Neues zum Thema Fibromyalgie
Ich danke unserer Kornelia Schmidt von der Fibro-Gruppe in Schwalbach für den unten eingestellten Artikel, den ich gerne veröffentliche.
R. Wirth, 1. Vorsitzender IVU e.1v.
Kornelia Schmidt - 18.03.13, 20:19
http://www.uni-wuerzburg.de/sonstiges/meldungen/single/artikel/fibromy...
Fibromyalgie: Erster Nachweis erbracht, dass Fibromyalgie eine organische Erkrankung ist.
Chronische Schmerzen unklarer Herkunft sind ein typisches Merkmal der Fibromyalgie. Würzburger Medizinerinnen konnten jetzt zeigen, dass dabei bestimmte Nervenfasern geschädigt sind.
Fibromyalgie hat den Ruf einer mysteriösen Krankheit: Die Symptome sind vielfältig, die Auslöser unbekannt, die Diagnose ist schwer zu stellen. Jetzt ist Forschern am
Universitätsklinikum Würzburg erstmals ein eindeutiger Nachweis
gelungen: Schäden im Bereich der kleinen Nervenfasern.
Sie sind für die Wahrnehmung von Schmerzen verantwortlich und für das Temperaturempfinden: Sogenannte kleinkalibrige schmerzleitende Nervenfasern (small fibers), deren Endigungen in der Haut lokalisiert sind. Auf diese Fasern haben sich
Wissenschaftler der Universität Würzburg konzentriert bei der Suche nach den Auslösern der typischen Schmerzen bei Fibromyalgie. Mit Erfolg:„Wir haben bei Patienten mit einem Fibromyalgie-Syndrom deutliche Zeichen für eine Schädigung der kleinen Nervenfasern nachgewiesen“, sagt Nurcan Üçeyler, Privatdozentin an der Neurologischen Klinik des
Würzburger Universitätsklinikums. Über die Ergebnisse ihrer Studie berichtet die Fachzeitschrift Brain in ihrer aktuellen Ausgabe.
Paradigmenwechsel: Organische Grundlage identifiziert
Diese Entdeckung läutet nach Üçeylers Worten „einen Paradigmenwechsel“ ein: Die Ergebnisse der Studie würden das bisherige pathophysiologische Konzept der Fibromyalgie herausfordern und seien deshalb von beträchtlicher Relevanz. „Mit dem Nachweis einer Beeinträchtigung der kleinen Nervenfasern bei Patienten mit Fibromyalgie
erfüllt Schmerz bei dieser Krankheit nun die Kriterien von neuropathischen Schmerzen, also Schmerzen, die durch eine Schädigung oder Erkrankung des Nervensystems bedingt sind“, sagt Üçeyler. Darüber hinaus hätten Mediziner jetzt erstmals ein objektiv messbares Kriterium an der Hand, an dem sie sich bei der Diagnosestellung orientieren
können.
Die Studie
35 Patienten haben Nurcan Üçeyler und Prof. Claudia Sommer in ihrer Studie untersucht. 25 von ihnen litten an einer Fibromyalgie, zehn waren an einer Depression erkrankt – einer Krankheit,die Fibromyalgiepatienten häufig zugeschrieben wird, da es bislang an
Kriterien für eine verlässliche Diagnose fehlte. An Schmerzen littendiese zehn Patienten nicht. Dazu wurden passende Kontrollgruppen für jede Untersuchung rekrutiert.
Mit drei spezifischen Testverfahren haben die Medizinerinnen die Studienteilnehmer untersucht: Die quantitative sensorische Testung (QST) bestimmt unter anderem thermische Wahrnehmungs- und Schmerzschwellen der kleinen Nervenfasern. Die
Ableitung Schmerz-assoziierter evozierter Potenziale (PREP) gibt
Auskunft über die elektrische Erregbarkeit der Nervenfasern. Stanzproben aus der Haut ermöglichen die Analyse der Morphologie unter dem Mikroskop. „Diese drei Methoden sind somit objektive Verfahren, die sich bei der Beurteilung der kleinen Nervenfasern ergänzen und deren mehrdimensionale Analyse erlauben“, sagt Üçeyler.
