Archiv für: November 2009, 04

04.11.09

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Kategorien: MCS - CFS - Fibromyalgie, Allergien

NEUSTE PALL STUDIE MCS - VERGIFTUNGSERKRANKUNG

Eine bedeutender Artikel über MCS – Multiple
Chemical Sensitivity wurde am 23. Oktober
2009 von Professor Martin L. Pall als
Kapitel
XX in einem angesehenen Referenzwerk für
Toxikologen, “General and Applied
Toxicology,
3rd Edition” (John Wiley & Sons)
veröffentlicht. Multiple Chemical
Sensitivity
(MCS) ist auch als Chemical Sensitivity,
chemische Intoleranz und toxisch bedingter
Toleranzverlust bekannt, wobei der letzte
Begriff die Rolle von Chemikalien als
Krankheitsauslöser unterstreicht. Pall’s
Veröffentlichung mit dem Titel: Multiple
Chemical Sensitivity: Toxikologische Fragen
und Mechanismen, basiert auf fünf wichtigen
Fakten über MCS:

1. MCS ist eine erstaunlich häufige
Krankheit, sogar häufiger als Diabetes. Das
stellte sich durch eine Reihe von neun
epidemiologischen Studien aus den
Vereinigten
Staaten und jeweils einer Studie aus Kanada,
Deutschland, Schweden und Dänemark heraus.
In
den Vereinigten Staaten sind schätzungsweise
3,5% der Bevölkerung von schwerer MCS
betroffen, eine weitaus höhere Anzahl,
mindestens 12% der Bevölkerung, ist mäßig
betroffen. MCS ist demnach eine sehr große
international auftretende Krankheitsepidemie
mit weitreichenden Auswirkungen in Hinsicht
auf die öffentliche Gesundheit.

2. MCS wird durch toxische
Chemikalienexposition verursacht. MCS
Krankheitsfälle werden durch Exposition
gegenüber sieben verschiedenen
Chemikalienklassen initiiert. Dazu gehören
drei Klassen von Pestiziden und die sehr
große Klasse organischer Lösungsmittel und
verwandter Verbindungen. Ergänzend führen
publizierte Studien Quecksilber,
Schwefelwasserstoff und Kohlenmonoxyd als
Initiatoren an. Von allen dieser sieben
Chemikalienklassen wurde in Tierversuchen
gezeigt, dass sie eine gemeinsame Reaktion
im
Körper hervorrufen, und zwar eine übermäßige
Aktivität eines Rezeptors, der als NMDA
Rezeptor bekannt ist. Weiterhin haben
Tierversuche demonstriert, dass bei den
Chemikalien, die einer dieser sieben Klassen
angehören, die toxische Wirkung durch
Medikamente, die die NMDA-Aktivität
vermindern, stark reduziert wird. Weil
übermäßige NMDA-Aktivität auch nach anderen
Studien an MCS beteiligt ist, haben wir
jetzt
eine überzeugende, bei allen MCS-Fällen
gemeinsame Reaktion, die erklärt, wie
derartig verschiedene Chemikalien die
Krankheit, die wir MCS nennen, hervorrufen
können.

3. Die Rolle von Chemikalien als Giften bei
MCS wurde durch genetische Studien
bestätigt.
Vier solcher Studien haben gezeigt, dass
Gene, die die Geschwindigkeit der
Metabolisierung von an MCS beteiligten
Chemikalien bestimmen, die Anfälligkeit, an
MCS zu erkranken, beeinflussen. Diese vier
Studien wurden durch drei
Wissenschaftlerteams in drei Ländern, den
USA, Kanada und Deutschland publiziert. Sie
haben insgesamt sechs Gene ermittelt, die an
der Festlegung der Suszeptibilität für MCS
beteiligt sind. Jedes dieser sechs Gene hat
eine Rolle bei der Festlegung der
Metabolisierungsrate von Chemikalien, die
mit
MCS in Zusammenhang stehen. Die deutschen
Studien von Schnakenberg und seinen
Kollegen,
die vier dieser sechs Gene einbezog, sind
hierbei wegen des extrem hohen Grades an
statistischer Signifikanz ihrer Studien
besonders überzeugend. Es gibt nur eine
Interpretation für die Rolle dieser Gene bei
der Festlegung der Suszeptibilität für MCS.
Und zwar, dass Chemikalien bei der
Initiierung von MCS-Krankheitsfällen als
Gifte agieren und dass die
Verstoffwechselung
dieser Chemikalien zu Formen, die dabei
entweder weniger aktiv oder stärker aktiv
sind als zu Beginn, deswegen die
Wahrscheinlichkeit beeinflusst, ob eine
Person an MCS erkranken wird. Es ist daher
offensichtlich, dass MCS ein toxikologisches
Phänomen ist, bei dem Krankheitsfälle durch
eine toxische Reaktion gegenüber
Chemikalienexposition verursacht wurden.

