h. die Anzahl der Schwingungen pro Sekunde, für die Hochfrequenz ist das der Bereich von 100 kHz bis 300 GHz, sowie durch ihre Wellenhöhe. Elektromagnetische Wellen haben Lichtgeschwindigkeit und werden somit zum Übertragen dieser Daten und Informationen verwendet.
Welche Mobilfunktechniken gibt es?
Derzeit wird in Europa hauptsächlich die GSM-Technik (Global System for Mobile Communications) eingesetzt. Allein in Deutschland gibt es bereits über 50 Mio. Mobilfunktelefonierer in diesem Netzstandard.
Die derzeit betriebenen Mobilfunknetze sind die beiden D-Netze der T-Mobil D1 (Telekom) und von Vodafone D2 (vormals Mannesmann) und die beiden E-Netze von E-Plus E1, sowie von Viag-Interkom E2. Diese Netze basieren seit 1992 auf diesem GSM-Standard und dabei handelt es sich um die neue digitale Telefontechnik, sie funktioniert erstmals mit gepulsten Mikrowellen. Die so genannten Trägerfrequenzen der D- und E-Netze liegen bei 890 bis 960 MHz und 1710 bis 1880 MHz bei einer Pulsfrequenz von 215 Hz für die Mobilgeräte, also die Handys und bis zu 1733 Hz für die Basisstationen, den Sendeanlagen. D- und E-Netz-Handys strahlen mit einer maximalen Leistung von 2 Watt, je nach Situation und Abstand zu einer der nächsten Basisstationen.
Die mittlere Leistung eines Handys im Alltag liegt etwa bei 50 bis 500 mW.
Schnurlose DECT-Haustelefone strahlen dagegen mit einer konstanten Leistung von 250 mW, sowohl die Basisstation, als auch der Telefonhörer. Beim Telefonieren strahlen Handys kontinuierlich, im ausgeschaltetem Zustand gar nicht. Im sogenannten Stand-By-Betrieb geben sie in bestimmten Zeitintervallen kurze Impulse ab, um den Kontakt zur nächsten Basisstation zu gewährleisten. Diese Impulse jedoch immer mit maximaler Leistung.
DECT-Telefonhörer strahlen nur während der Telefonates.
Anders dagegen die DECT-Basisstationen, denn diese strahlen nonstop, Tag und Nacht, rund um die Uhr, und das mit voller Leistung bis zu einer Entfernung von 300 Meter, auch wenn gar nicht telefoniert wird. Und gerade diese Dauerstrahlung ist bei diesen Geräten das große Problem, solange sie mit dem häuslichen Stromnetz verbunden sind. Zur Zeit befindet sich der neue Mobilfunk-Standard UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) im Aufbau. Er wird die D- und E-Netze ergänzen, und nicht wie häufig immer noch angenommen, ersetzen.
Das bedeutet, für UMTS werden zusätzlich etwa 50.000 weitere Basisstationen installiert, die ersten sind schon in Betrieb. Bis zum Jahr 2010 soll die flächendeckende UMTS-Versorgung zustande kommen. Die meisten dieser Sendeanlagen sind niedriger als 10 Meter und sie brauchen für den Betrieb weder eine Bau- noch eine Umweltgenehmigung.
Die Betreiber müssen vor der Inbetriebnahme dieses lediglich mitteilen. Die Sendefrequenzen liegen bei diesem Standard im Bereich von 1900 bis 2170 MHz, und die Systeme sind teilweise ähnlich gepulst wie die D- und E-Netze. Grundlagenforschung in Bezug auf Risiken durch UMTS-Wellen wurde, wie auch bei der Einführung der D- und E-Netze, noch nicht betrieben. Ganz aktuelle Funktechniken wie Bluetooth, WLAN oder Tetra senden ebenfalls gepulst, jedoch mit geringerer Leistung, aber auch im Hochfrequenzbereich.
Wie wir zuvor gehört haben, sind Mobilfunkstrahlen gepulste elektromagnetische Wellen.
Diese entstehen im Funkbereich und haben unterschiedliche Frequenzen. Die Eindringtiefe in leitfähige Materie oder Stoffe, z.B. den Menschen, ist frequenzabhängig. Bei gleichzeitiger Pulsung, wie es im Mobilfunk und bei schnurlosen DECT-Telefonen üblich ist, kommt zu der thermischen Wirkung der Hochfrequenz noch die nicht-thermische, biologische Wirkung hinzu. Und gerade diese nicht-thermischen Wirkungen sind es, die zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen beim Menschen führen, so die mittlerweile vielstimmigen Aussagen von Umweltmedizinern, Wissenschaftlern und anderen Fachleuten.
Aus der Praxis, und auch aus meiner eigenen Erfahrung, kennen viele Kinderärzte, Umweltmediziner, Bau- und Geobiologen Krankheitsbilder wie Schlafstörungen, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Tinnitus, Allergien, depressive Verstimmungen, deutliche Anzeichen von Lernstörungen bei Kindern und Jugendlichen, Migräne, Blutdruckveränderungen u.a. mehr, deren Ursache immer häufiger in der hochfrequenten gepulsten Mobilfunkstrahlung zu suchen ist. Aufgrund der kurzen Wellenlängen der Hochfrequenz beim Mobilfunk sind gerade unsere Kinder und Jugendlichen besonders betroffen. Hier ist es die größere Eindringtiefe der Strahlung in die Gehirne.
In der gesamten Evolutionsgeschichte des Menschen konnte sich der Organismus auf alle globalen Veränderungen, wie z.B. das Klima, über Jahrhunderte und Jahrtausende anpassen. Nun aber gibt es kaum eine Möglichkeit mehr für unseren Körper sich in relativ kurzer Zeit, mit all diesen bestehenden und zukünftigen Belastungen auseinander zu setzen, geschweige denn sich den gegebenen Veränderungen anzupassen.
Im Gegensatz zum Mobiltelefon, dessen Nutzung in der Regel freiwillig ist und in unseren eigenen Händen liegt, erfolgt die Exposition gegenüber den Immissionen einer Mobilfunksendeanlage meistens unfreiwillig. Bei den Auswirkungen auf den menschlichen Organismus wird vom Bundesamt für Strahlenschutz laut 26. BImSchV, und natürlich auch von den Mobilfunkbetreibern, „nur“ der rein thermische Effekt, d.h. die Erwärmung des Gewebes, anerkannt.
Die genannten nicht-thermischen Effekte der elektromagnetischen Wellen im Mobilfunk, welche Wissenschaftler und Ärzte für die Störung der biochemischen Kommunikation der menschlichen Zellen und für die Beeinflussung bestimmter Gene verantwortlich machen, werden bis heute ignoriert.
Internationale wissenschaftliche Studien belegen aber, dass gepulste Hochfrequenz, wie sie von Handys und deren Funkantennen und Sendemasten ausgehen, in Versuchen > Hirnschäden, Erbgutveränderungen, eine drastische Reduzierung des Immunhaushalts, Tumorwachstum, Krebs und andere Defekte auslösen können.
Hierzu möchte ich Ihnen nun einige Aussagen zum Mobilfunk zitieren:
„Die kritische Sichtung der wissenschaftlichen Literatur lässt keinerlei Zweifel mehr, dass die gepulste elektromagnetische Strahlung von Basisstationen, Handys und schnurlosen Haustelefonen wesentlich gesundheitsbeeinflussend und schädlich ist.“
Prof. Dr. Ing. Alexander H. Volger, Honorarprofessor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.