Die Ergebnisse
Das Untersuchungsergebnis war eindeutig: „In allen drei Testverfahren fanden sich bei Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom deutliche Zeichen für eine Schädigung der kleinen Nervenfasern“, erklärt die Medizinerin. Fibromyalgie-Patienten reagierten in der QST weniger empfindlich auf Temperaturreize. In den PREP-Ableitungen zeigten die
Betroffenen schwächere Antworten auf die Schmerzreize. Und auch unter dem Mikroskop fanden die Wissenschaftlerinnen deutliche Veränderungen:„In der Hautstanzbiopsie war die Anzahl der kleinen Fasern deutlich reduziert – ein Befund, der typisch ist für Erkrankungen mit small-fiber-Beteiligung“, so Nurcan Üçeyler.
Besonders interessant für die Wissenschaftlerinnen war die Tatsache, dass sich Fibromyalgie-Patienten in den Untersuchungsergebnissen nicht nur von gesunden Studienteilnehmern unterschieden, sondern auch von den Patienten, die an einer Depression erkrankt waren, aber nicht unter Schmerzen litten – letztere zeigten
ähnliche Ergebnisse wie Gesunde.Obwohl Fibromyalgie-Patienten ähnlich
viele depressive Symptome aufwiesen wie die depressiven Studienteilnehmer, zeigten nur sie eine Beeinträchtigung ihrer kleinen Nervenfasern.
Für das Team um Nurcan Üçeyler und Claudia Sommer ist das Ergebnis dieser Studie klar: „Auch wenn noch nicht bekannt ist, warum es zu einer Schädigung der small fibers bei Fibromyalgie kommt, könnten unsere Ergebnisse die Grundlage für die Neudefinition des Fibromyalgie-Syndroms als Erkrankung schaffen.“
Das Fibromyalgie-Syndrom
Schätzungsweise zwei bis vier Prozent der erwachsenen Allgemeinbevölkerung westlicher Staaten leiden an einem Fibromyalgie-Syndrom. Das Fibromyalgie-Syndrom ist charakterisiert durch chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen; dazu kommen weitere Beschwerden wie Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und depressive Symptome.
Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Der Verlust an Lebensqualität ist enorm.
Die Diagnose wird anhand der typischen Beschwerdeschilderung der Patienten gestellt sowie nach Ausschluss von alternativen Diagnosen. Typischerweise lassen sich bei der Untersuchung von Patienten mit Fibromyalgie weder klinisch noch laborchemisch noch
mittels apparativer Zusatzdiagnostik krankhafte Befunde nachweisen. Das
ist auch der Grund, warum das Fibromyalgie-Syndrom bis heute noch nicht als „Krankheit“ anerkannt ist: Es fehlt der Nachweis des krankmachenden Auslösers beziehungsweise einer fassbaren Pathologie
Jahrelange Odysee bis zur Diagnose
So kommt es, dass Fibromyalgie-Patienten in der Praxis häufig nicht ernst genommen werden und sich Bemerkungen wie „Fibromyalgie? Gibt es nicht.“ anhören müssen. Nicht selten werden sie auch mit der Aussage konfrontiert, dass ihre Beschwerden Ausdruck einer Depression sind. Tatsächlich zeigen Fibromyalgie-Patienten häufig auch
depressive Symptome. Diese könnten jedoch genauso gut die Folge ihrer
chronischen Schmerzen sein. Aufgrund dieser „Fehldiagnosen“ dauert es oft Jahre, bis eine Fibromyalgie diagnostiziert und die Symptome behandelt werden. Die lange Odyssee der Patienten ist oftmals frustrierend für Betroffene und Ärzte und verursacht zudem hohe Kosten für das Gesundheitssystem.
Finanziell gefördert wurde die Arbeit aus Forschungsmitteln der Universität Würzburg.