4. Wir haben einen detaillierten und
generell
gut untermauerten Mechanismus für MCS.
Dieser
Mechanismus erklärt sowohl die hochgradige
Chemikalien-Sensitivität, die das
charakteristischste Symptom von MCS ist, als
auch viele andere Symptome und Kennzeichen
dieser Erkrankung. Dieser Mechanismus beruht
auf einem biochemischen Teufelskreis, der
auch als NO/ONOO-Zyklus bekannt ist, und mit
anderen Mechanismen interagiert, die schon
vorher als für MCS mitverantwortlich
verdächtigt worden waren, insbesondere
neuronale Sensibilisierung und neurogene
Entzündung. Diese agieren lokal in den
verschiedenen Geweben des Körpers, um eine
lokale Sensibilität in Regionen des Gehirns
und der peripheren Gewebe zu erzeugen,
einschließlich der Lungen, des oberen
Respirationstraktes, Regionen der Haut und
des Verdauungstraktes. Auf Grund dieser
lokalen Beschaffenheit, also weil die
betroffenen Gewebe sich von einem Patienten
zum anderen unterscheiden, unterscheiden
sich
verschiedene MCS Patienten von einander auch
in ihren Sensibilitätssymptomen. Zusätzlich
zu den oben diskutierten Belegen, wird
dieser
generelle Mechanismus durch verschiedene
physiologische Veränderungen unterstützt,
die
bei MCS und verwandten Krankheiten gefunden
werden, bei MCS-Tiermodellen, bei objektiv
messbaren Reaktionen von MCS-Patienten
gegenüber Chemikalien im Niedrigdosisbereich
und bei therapeutischen Reaktionen, die bei
MCS und verwandten Krankheiten gefunden
werden.

5. Seit über 20 Jahren haben einige
fälschlicherweise behauptet, MCS sei eine
psychogene Erkrankung, die nach deren Sicht
durch schlecht definierte psychologische
Mechanismen erzeugt wird. Diese Sicht ist
jedoch vollständig inkompatibel mit den
ganzen Beweisen, die zuvor in dieser
Veröffentlichung diskutiert wurden. Obwohl
solche Unvereinbarkeit schon mehr als Grund
genug ist, diese psychogenen Behauptungen
zurückzuweisen, führt der MCS-Toxikologie
Artikel acht weitere schwerwiegende Mängel
in
den psychogenen Argumentationen auf. Es gibt
eine lange Historie falscher
Psychogenitätsbehauptungen in der Medizin,
während der über Krankheiten wie Asthma,
Autismus, Parkinson, Magengeschwüre,
Multiple
Sklerose, Lupus, interstitielle Zystitis,
Migräne und Colitis Ulcerosa behauptet
wurde,
sie würden durch psychologische Mechanismen
erzeugt werden. Der Nobelpreis in
Physiologie
und Medizin im Jahr 2005 wurde Dr. Robin
Warren und Barry Marshall verliehen, weil
sie
zeigten, dass Magengeschwüre durch eine
bakterielle Infektion verursacht werden und
nicht psychogenen Ursprungs sind. Es ist
nunmehr klar, dass MCS eine physiologische,
durch Chemikalienexposition hervorgerufene
Erkrankung ist, von der fälschlicherweise
behauptet wurde, sie sei psychogen.

Martin L. Pall ist Professor Emeritus für
Biochemie und Allgemeinmedizinische
Wissenschaft an der Washington State
University.

Kontakt: martin_pall@wsu.edu Webseite:
www.thetenthparadigm.org

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