„Gepulste Mikrowellen verändern das Immunsystem und beeinflussen Neurotransmitterabläufe.“
Prof. Dr. Dan Lyle, Loma-Linda-Universität, Kalifornien
„Bei 36 Probanden führte die gepulste Strahlung im Versuchslabor unmittelbar nach dem Einschalten zu Veränderungen im EEG.“
Dr. H.P. Reiser, Dr. W. Dimpfel und Dr. F. Schober, Wissenschaftler des Pro-Science-Forschungsinstituts im Auftrag der Telekom
„Bei unseren Forschungen haben wir menschliches Blut in Reagenzgläsern mit Mikrowellen bestrahlt, die ähnlich der Handystrahlung sind. Es zeigte sich, dass sich unter dem Feldeinfluss die Zellkerne spalten. Es gibt Beweise für Schäden durch Mobilfunk. Dabei geht es nicht nur um Hirntumore, Blutveränderungen und Krebs, sondern auch um genetische Störungen und andere Probleme. Wenn wir jetzt keine umfassenden Forschungen anstellen und die Augen verschließen, dann wird das nichts bringen. Dann erweckt man nur den Eindruck, dass man Tote zählen will, bevor man handelt. Mit den vielen Informationen, die wir zum jetzigen Zeitpunkt in der Hand haben, ist Entwarnung absolut unhaltbar.“
Dr. George Carlo, Medizin-Physiker und Leiter einer im Auftrag der US-Mobilfunkindustrie durchgeführten 27-Mio-Dollar-Studie.
„Je länger die Blut-Hirn-Schranken mit gepulsten Mikrowellen bestrahlt werden, desto durchlässiger werden sie. Nach zwei Tagen war das schon auffällig, nach vier Tagen wurde es immer deutlicher.“
Prof. Dr. Johannes Goeke, Fachhochschule Köln, und Dr. Florian Stögbauer, Neurologe der Universitätsklinik Münster
„Gepulste Felder verändern das EEG und das zentrale Nervensystem.“
Prof. Dr. Ross Adey, Loma-Linda-Universität, Kalifornien
„Keine Firma der Welt entwickelt ein Arzneimittel, das bei Versuchstieren Krebs auslöst, und sagt dann, wie das Bundesamt für Strahlenschutz, die Handyhersteller und Mobilfunkindustrie, das werde beim Menschen schon nicht auftreten.“
Prof. Dr. Wolfgang Löscher, Tierärztliche Hochschule Hannover, zur Repacholi-Studie in der SZ.
Sogar die Bundesärztekammer verlangte bereits im August 2000 vom Bundesamt für Strahlenschutz eine drastische Senkung der Grenzwerte für Mobilfunkstrahlung und forderte das Amt auf: „Es gibt gewichtige Hinweise auf Schäden durch Mobilfunkstrahlung. Ich halte es für sorglos, wenn man an den bestehenden Grenzwerten festhält. Die zuständigen Behörden werden von uns dringend aufgefordert, sich mit den wissenschaftlichen Ergebnissen, und es handelt sich um zahlreiche seriöse Forschungen, das sei deutlich betont, auseinander zusetzen!“ Prof. Dr. Heyo Eckel, Vorstandsmitglied der Ärztekammer Das ist nur eine Hand voll Aussagen, diese Liste ließe sich nun noch seitenweise fortführen. Wir geobiologischen Berater sind Fachleute für die Erkennung, Vermeidung und Reduzierung von Umweltrisiken in Innenräumen. Wir messen, analysieren und begutachten neben den natürlichen Einflüssen auch die physikalischen Feldeinflüsse wie Elektrosmog, Radioaktivität und Schall, auch Wohngifte, Schadstoffe und Pilze, die Luftqualität und das Raumklima. Wir führen unsere Schlafplatz-, Wohnraum- und Arbeitsplatzuntersuchungen vielseitig und somit ganzheitlich durch und haben nach vielen Ergebnissen in der Praxis einen guten Überblick, worauf Menschen mit Ihren unterschiedlichen Beschwerdebildern besonders häufig und heftig reagieren. Wir wissen nunmehr, dass es die Summe verschiedener Einflüsse ist, welche letztlich zum Risiko wird. Wir stellen fest, dass immer mehr Wohngifte und die Intensität hochfrequenter elektromagnetischer Wellen dabei unmittelbar mit im Spiel sind und deren Eliminierung oder zumindest deutliche Reduzierung schon nach relativ kurzer Zeit gesundheitliche Verbesserungen zur Folge haben. Wir bemerken wieder und wieder, dass erhöhte Messwerte und Konzentrationen in Häusern und Wohnungen fast immer völlig überflüssig sind. Es fehlt an Aufklärung, die Folge von Informationsdefiziten oder sogar falscher Informationen, aber auch immer wieder schlechte und mangelhafte Beratung. Wir geobiologischen Berater helfen die Krankmacher, die sich überall in unseren eigenen vier Wänden verstecken können, zu finden und zu eliminieren, oder zumindest deutlich reduzieren. Wir wollen weniger diskutieren und über unsinnige Grenzwerte streiten, denn auch wir fordern auf endlich zu handeln. Es gibt genug Möglichkeiten, belastungsarm zu leben. Es lebt sich wesentlich besser mit weniger Gift und elektromagnetischer Strahlung, vorsorglich und nachsorglich. Wir suchen und bieten die Zusammenarbeit mit Ärzten und Therapeuten, mit Architekten und Planern, mit der Industrie, mit Behörden, Ämtern und den Kommunen, mit Vereinen, Verbänden, Schulen und Instituten.
Wir wissen, dass immer mehr Belastungen auftauchen anstatt weniger, wir wissen aber auch, dass es immer mehr und bessere Problemlösungen gibt.
Vortrag von Dipl. geobiol. Bert Frassmann – Kindsbach – beim Kongress 2004 in Nalbach
Chronic Fatigue Syndrome CFS wird im deutschen Sprachraum mit Chronischem Erschöpfungssyndrom oder Chronischem Müdigkeitssyndrom übersetzt. (In den USA nennt man es auch Chronic Fatigue Immune Dysfunction Syndrome CFIDS und in anderen englischsprachigen Ländern Myalgic Encephalomyelitis M.E.). Die Weltgesundheitsorganisation WHO klassifiziert CFS in ihrem Diagnoseschlüssel ICD-10 IV (International Classification of Diseases) unter der Ziffer G 93.3: CFS, postvirales Erschöpfungssyndrom, einschliesslich benigne myalgische Enzephalomyelitis.
Wer erkrankt an CFS?
Die meisten Erkrankten sind Erwachsene in den mittleren Lebensjahren. In der Regel liegt der Krankheitsbeginn über 7 und unter 60 Jahren. Wissenschaftliche Studien aus Grossbritannien, den USA und Australien lassen darauf schliessen, dass 2 von 1000 Erwachsenen von ME/CFS betroffen sind. Das CFS tritt doppelt so häufig bei Frauen wie bei Männern auf.
Symptome
a. Hauptsymptom:
Klinisch gesicherte, unerklärliche, anhaltende oder wiederkehrende Erschöpfung
* die neu oder zeitlich bestimmbar eingesetzt hat (und nicht bereits lebenslang besteht);
* die nicht Folge einer noch anhaltenden Überbelastung ist;
* die sich durch Ruhe nicht wesentlich verbessert und
* die zu einer substanziellen Reduktion des früheren Niveaus der Aktivitäten in Ausbildung
* und Beruf sowie im sozialen oder persönlichen Bereich führt.
b. Zusatzsymptome:
* Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Konzentration
* Halsschmerzen
* Empfindliche Lymphknoten im Hals- oder Achselbereich
* Muskelschmerzen
* Schmerzen mehrerer Gelenke ohne Schwellung oder Rötung
* Kopfschmerzen eines neuen Typs, Musters oder Schweregrads
* Keine Erholung durch Schlaf
* Nach Anstrengung Zustandsverschlechterung für mehr als 24 Stunden
c. Weitere Symptome:
* Muskelsymptome, zu denen eine durch Anstrengung erzeugte Erschöpfung gehört - oft mit einer verlängerten Erholungszeit, Krämpfe und Zuckungen und Bereiche mit typischer Druckempfindlichkeit.
* Beeinträchtigung des Kreislaufs, einschliesslich kalter Hände und Füsse, Intoleranz gegenüber extremen Temperaturen und eine blasse Gesichtsfarbe.