„Small fibers in fibromyalgia syndrome“, Nurcan
Üçeyler, Daniel Zeller, Ann-Kathrin Kahn, Susanne Kewenig, Sarah
Kittel-Schneider, Annina Schmid, Jordi Casanova-Molla, Karlheinz
Reiners, Claudia Sommer; doi:10.1093/brain/awt053
Kontakt:
PD Dr. Nurcan Üçeyler, T: (0931) 201-23542,
ueceyler_n@klinik.uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. Claudia Sommer, T: (0931) 201-23763,
sommer@uni-wuerzburg.de .
. .
Kornelia Schmidt
Kornelia Schmidt - 26.03.13, 19:52
Zusatzbericht zur Uni Würzburg, wichtig ist der letzte Abschnitt.
FIBROMYALGIE- Woher die Schmerzen kommen !
Wer unter Fibromyalgie leidet, leidet unter ständigen Schmerzen in mehreren Körperregionen. Begleitet wird das durch Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und depressive Symptome. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Der Verlust an Lebensqualität ist enorm.
Wer zum Arzt geht und die Beschwerden schildert, wird häufig enttäuscht. Die Diagnostik kann keine krankhaften Befunde nachweisen. Fibromyalgie-Patienten erleben es deshalb oft, dass sie in der Praxis nicht richtig ernst genommen werden.
Oder es kommt zu Fehldiagnosen wie Depression.
Viele habe eine jahrelange Odyssee hinter sich, bis ihre Krankheit richtig diagnostiziert und behandelt wird.
Ein Grund für diese frustrierende Situation ist, dass es bisher keine bekannten Auslöser der Schmerzen und deshalb auch keine Kriterien für das Stellen einer Diagnose gab. Wissenschaftler haben aber jetzt die Auslöser der typischen Schmerzen bei Fibromyalgie gefunden:
Es sind Schäden im Bereich der kleinen Nervenfasern.
Diese sogenannten kleinkalibrigen schmerzleitenden Nervenfasern (small fibers), die in der Haut enden, sind für die Wahrnehmung von Schmerzen verantwortlich und für das Temperaturempfinden.
Herausgefunden haben das die Wissenschaftler bei einer Studie an 35 Patienten.
Mit drei spezifischen Testverfahren haben Ärzte identifizieren können, dass 25 tatsächlich an einer Fibromyalgie und zehn an einer Depression litten.
In den Untersuchungsergebnissen unterschieden sich die Fibromyalgie-Patienten sowohl von gesunden Studienteilnehmern wie von den depressiven Patienten, die keine Schmerzen empfanden.
Die Patienten mit Depressionen aber ohne Schmerzen zeigen im übrigen vergleichbare Ergebnisse wie Gesunde. Eine Beeinträchtigung der kleinen Nervenfasern war nur bei Fibromyalgie-Patienten zu erkennen, obwohl sie ähnlich viele depressive Symptome aufwiesen wie die depressiven Studienteilnehmer.
Die Testungen (1. quantitative sensorische Testung (QST) bestimmt unter anderem thermische Wahrnehmungs- und Schmerzschwellen der kleinen Nervenfasern. 2.
Die Ableitung Schmerz-assoziierter evozierter Potenziale (PREP) gibt Auskunft über die elektrische Erregbarkeit der Nervenfasern. 3. Stanzproben aus der Haut ermöglichen die Analyse der Hautbeschaffenheit.) "haben bei den Patienten mit einem Fibromyalgie-Syndrom deutliche Zeichen für eine Schädigung der kleinen Nervenfasern nachgewiesen“.
Damit erfüllt die Fibromyalgie die Kriterien von neuropathischen Schmerzen, die durch eine Schädigung oder Erkrankung des Nervensystems bedingt sind, sagen die die Mediziner. Eine Antwort, warum die kleinen Nervenfasern überhaupt zu Schaden kommen, können die Wissenschaftler allerdings auch nach diesen Untersuchungsergebnissen noch nicht geben.
Berliner Ärzteblatt 13.03.2013/ Quelle: JAMA. 2013