* Zerebrale Dysfunktionen (Dysfunktionen des Gehirns), einschliesslich Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, emotionale Labilität und Stimmungsschwankungen, Verwechslung von Worten, häufiges Wasserlassen, Intoleranz gegenüber lauten Geräuschen, Herzklopfen und Tachykardie (hohe Pulsfrequenz).
Alle Symptome verschlimmern sich nach geistiger, körperlicher oder seelischer Überanstrengung.
Diagnose
CFS ist ein Krankheitsbild, das sowohl Medizinern als auch Betroffenen oft nicht oder ungenügend bekannt ist.
Da bisher keine beweisenden Labortests zur Verfügung stehen, führt der Weg hauptsächlich über eine eingehende körperliche Untersuchung zum Ausschluss anderer schwerer Erkrankungen, die ebenfalls Müdigkeit verursachen können (wie z.B. Krebs, MS, Lupus, chronische Infektionen und auch psychiatrische Krankheiten).
Diagnosekriterien:
Das Vorhandensein des Hauptsymptoms und das gleichzeitige Vorkommen von vier oder mehr der Zusatzsymptome, die alle mindestens während 6 aufeinander folgender Krankheitsmonate persistierend oder rezidivierend nebeneinander bestanden haben müssen und der Erschöpfung nicht vorausgegangen sein dürfen. Diese CDC-Kriterien sind die meist verbreiteten, aber es existieren noch andere; die Erschöpfung ist immer das Hauptkriterium.
Die Ursachen des CFS
Die Ursachen sind trotz weltweiter intensiver Forschung bis heute unbekannt.
Therapie bei CFS
Es gibt bis heute kein anerkanntes und erwiesenes Heilmittel.
Der therapeutische Ansatz geht dahin zu lernen, das CFS zu akzeptieren. Aktivität und Ruhe in Balance zu bringen sowie Abbau und Vermeidung von Stress können helfen, wieder einen neuen Sinn im Leben zu finden.
Achtung: unseriöse, überteuerte Heilungsversprechen stürzen Erkrankte oft in einen Wechsel von Hoffnung und Enttäuschung.
Die Lyme Borreliose kann als multiorganische und systemische Erkrankung eine Vielzahl von unterschiedlichen Krankheitsmanifestationen verursachen, die in Abgrenzung zu ähnlichen Krankheiten anderer Ursachen oftmals mit dem Zusatz "Lyme" (Lyme-Arthritis, Lyme-Enzephalitis, Lyme-Karditis usw.) versehen werden. Die Erkrankung des peripheren und zentralen Nervensystems wird als Neuroborreliose bezeichnet. Obwohl grundsätzlich alle Organe befallen werden können, manifestiert sich die Krankheit häufig an der Haut, den Gelenken, Muskeln und Sehnen, dem Nervensystem und dem Herzen. Wie alle anderen Infektionen auch, kann eine Borrelien-Infektion trotz einer Erregereliminierung postinfektiöse Schädigungen verursachen, die sich in der Folge nur langsam zurückbilden oder auch irreversibel sein können. Es kann in diesen Fällen schwierig sein, diagnostisch zwischen einer akuten und ausgeheilten Erkrankung zu unterscheiden.
Während des gesamten Krankheitsverlaufs treten Symptome, wie Myalgien, Arthralgien, Müdigkeit und Abgeschlagenheit auf, die jedoch meist von schweren Leitsymptomen dominiert werden. In späteren Phasen kommen kognitive und psychische Beeinträchtigungen hinzu.
Bislang wurden die Krankheitsphasen der Borreliose analog der Syphilis in drei Stadien eingeteilt. Es wurde dabei die frühe lokalisierte (1. Stadium), die früh disseminierte (2. Stadium) und die späte oder chronische Erkrankung (3. Stadium) unterschieden. Da die Übergänge in den Krankheitsphasen fließend sein können und nicht regelhaft durchlaufen werden müssen, wird zunehmend nur noch zwischen einem frühen und einem späten Stadium unterschieden.
Stadium
Hautmanifestation
Neuroborreliose
Lyme-Arthritis
Weitere Erkrankungen
Frühes lokalisiertes
Erythema migrans
Evtl. zeitgleich mit EM.
Evtl. zeitgleich mit EM
Symptome ähnlich einer Sommergrippe
Frühes disseminiertes Stadium
Lymphadenosis cutis benigna (Lymphozytom)
selten auch sekundäre EM Läsionen
Meningitis
Enzephalitis
Hirnnervenlähmung, Facialisparese,
Radikuloneuropathie,
Meningoradikulitis, Plexusneuritis,
Mononeuritis
Neuropsychiatrische Erkrankungen
Myalgien
Arthralgien
Arthritis
Sinnesorgane
Konjunktivitis,
Iridozyklitis,
Choroiditis,
Opticus-Neuropathie,
Tinitus,
Kardiale Manifestationen
Karditis mit AV-Block (107)
Spätes disseminiertes, chronisches Stadium
Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA)
Morphea?
periphere Neuropathien, Polyneuropathie
(sub)akute Enzephalopathie
progressive Enzephalomyelitis
Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Gedächtnisstörungen, psychische Beeinträchtigungen (Symptome ähnlich einem Chronic-Fatigue-Syndrom)
Zerebrale Vaskulitis
Arthritis (rezidivierende Mono- oder Oligoarthritis, Bursitis, Daktylitis)
Myositis,
Arthriden, Myalgien Symptome ähnlich einer Fibromyalgie ?)
Sinnesorgane
Konjunktivitis,
Iridozyklitis,
Choroiditis,
Opticus-Neuropathie,
Tinnitus,
Anmerkung: Die Aufzählung der Erkrankungsformen ist nicht abschließend, da die Borreliose weitere vielfältige Krankheitsbilder verursachen kann.
Eine Borreliose kann längere Zeit latent verlaufen und dann Monate oder Jahre nach einer erfolgten Infektion mit der Symptomatik eines späteren Stadiums beginnen. Die Universität Frankfurt hat beispielsweise den Erstauftritt einer Lyme-Arthritis bei einem Jungen fünf Jahre nach einer erfolgten Borrelien-Infektion dokumentiert. (1) Auch eine Acrodermatits chronicum athrophicans kann sich noch Jahre oder Jahrzehnte nach einem erstmaligen Auftritt eines Erythema migrans entwickeln.
Die Krankheit verläuft meist schubhaft, d.h. in einem Wechsel von symptomatischen Phasen und Remissionen. Als Ursache dafür wird eine kurze Bakteriämie mit einem erneuten Befall von Organen gefolgt von einer inaktiven Phase der Borrelien vermutet.
Stadium 1: Die lokale Infektion
Etwa bei ca. 50 - 60 % der Borreliose-Erkrankungen tritt ein Erythema migrans auf. Dies kann vielfältige Formen und Ausprägungen aufweisen und mit anderweitig verursachten Exanthemen oder durch den Stich verursachte lokale Entzündungen verwechselt werden. Bislang wurde davon ausgegangen, dass ein Erythema migrans von einer durch den Zeckenstich verursachten lokalen Infektion durch die Größe der Rötung (mehr als 5 cm Durchmesser) unterschieden werden könnte. Bei einer Untersuchung von 257 Patienten mit einem Erythema migrans wurde jetzt bei zwei der Betroffenen ein Mini-Erythema gefunden. Auch, wenn diese Form offensichtlich selten vorkommt, so kann durch diese Befunde nicht mehr so ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass eine kleinere Rötung immer auf eine lokale Entzündung durch den Stich, aber nicht auf eine Borrelien-Infektion zurückzuführen ist. (20)
Das Erythem verursacht in der Regel keine oder nur leichte Beschwerden und wird deshalb oftmals nicht bemerkt. Das Auftreten eines Erythema migrans gilt als beweisend für eine Borreliose. Da die Serologie im Frühstadium oftmals noch negativ ist und zudem die serologischen Tests zu diesem Zeitpunkt eine geringe Sensitivität aufweisen, wird empfohlen, die serologischen Ergebnisse nicht abzuwarten oder auch bei einem negativem Ergebnis sofort eine Behandlung mit Antibiotika vorzunehmen. Bei Unklarheiten wird empfohlen, zusätzliche differentialdiagnostische Verfahren anzuwenden, wie z.B. PCR und Kultur.
Denn das lokalisierte Stadium gilt als noch gut mit Antibiotika heilbar, während dies bei einer Erregerstreuung im disseminierten Stadium schwieriger wird. Eine frühe Behandlung mit Antibiotika kann jedoch dazu führen, dass sich in der Folge - auch bei einer Erregerpersistenz aufgrund einer unzureichenden Behandlung - keine Antikörper entwickeln, bzw. ein "Switch" von der IgM- zur IgG-Antwort ausbleibt. Die Rückbildung des EM ist auch nicht mit einer Heilung gleichzusetzen, da lediglich die lokale Infektion abgeklungen sein kann, obwohl eine Erregerstreuung stattgefunden hat. Wenn mit oder nach dem Auftreten des EM grippeartige Beschwerden (wie z.B. leichtes Fieber, Unwohlsein und Gelenk- und Kopfschmerzen) einhergehen, deutet dies meist auf den Übergang in ein generalisiertes Stadium hin.
Es kann zeitgleich mit Auftreten des EM bereits eine Erregerstreuung stattfinden. So konnte B. burgdorferi vier Tage nach dem Zeckenbiss (Steuere et al 1983) und zwei Tage nach Auftreten des Erythema migrans (Benach et al. 1983) aus dem Blut isoliert werden. Eine neuere Studie einer italienischen Forschergruppe bestätigt diese Ergebnisse.
Stadium 2: Das generalisierte, bzw. früh disseminierte Stadium
Die Streuung des Erregers hält sich oftmals nicht an die in der Theorie publizierten Zeitrahmen, sondern entwickelt von Fall zu Fall eine eigene Dynamik. Die in einigen Publikationen vorgenommenen zeitlichen Angaben sind deshalb nicht generell auf den Einzelfall übertragbar. So kann, wie o.a. geführt, bereits während eines EM eine Erregerstreuung und/oder ein Befall des Nervensystems stattfinden. Zudem können symptomfreie Latenzzeiten über einen längeren Zeitraum (Monate bis Jahre) mit einem anschließenden (erneuten) Ausbruch der Erkrankung auftreten.
Die Serologien sind in diesem Stadium im Durchschnitt nur 50% - 70% sensitiv. Dabei variiert die Zuverlässigkeit der Serologie zusätzlich je nach Verfahren und Testkit sowie Qualität des Labors bei der Präperation und Auswertung. Da serologisch ein hoher Anteil von Infektionen übersehen werden kann, ist der klinische Verlauf, bzw. die Symptomatik diagnostisch wegweisend. Aber auch hier kann es aufgrund des Variantenreichtums der Borreliose zu falsch negativen und falsch positiven Diagnosen kommen.
Für das früh disseminierte Stadium werden zahlreiche borreliose-typischen Leitsymptomen beschrieben. Auch wenn mehrheitlich zumindest ein Leitsymptom auftritt, kann eine Borreliose bei Ausbleiben dieser Krankheitszeichen nicht ausgeschlossen werden. Aber auch die Leitsymptome können fehldiagnostiziert werden. Eine Facialisparese ist zwar häufig durch eine Borreliose verursacht, kommt jedoch auch bei anderen Erkrankungen, bzw. Infektionen vor und kann deshalb fehldíagnostiziert werden. Das Bannwarth-Syndrom kann mit einem Bandscheibenvorfall verwechselt werden. Die für dieses Stadium typischen Arthralgien und Myalgien können vorschnell zur Diagnose Fibromyalgie führen. Eine Lyme-Enzephalomyelitis kann mit einer Multiplen Sklerose verwechselt werden.
Die Diagnostik ist in diesem Stadium besonders schwierig, wenn das Frühstadium übersehen wurde, kein Zeckenstich erinnerbar ist und die serologischen und klinischen Befunde nicht eindeutig sind.
Stadium 3: Das chronische, späte oder persistierende Stadium
Eine unbehandelte oder unzureichend mit Antibiotika therapierte Borreliose kann in ein spätes chronisches Stadium übergehen. Über die Bandbreite der möglichen Symptome und Erkrankungen der späten Borreliose gibt es in der Fachliteratur unterschiedliche Angaben.
Die Diagnose der späten, bzw. chronischen Borreliose ist grundsätzliche schwierig, insbesondere, wenn in diesem Stadium eine Erstdiagnostik stattfindet, weil die Erkrankung in früheren Stadien übersehen oder fehldiagnostiziert wurde. Wie aus den oben aufgelisteten verschiedenen Krankheitsformen deutlich wird, gibt es zahlreiche Überlappungen zu Erkrankungen, die auch andere Ursachen haben können. Ob nach einer Behandlung mit Antibiotika evtl. weiter bestehende oder wieder neu auftretende Symptome auf eine Erregerpersistenz zurückzuführen sind, kann serologisch nicht festgestellt werden. Denn die (weitere) Aktivität des Erregers kann je nach Organbefall und untersuchten Körpermaterialien mit der Borrelien-Serologie nicht festgestellt und mit einer unterschiedlichen Sensitivität durch eine PCR oder Erregeranzucht zwar nachgewiesen, aber nicht ausgeschlossen werden.
Die Neuroborreliose
1985 untersuchten Schmidt et al 2955 Probanden. Bei 935 Personen (32 %) wurden im Serum oder Liquor positive Hinweise auf eine Borreliose gefunden. Von 1106 Probanden zeigten 74% typische Borreliose-Symptome, davon ca. die Hälfte ein Erythema migrans, und ungefähr ebenso viele eine Meningopolyneuritis. 42% der Meningopolyneuritis-Fälle traten in Verbindung mit einem Erythema migrans auf. Lyme Arthritis wiesen 63, ACA 72, Lyme-Karditis 13, Lymphadenosis 5 Patienten auf. Eine chronische Enzephalomyelitis zeigten 45 der untersuchten Patienten. In 73 % der untersuchten Patienten wurden mehrere Symptome festgestellt.
Zur gleichen Zeit wurde vom Münchner Pettenkofer-Institut (Wilske et al) eine Untersuchung der Borrelien-Durchseuchung von Zecken in den Isar-Auen von München an 2004 Zecken sowie zur Erkrankungsrate bei 9338 Personen durchgeführt, die 1987 veröffentlicht wurde. Von 375 geprüften Fällen, wiesen 78 ein Erythema migrans auf, 211 hatten neurologische Krankheitszeichen, 48 eine Lyme Arthritis und 36 eine ACA. Als Inkubationszeit für das Erythema migrans wurde ein Zeitraum von 5 bis 29 Tage, für die neurologischen Symptome 20 bis 59 Tage und zwei bis acht Monate für die Lyme Arthritis festgestellt.
Die norwegischen Meldedaten zur Borreliose haben über einen zehnjährigen Zeitraum ergeben, dass 71% der Patienten mit einer disseminierten und chronischen Borreliose an einer Neuroborreliose (am häufigsten einer Facialisparese ca. 40 %), 21,8 % an einer Lyme Arthritis oder Arthralgien, 5 % an einer ACA und 4,3 % unspezifischere Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien und 0,7 % an kardiologischen Manifestationen gelitten hätten. In einigen Fällen wären Kombinationen von verschiedenen. Krankheitsmanifestationen aufgetreten. (Disseminated and chronic Lyme borreliosis in Norway, 1995 – 2004)
Diese Daten weisen darauf hin, dass die Neuroborreliose (Befall des zentralen und/oder peripheren Nervensystems) mit ca. 30 bis 70 % die häufigste disseminierte Form der Borreliose in Europa/Deutschland ist. Aktuelle Zahlen aus Deutschland sind allerdings nicht vorhanden, da die Meldepflicht auf die neuen Bundesländer begrenzt ist, die entsprechenden Falldefinitionen des Robert-Koch-Instituts nicht alle Ersterkrankungen berücksichtigen und die diagnostischen Kriterien zudem zu eng gefasst sind. Meldepflichtig ist das Erythema migrans, das jedoch nur in 50% der Fälle auftritt und zudem an schwer einsehbaren Körperstellen unentdeckt bleiben kann. Des Weiteren ist die frühe Neuroborreliose meldepflichtig, wobei hier ein entsprechender Nachweis im Liquor Voraussetzung ist. Gerade im Frühstadium kann die Liquorauswertung jedoch noch negativ sein und eine Beteiligung von peripheren Nerven ist oftmals durch diese Untersuchung nicht nachweisbar.
Legt man den untersten Wert des o.a. Studienmaterials von 30 % zugrunde, so wären von jährlich 60.000 - 100.000 Neuerkrankungen etwa 18.000 bis 30.000 Neuroborreliose-Fälle (periphere und/oder zentrale Nerven). Davon erkranken jedes Jahr mindestens 10 %, d.h. 6.000 bis 10.000 Menschen an einer Neuroborreliose mit Beteiligung des Zentralen Nervensystems. Im Vergleich dazu verursacht die ebenfalls durch Zecken übertragene FSME etwa jährlich 250 bis 400 Infektionen, wobei nach Angaben des Landesgesundheitsamt hier nur insgesamt 10 % zu schweren neurologischen Komplikationen führen sollen. (Hohlbach, Oehme: FSME und Lyme-Borreliose - Erregerverbreitung in Zecken und Erkrankungsrisiken in einem FSME-Risikogebiet)
Als späte chronische Formen werden bei der Neuroborreliose insbesondere folgende Krankheitsmanifestationen in der Fachliteratur angegeben, wenn sie länger als 6 Monate bestehen (vegl. auch DGN-Leitlinien Neuroborreliose und Falldefinitionen Eucalb):
*
Radikulitis spinaler Nerven, Bannwarth Syndrom (radikuläre Schmerzen, Paresen und Parästhesien)
*
Radikulitis der Hirnnerven (u.a. Fazialisparese, Augenmuskelparesen, Optikus- Neuritis Papillenödem, Hörminderung, Schwindel, Hypoglossusparese)
*
Meningitis ( u.a. Kopfschmerzen, Fazialisparese, Meningismus, Lichtscheu, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, emotionale Labilität)
*
Neuritis peripherer Nerven (u.a. Polyneuropathie, oft in Verbindung mit einer ACA)
*
Enzephalitis (u.a. Paresen, Sprechstörungen, Koordinationsstörungen, epileptische Anfälle, Konzentrationsschwäche, Bewusstseinsminderung und Halluzinationen)
*
Myelitis (u.a. Sensibilitätsstörungen, zentrale und periphere Paresen, Blasenentleerungsstörungen, häufig in Verbindung mit einer Enzephalitis)
*
zerebrale Vaskulitis (u.a. Thalamus- und Hirnstamminfarkt)
*
Myositis
*
Post-Borreliose-Syndrom, bzw. Post-Lyme-Syndrom (chronic fatigue- bzw. fibromyalgieartige Beschwerden)
*
Lyme-Enzephalopathie (Konzentrationsstörungen, Wesensveränderungen, Depressionen, Müdigkeit)
Augrund der vielfältigen möglichen Erkrankungsformen einer Neuroborreliose besteht die große Gefahr, dass sie z.B. als Fibromyalgie, Multiple Sklerose, Neuropsychiatrische Erkrankungen, Vaskulitis oder kognitiven Beeinträchtigungen anderer Ursachen fehldiagnostiziert und damit auch falsch behandelt wird. Solche Fehldiagnosen bedeuten, dass die Chance auf eine ursachliche Behandlung mit Antibiotika vertan wird und in der Folge durch infektionsbedingte Folgeschäden oder eine Erregerpersistenz schwere bleibende Schäden entstehen, was eine ursächliche Heilung erschwert oder sogar unmöglich macht. Wenn in diesen Fällen eine Behandlung mit Kortison oder anderen immunsuppressiv wirkenden Medikamenten behandelt wird, kann dies zu einer Verschlimmerung führen und zudem eine Antikörperantwort unterdrücken.
Die bei einer Neuroborreliose empfohlene Liquordiagnostik (Untersuchung des Nervenwassers) zum Nachweis einer Beteiligung des Zentralen Nervensystems ist sehr unzuverlässig. Die Angaben in der internationalen Fachliteratur zur Sensitivität der Liquordiagnostik schwanken zwischen 20 und 70% je nach Stadium, Nervenbefall (peripher oder zentral), Qualität des Test-Verfahrens, Auswertungskriterien, Interpretationsgrundlage und Erfahrung der Klinik, bzw. des Labors. Insbesondere in der Frühphase der Neuroborreliose ist die Liquordiagnostik meist negativ. Zudem kann die Serologie negativ, aber durchaus Antikörper im Liquor gebildet worden sein. Das kann dazu führen, dass bei einem negativen serologischen Screening keine Liquordiagnostik durchgeführt und deshalb die Borreliose als Ursache einer Nervenerkrankung übersehen wird.
Im europäischen, bzw. deutschen Raum sind kognitive und neuropsychiatrische chronische Borreliose-Erkrankungen kaum erforscht, obwohl die Neuroborreliose hier aufgrund eines Organtropismus der Genospezies B. afzellii häufiger vorkommen soll als in den USA. Diese Erkrankungsformen werden deshalb in den Fachpublikationen kaum erwähnt. Es ist zudem in Deutschland eher unüblich, dass bei Wesensveränderungen oder psychischen Erkrankungen ein Screening auf Infektionserreger durchzuführen.
Es stellt sich auch die Frage, wie Borrelien die Blut-Hirn-Schranke durchbrechen können und wie sie in der Lage sind, in diesem "immunologisch privilegierten Bereich" zu persistieren, wo sie auch von Antibiotika nur schlecht zu erreichen sind. "Die Fähigkeit der Borrelien an die Astrozyten zu adhärieren spielt möglicherweise eine Rolle beim Übertritt von der Blutbahn ins Gehirn." und "Durch das Eindringen in die Astrozyten gelingt es den Borrelien möglicherweise über längere Zeit im Wirt zu überdauern." (Rößle, Birgit: Elektronenmikroskopische Untersuchungen an Borrelien: Ultrastruktur und Immuncytologie)
Die Pathogenese der verschiedenen späten Erkrankungsformen einer Neuroborreliose sowie deren Langzeitverlauf ist unzureichend erforscht. Insbesondere bei einigen Spätfolgen der Borreliose ist bislang nicht geklärt, ob es sich dabei um eine Erregerpersistenz, irreversible Schädigungen oder anderen erregerunabhängige immunpathologische Prozesse handelt. Denn es fehlen zum klinischen Verlauf der Neuroborreliose sowie der Entwicklung der Erkrankung nach einer Behandlung mit Antibiotika zuverlässige Langzeitstudien an einer ausreichend großen Probandenzahl.
Die Lyme-Arhtritis
Die Lyme-Arthritis wird primär mit einem "dicken Knie" in Verbindung gebracht, obwohl die Borreliose zu vielfältigen weiteren Manifestationen in den Gelenken, Sehnen und Muskeln führen kann.
"Die Gelenkentzündung selbst ist nicht sehr charakteristisch. Sie ähnelt meist einer reaktiven Arthritis oder einer reinen Arthralgie der Fingergelenke und kann leicht mit einer Gonarthrose oder einem Meniskusschaden verwechselt werden." (Burmester: Differentialdiagnostik der Arthrose)
"Sonstige rheumatologische Manifestationen der Lyme-Borreliose: B. burgdorferi kann gelegentlich eine Daktylitis, Bursitis oder Myositis verursachen. Darüber hinaus gibt es Fallbeschreibungen über Tenosynovitis, Fasziitis, dermatomyositisartige Verläufe, Osteomyelitis und Panniculitis"
(Burmester: Klinik und Therapie der Lyme Borreliose)
„Typischerweise handelte es sich bei der Lyme-Arthritis um eine rezidivierende Mono- oder Oligoarthritis, hauptsächlich der großen Gelenke im Bereich der unteren Extremitäten. Bei fast allen Patienten wird im Verlaufe der Erkrankung ein Kniegelenk befallen. Es können aber auch nur heftige Arthralgien ohne erkennbare Synovitiden bestehen. Ein symmetrischer Befall kleiner Gelenke wie bei der rheumatoiden Arthritis ist selten“ (Kamradt Aktivierung und Differenzierung von T-Lymphozyten durch Infektion und Autoimmunität)
Es ist davon auszugehen, dass ärztlicherseits die "unspezifischeren" Formen einer Lyme-Arthritis sehr oft nicht mit einer Borreliose in Verbindung gebracht werden. Dass eine Lyme Arthritis auch noch Monate oder sogar Jahre nach einer erfolgten Infektion mit Borrelia burgdorferi erstmalig auftreten kann, erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Fehldiagnose.
Die Therapieversager bei einer Lyme-Arthritis werden offiziell auf 10 bis 30 % in Abhängigkeit vom jeweiligen Stadium geschätzt. Unklar ist jedoch, worauf diese Therapieversagern zurückzuführen sind: Unzureichende Therapie? Erregerpersistenz? Postinfektiöse oder immunpathologische Prozesse?
Deshalb ist auch nicht geklärt, ob die Lyme-Arthritis durch längere und/oder höher dosierte Behandlungen mit Antibiotika heilbar wäre, wenn kürzere und niedriger dosierte Behandlungen versagen. Da Borrelien im Gewebe und in den Synovial-Zellen in einer ruhenden Form persistieren, aber wieder aktiv werden können, wäre zudem die Frage, ob durch wiederholte Antibiosen nicht zumindest die Progression der Krankheit verhindert werden könnte, wenn vielleicht auch keine komplette Erregereliminierung möglich ist. Bei einigen Formen der Lyme-Arthritis kann durch die PCR mit einer 60 – 80%igen Sensitivität die Erregeraktivität festgestellt werden. Ein negatives Ergebnis besagt jedoch nicht, dass keine aktiven Erreger (mehr) vorhanden sind.
Die späte oder chronische Lyme-Borreliose
Was unter dem Begriff „chronische Borreliose“ verstanden werden soll, ist seit über 10 Jahren Inhalt von medizinischen Kontroversen, welche von einem grundsätzlichen weltweiten Dissens der Wissenschaftler und Ärzte zur Ursache, Pathogenese, Diagnostik und Therapierbarkeit der späten Krankheitsmanifestationen geprägt ist. Deshalb gibt es bislang keinen allgemeinen Konsens über die Definition und Diagnose der „chronischen Borreliose“ sowie der unter diesem Begriff subsumierten Krankheitsformen.
*
Einige Wissenschaftler und Mediziner verwenden den Begriff "chronische Borreliose" synonym für das späte Stadium. Andere Spezialisten sind der Meinung, dass es einen Unterschied zwischen der chronischen Form und einer späten Phase einer akuten oder floriden Borreliose gibt.
*
Wieder andere Mediziner verwenden den Begriff für ein bestimmtes häufig in der Spätphase auftretendes Syndrom, das auch manchmal als Post-Lyme-Syndrom oder Post-Treatment-Lyme-Sndrom (PTLS) bezeichnet wird.
*
Einige Spezialisten bezeichnen inzwischen analog der bei anderen Erkrankungen angewendeten Kriterien eine länger als sechs Monate bestehende Borreliose-Erkrankung als chronisch.
Die späten Krankheits-Formen einer Borreliose können sich insbesondere entwickeln, wenn in der Frühphase eine Erkrankung übersehen oder fehldiagnostiziert und deshalb nicht mit Antibiotika behandelt wurde. Aber auch eine nicht ausreichende Antibiose kann zu einer Chronifizierung führen.
Als späte (chronische) Krankheitsmanifestationen der Borreliose werden in der Fachliteratur vor allem angegeben:
o Acrodermatitis chronicum arthrophicans (ACA)
*
Stadium infiltrativum
*
atrophes Stadium
*
sklerodermieartige Verhärtung der Haut und fibröse Knoten
o Chronisch rezidivierende Lyme-Arthritis
*
Arthritis mit Befall der großen Gelenke
*
Arthralgien, Myalgien
*
Daktylitis
*
Bursitis
*
Myositis
*
dermatomyositisartige Verläufe
*
Tenosynovitis
*
Fasziitis
*
Osteomyelitis
*
Paniculitis usw.
o Neurologische, neuropsychiatrische Erkrankungen
*
Radikulitis spinaler Nerven
*
Radikulitis der Hirnnerven
*
Meningitis
*
Neuritis peripherer Nerven
*
Enzephalitis
*
Myelitis
*
Borrelieninduzierte zerebrale Vaskulitis
*
Borrelieninduzierte Myositis
*
Post-Lyme-Syndrom, Post-Treatment-Lyme-Syndrom
*
Lyme-Enzephalopathie
Als mögliche Ursachen für eine Chronifizierung einer Borreliose trotz einer Antibiotika-Behandlung kommen grundsätzlich infrage:
*
Erregerpersistenz und ein damit verbundenes chronisch (rezidivierendes) Krankheitsgeschehen aufgrund der Überlebensmechanismen der Borrelien, bzw. einiger Genospezies und/oder durch eine unzureichende Therapie mit Antibiotika (zu kurz behandelt, zu niedrig dosiert, nicht geeignete Antibiotika),
*
immunpathologische Vorgänge,
*
postinfektiöse Prozesse oder Schädigungen nach einer erfolgreichen Erregereliminierung,
*
unterschiedliche Ansprechbarkeit der verschiedenen Genospezies auf Antibiotika,
*
unterschiedliche Ansprechbarkeit der einzelnen Krankheitsmanifestationen auf Antibiotika,
*
Überleben von Borrelien in immunologisch privilegierten Bereichen,
*
Co-Infektionen mit weiteren (durch Zecken übertragbaren) Infektionserregern, wodurch sich eine Behandlung schwieriger gestaltet,
*
Superinfektionen durch die Behandlung mit Antibiotika, wie z.B. mit Pilzen, wie Candida und Aspergillus oder anderen Erregern,
*
Fehldiagnose: Es liegt keine Borreliose sondern eine andere Erkrankung vor.
Die verschiedenen möglichen Ursachen werden kontrovers von den Wissenschaftlern und Medizinern diskutiert. Das hierzu vorhandene Studienmaterial ist nach wie vor unzulänglich. Aufgrund fehlender objektiver Parameter zur Überprüfung eines Therapieerfolgs gestaltet sich im jeweiligen Einzelfall eine Aussage über eine weitere Erregeraktivität und damit ggf. möglichen weiteren Behandelbarkeit mit Antibiotika schwierig.
Chronische Neuroborreliose
Vrethem M; et al: veröffentlichten im Okt. 2002 eine Studie über die Folgeprobleme der Neuroborreliose. Die Studiengruppe gibt an, dass die Existenz der chronischen Neuroborreliose kontrovers gesehen wird. 106 Patienten mit einer Neuroborreliose, die unter Gewährleistung der etablierten Kriterien diagnostiziert waren wurden mit einer Kontrollgruppe von 123 Patienten mit festgestelltem Erythema migrans verglichen. Beide Gruppen waren mit Antibiotika behandelt worden. Der Zeitraum zwischen der Feststellung der neurologischen Symptome und der Versendung des Fragebogens war 32 Monate bei den Patienten mit Neuroborreliose und 33 Monate für die Kontrollgruppe. Es wurde festgestellt, dass 50% Prozent der Personen mit einer Neuroborreliose im Vergleich zu 16% bei der Kontrollgruppe persistierende Beschwerden zeigten. Die meisten signifikanten Differenzen zwischen den Gruppen waren: Gedächtnisstörungen und Depressionen. Paresthesien und persistierende Fazialis-Paresen waren ebenso signifikant höher bei den Patienten mit einer Neuroborreliose. Schlussfolgerung: Die Studie zeigt, dass persistierende neurologische Symptome sehr häufig nach einer Neuroborreliose-Infektion vorkommen. Wie auch immer, die pathologischen Mechanismen, die hinter dieser Entwicklung von neurologischen Symptomen stehen, sind noch unklar (2).
Amerikanische Studien weisen darauf hin, dass sich im Rahmen einer Neuroborreliose eine Lyme-Enzephalopathie entwickeln kann. (3, 4, 5, 6) Seitdem gibt es immer wieder Versuche, die Ursachen der sich überlappenden Symptomatik eines möglichen chronischen Entzündungsprozesses oder einer postinfektiösen Schädigung gegenüber einer Lyme-Enzephalopathie abzugrenzen. Dies gestaltete sich jedoch sehr schwierig. Chronisch persistierende oder periodisch wieder aufflackernde Erkrankungen treten bei einer Neuroborreliose bei etwa der Hälfte der Patienten trotz Behandlung mit einer „stadiengerechten Therapie“ auf.
Post-Lyme-Syndrom, Post-Treatment-Lyme-Syndrom oder chronisches Lyme-Syndrom?
Aus dem vorhandenen Studienmaterial ergibt sich, dass etwa 50 % der Neuroborreliose-Patienten und 16% bis 50% der Borreliose-Patienten insgesamt trotz der empfohlenen üblichen Antibiotika-Therapien noch an Symptomen leidet, die in unterschiedlicher Gewichtung und Ausprägung folgende Krankheitszeichen ausmachen:
o Arthralgien, Myalgien,
o Chronische schwer Müdigkeit und Abgeschlagenheit,
o Kognitive Beeinträchtigungen,
o Psychische Veränderungen.
Diese Symptomatik kann zusätzlich von weiteren Beschwerden und Erkrankungen begleitet sein.
Ob es sich dabei um einen von aktiven Erregern verursachten oder getriggerten Prozess, postinfektöse Schädigungen oder anderweitige immunpathologische Vorgänge handelt, ist grundsätzlich nach wie vor unklar. Da der Therapieerfolg einer Antibiotika-Behandlung nicht serologisch nicht kontrolliert werden kann, ist es im Einzelfall schwierig, festzustellen, welche Pathomechanismen diesem Syndrom zugrunde liegen.
Die Symptomatik tritt während des gesamten Krankheitsverlaufs auf und wird meist von weiteren schweren Symptomen begleitet:
1983 führte W. Kristoferitsch vom Wilhelminenspital Wien eine Untersuchung zur Borreliose verursachten Meningopolyneuritis durch. Bei etwa 40 % der mit Antibiotika behandelten Patienten stellte er Schmerzen im Muskel- und Skelettsystem. 8 Patienten wurden 16 bis 23 Wochen nach Erkrankungsbeginn punktiert. Er berichtet, dass von den Patienten erst nach Abklingen der GBB-Symptomatik berichtet wurde und vermutet, dass durch die Heftigkeit der radikulären Schmerzen, diese generalisierten Schmerzen nicht wahrgenommen worden sind. Schmerzen im Muskel und Skelettsystem würden allerdings in allen Stadien der Lyme Borreliose beobachtet. Im Stadium I würde es sich um intermittierende migratorische Arthralgien handeln, die manchmal bis zu zehn Gelenke betreffen. Zusätzlich seien die Sehnenansätze, Sehnen, Muskeln und Schleimbeutel schmerzhaft. Migratorische Arthralgien würden über Jahre immer wieder auftreten und auch bei Patienten mit intermittierender Arthritis des Stadiums II und des Stadiums III beobachtet. (7)
Das Auftreten dieses Syndroms wurde durch zahlreiche Studien - auch nach einer Antibiotika-Behandlung im späten, bzw. chronischem Stadium - belegt, wobei die Angaben über das Vorkommen in der Fachliteratur stark schwanken.
1994 untersuchten beispielsweise Asch et al 215 Patienten, die zwischen 1980 und 1987 an einer Borreliose (gesichert aufgrund der CDC-Kriterien) erkrankt waren. Er stellte bei 53 % aller Borreliose-Patienten noch nach ca. 3 Jahren persistierende neurologische oder arthritische Beschwerden fest. 31% dieser Patienten hatten vor allem Arthralgien und eine chronische Müdigkeit (8). Zu ähnlichen Ergebnissen kamen weitere Studien (9, 10, 11, 13).
In einer jüngst durchgeführten Meta-Analyse des Studienmaterials zur chronischen Borreliose wurde dementsprechend festgestellt, dass eine strenge Evidenz bestehen würde, dass einige Patienten mit Lyme-Borreliose auch nach einer Behandlung mit Antibiotika jahrelang an Müdigkeit, Muskelschmerzen und neurokognitiven Problemen leiden würden (12).
Nachdem festgestellt worden war, dass diese späte Symptomatik der Borreliose einem Chronic-Fatigue-Syndrom (CFS) oder einem Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ähnelt, gab es zahlreiche Studien, durch die eine Klärung der Ähnlichkeiten und Unterschiede vorgenommen werden sollten.
Bujak et al untersuchten 1996, inwieweit PLDS-Patienten (PTLDS=Post-Treatment-Lyme-Disease-Syndrom) den Diagnosekriterien einer FMS oder CFS entsprechen würden. Sie stellten fest, dass 30 % der Patienten den FMS- und 13% CFS-Kriterien entsprachen, jedoch 43 % diese Kriterien nicht erreichten. Daraus folgerten sie, dass trotz einer antibiotischen Behandlung ein Post-Lyme-Syndrom, charakterisiert von persistierenden Arthralgien, Müdigkeit und neurokognitiven Beeinträchtigungen, ausgelöst durch die Borreliose, entstehen kann. (10)
Krupp et al. stellten 1999 in einer Studie fest, dass Patienten mit einem Post-Lyme-Syndrom (PLS) größere kognitive Defizite aufweisen würden, als Patienten mit einem Chronic Fatigue Syndrom.
Gustaw et al. führten 2003 eine Studie über das Vorhandensein eines Chronischen Müdigkeitssyndroms bei 86 Patienten mit einer Borreliose und einer Frühsommermeningo-Enzephalitis (FSME) durch. Das CFS fand sich bei 24 % der FSME-Patienten und bei 71 % der Borreliose-Patienten. 61 % der Borreliose-Patienten hätten in der Folge auf eine entsprechende CFS-Behandlung angesprochen. (6)
Fallon et al fanden unter Anwendung eines FMS-Fragebogens einige Unterschiede zwischen der FMS und dem PLDS im Rahmen einer Borreliose. Dabei wurde von ihm festgestellt, dass die PDLS-Patienten vor allem größere physische Beeinträchtigungen aufwiesen als die FMS-Patienten. Er stellte bei weiteren Untersuchungen fest, dass bei einem Vergleich von Kindern mit einer Lyme Borreliose in der Vorgeschichte signifikant mehr kognitive und psychiatrische Störungen festgestellt wurden als bei einer gesunden Vergleichsgruppe. (14)
Während es in Deutschland bis Ende der 90iger Jahre üblich war, dieses Syndrom als „Post-Lyme-Syndrom“ zu bezeichnen, erhalten auch Patienten mit einer zuvor gesicherten Borreliose-Erkrankung und/oder positiven Antikörpern bei Vorliegen einer entsprechenden Symptomatik Diagnosen wie: „Zustand nach (Z.n.) Borreliose“ (Vertreter der Post-Infektions-Theorie), „Fibromyalgie/Chronic-Fatigue-Syndrom“ (V. der Verlegenheitsdiagnosen) und „Psychosomatische Störung“ (meist Nervenärzte und Psychotherapeuten). Als Begründung für diese Art der Diagnostik wird meist angeführt, dass es sich nun bei einem serologisch positiven Befund um eine Seronarbe (vor allem persistierende IgG-Werte) handeln würde und nach ein bis drei Antibiotika-Behandlungen über zwei bis vier Wochen alle Erreger eliminiert sein müssten. Die weiterhin vorhandenen Symptome und Beeinträchtigungen seien jetzt auf etwas anderes zurückzuführen, aber nicht (mehr) auf eine floride, bzw. aktive Borreliose. Dies kann jedoch im Einzelfall nicht belegt werden, da serologisch der Therapieerfolg nicht kontrolliert werden kann. Eine aktive Borrelien-Infektion kann zudem zwar manchmal durch PCR oder Kultur nachgewiesen, aber nicht ausgeschlossen werden.
Die meisten Studien zu den späten Folgen der Borreliose kommen aus dem amerikanischen Raum. Im europäischen, bzw. deutschsprachigen Raum existieren kaum Studien zu diesem Syndrom, obwohl die Neuroborreliose angeblich häufiger in Europa als in den USA vorkommen soll.
Aussagen der Spezialisten zu den späten Krankheitsmanifestationen der Lyme Borreliose
"Die späten neurologischen Symptome bestehen hauptsächlich aus einer leichten bis schweren Enzephalopathie, einer Polyneuropathie und tief greifender Müdigkeit. Diese Enzephalopathie, von der angenommen wird, dass sie bei 9 von 10 Patienten mit chronischer Neuroborreliose vorkommt, ist oft charakterisiert von subtilen Störungen der Stimmung, des Gedächtnisses und des Schlafes. Es ist in der Regel keine subakute Enzephalopathie, so dass es für den Psychiater die größte diagnostische Herausforderung sein kann, denn diese Patienten können reizbar, traurig, deprimiert sein und verminderte Konzentration und schlechten Schlaf aufweisen. Ein diagnostischer Hinweis auf die Lyme-Borreliose als Ursache der Depression und Reizbarkeit könnten begleitende Gedächtnisverluste und Wortfindungsprobleme sein oder eine begleitende Polyneuropathie. Die Polyneuropathien, oft nachweisbar in elektrophysiologischen Tests, schließen spinale oder radikuläre Schmerzen, Parästhesien, sensorische Defizite und/oder Schwäche im unteren motorischen Neuron ein." (Auszug Fallon et al, Columbia-Universität 1991, 15)
"Die Lyme-Enzephalopathie wird seit 3 Jahren als mögliche klinische eigenständige Entität diskutiert. In einer prospektiven- kontrollierten Studie, wurden neuropsychologisch 20 Patienten mit durchgemachter akuter Neuroborreliose Jahre nach dem Akutereignis untersucht. Es fanden sich eindeutige Störungen des Lernens und des Gedächtnisses im Sinne einer ausgestanzten encephalopathischen Veränderung bei den Patienten, die eine akute Neuroborreliose Jahre vor der neuropsychologischen Untersuchung durchgemacht haben. Biochemische Faktoren im Liquor werden analysiert." (Auszug aus: Schmutzhart, Universität Innsbruck, Siehe hierzu auch: Lyme encephalopathy: long-term neuropsychological deficits years after acute neuroborreliosis 1995, 16)
Therapieresistente Lyme-Arthritis oder "Post-Lyme-Syndrom"? Bis zu 50 Prozent der Patienten klagen nach abgeschlossener Therapie über unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Myalgien und Arthralgien. Diese Beschwerden sprechen auf weitere antibiotische Therapie nicht an, sind jedoch in der Regel selbstlimitierend. Infektionsbedingte Gewebszerstörung, die auch nach antibiotischer Therapie der verursachenden Borrelien nicht zurückgeht, ist auch bei Lyme-Arthritis beschrieben worden (47). Arthralgien bei Zustand nach Lyme-Arthritis sind keine aktive Lyme-Arthritis. Bei einer Minderheit der Patienten persistiert eine objektivierbare Arthritis (nicht bloß Arthralgien) auch nach zwei- oder dreifacher Behandlung mit Antibiotika. Es stellt sich die Frage, ob diese therapieresistenten Verläufe durch Persistenz des Erregers, Autoimmunphänomene oder beides bedingt sind. Neuere Befunde deuten darauf hin, dass die antibiotikaresistente Lyme-Arthritis bei einigen Patienten durch immunpathologische Vorgänge hervorgerufen sein könnten (7, 27, 34). Der Textkasten: Beschwerden bei Lyme-Arthritis fasst die möglichen Gründe persistierender Beschwerden nach antibiotischer Therapie bei Lyme-Arthritis zusammen. (Burmester, Charite: Die Lyme-Arthritis: Klinik, Diagnose und Therapie, 17)
„Post-Lyme-Borreliose-Syndrom: Bei einigen Patienten kommt es trotz Verschwinden aller entzündlichen Manifestationen unter der antibiotischen Therapie zu Arthralgien, Mylagien, Schlafproblemen und Müdigkeit, andere Patienten berichten über Kopfschmerzen und Nachlassen von Gedächtnis und Konzentration. Einige Patienten erfüllen auch die Kriterien für ein Fibromyalgie-Syndrom. Diese Patienten erleiden einen erheblichen Verlust an Lebensqualität und zeigen eine ausgeprägte funktionelle Beeinträchtigung.“ (Huppertz, Krause Lyme Borreliose 2003, 18)
„Fortbestehende Beschwerden: Unzureichende Therapie? Nachhinkende Reparaturprozesse? Irreversible Schäden? Reinfektion? Falsche Diagnose? Post- Lyme-Disease- Syndrom?“ (Universität Heidelberg: Zeckenstich, Lyme-Borreliose, FSME, 19)
Quellenangaben:
1. Albert et al Lyme arthritis in a 12-year-old patient after a latency period of 5 years 1999
2. Vrethem et a Chronic symptoms are common in patients with neuroborreliosis 2002
3. Halperin Lyme borreliosis-associated encephalopathy 1990
4. Fallon et al Lyme disease – a neuropsychiatric Illness 1995
5. Benke et al Lyme-encephalopathie: longterm neuropsychological deficits years after acute neuroborreliosis 1995
6. Gustaw et al Neurological and psychological symptoms after the severe acute neuroborreliosis 2001
7. Kristoferitsch, Neuropathien bei Lyme Borreliose. 1989
8. Asch et al Lyme disease: an infectious and postinfectious syndrome 1994
9. Steere et al The Long-Term Clinical Outcomes of Lyme Disease 1994
10. Bujak et al Clinical and neurocognitive features of the post Lyme syndrome 1996
11. Treib et al Clinical and serologic follow-up in patients with neuroborreliosis
12. Post-Lyme borreliosis syndrome: a meta-analysis of reported symptoms, 2005
13. Logigian Neuropsychological deficits in Lyme disease patients with and without other evidence of central nervous system pahtology
14. Fallon et al Lyme disease – a neuropsychiatric Illness 1995
15. Fallon et al, Columbia-Universität: Die neuropsychiatrischen Manifestationen der Lyme-Borreliose, 1991
16. Schmutzhart, Universität Insbruck, Siehe hierzu auch: Lyme encephalopathy: long-term neuropsychological deficits years after acute neuroborreliosis 1995
17. Burmester, Charite: Die Lyme-Arthritis: Klinik, Diagnose und Therapie
18. Huppertz, Krause Lyme Borreliose 2003
19. Universität Heidelberg: Zeckenstich, Lyme-Borreliose, FSME
20. Wilske et al Mini erythema migrans - a sign of early lyme borreliosis 2006
21. Paluzzi et al Detection of spirochaetal DNA simultaneously in skin biopsies, peripheral blood and urine from patients with erythema migrans 2004
22. DGN: Neuroborreliose
23. Eucalb: Krankheitsmanifestationen
J. Zacharias, Beiratsmitglied des Bundesverband Zecken-Krankheiten | E-Mail
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